Arlesheim
Ein Hausarztimperium breitet sich in der Region Basel aus

Nach Muttenz, Reinach und Bottmingen erhält auch Arlesheim eine Arztpraxis der rasch expandierenden Firmengruppe Ärztezentren Deutschschweiz AG. Die Firma betreibt einen grossen Aufwand, um Ärzte für die 17 Praxen zu finden.

Christian Mensch
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Der Familiensitz Schloss Meienberg der Familie Züllig in Rapperswil Roland/zh

Der Familiensitz Schloss Meienberg der Familie Züllig in Rapperswil Roland/zh

Der Ausbau schreitet voran. In Bottmingen ist ein leitender Arzt gesucht, in Muttenz ein Facharzt. Für die neue Hausarztpraxis, die in der Überbauung direkt beim Bahnhof Arlesheim entsteht, sind ebenfalls ein leitender sowie ein Facharzt gesucht. In Bottmingen haben im September zwei Gynäkologinnen angefangen. Die Ärztezentren Deutschschweiz AG investiert in der Region Basel.

Jede Praxis ist als eine eigene Aktiengesellschaft eingetragen. Doch sie haben einen gemeinsamen Auftritt und werden geführt von der Ärztezentren Deutschschweiz AG mit Sitz in Wollerau, Kanton Schwyz. Präsident und Investor ist der Gesundheitsökonom Christopher Gilbert Züllig, Spross einer sehr diskreten Rapperswiler Unternehmerdynastie, die in Ostasien einen Pharmakonzern mit Milliardenumsatz aufgebaut hat.

Die Firma scheut keine Mühe, Haus- und Fachärzte für ihre mittlerweile 17 Praxen zu finden. Im Frühjahr organisierte sie eine Roadshow durch die deutschen Städte Freiburg, München, Ulm, Mannheim, Regensburg, Frankfurt, Würzburg und Augsburg, um Ärzte in die Schweiz zu locken. An einem «reichhaltigen Buffet» konnte sich dort bedienen, wer sich zuvor seine Berufsaussichten in der Schweiz erklären liess. Auf einem Stellenportal verspricht die Gruppe «dynamisches Wachstum» für die vielen Praxen, «die es gibt, und die noch kommen mögen».

Auch muttersprachlich nicht Deutsch sprechende Ärzte sind willkommen. Voraussetzung für einen Stellenbewerber ist je nach Angabe das Sprachniveau C-1 oder B-1, ergänzend werden ein «Intensivkurs Deutsch» sowie ein «Deutsch für Mediziner» angeboten. Ein Personalrekrutierungsbüro im spanischen Valencia akquiriert Ärzte mit einem Lohnversprechen zwischen 120 000 und 150 000 Franken bei maximal fünfzig Wochenstunden Arbeitszeit.

Dass in der Schweiz ein Mangel an Hausärzten besteht, ist bekannt. Der durchschnittliche Hausarzt ist 57-jährig und denkt ans Aufhören. Für 3000 Praxen werden in den nächsten Jahren Mediziner gesucht. Doch davon werden zu wenige ausgebildet und die Jungen möchten sich weder die Last einer eigenen Kleinpraxis aufbürden, noch sind sie in der Lage, die Investitionen von mindestens einer halben Million Franken zu schultern. Vor allem in ländlichen Gebieten drohen Gemeinden ärztlich zu verwaisen.

Die Ärztezentren Deutschschweiz AG beschränkt sich jedoch nicht speziell auf abgelegene Landstriche, im Fokus steht auch der Speckgürtel von Basel. Dabei belässt sie es nicht mit Praxisübernahmen, sondern wagt auch Neugründungen, wie das Beispiel Arlesheim zeigt.

Christopher Züllig ist auf Anfrage freundlich zurückhaltend mit Informationen. Angaben zum wirtschaftlichen Erfolg der Gruppe gibt es ebenso wenig wie nach den getätigten Investitionen. Züllig sagt, die Ärzte würden nach Leistungskomponenten entlöhnt, an der Medikamentenabgabe seien sie finanziell aber nicht beteiligt.

Der Start der Ärztezentren Deutschschweiz AG erfolgte durch die Beratungsfirma Medsolution, die Ärzte bei Aufbau und Betrieb von Gruppenpraxen berät. So wurden etwa in verschiedenen Städten die Medix-Praxen entwickelt. Diese funktionieren als Hausarzt-Polikliniken für eine Laufkundschaft, die entweder keinen festen Hausarzt ihres Vertrauens hat oder deren Hausarzt nicht erreichbar ist.

Züllig ist einziger Verwaltungsrat der Medsolution und betreibt eine ähnliche Firma in Deutschland. Er erkannte, dass sich das Geschäft nicht auf Beratung beschränken muss, sondern der Betrieb einer Kette von Hausarztpraxen selbst ein Geschäft sein kann. So entstand die Ärztezentren Deutschschweiz. Seit 2011 kommen jährlich fünf bis sechs neue Niederlassungen dazu. Die Firma ist nicht das einzige, krankenkassenunabhängige und von Investoren finanzierte Ärztenetz. Sie ist derzeit auch noch nicht die grösste, aber wohl die am schnellsten expandierende. Züllig gibt seine Ambitionen nicht preis. Er sagt bloss, der Markt der Arztpraxen sei im Umbruch, und diesen will er nutzen.