Energie
Ein Holzkraftwerk fürs Ergolztal

EBL setzt künftig verstärkt auf einheimisches Holz und Wärme-Kraft-Koppelung. Das gesamte Investitionsvolumen wird mit rund 120 Millionen Franken beziffert.

Daniel Haller
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Die EBL-Heizzentralen Grüssen, Krummeneich (beide Pratteln) und Hanro (Liestal): Sie alle sollen Schritt für Schritt zusammen mit einem Dutzend weiterer Heizzentralen durch ein Holzkraftwerk ersetzt werden. zvg

Die EBL-Heizzentralen Grüssen, Krummeneich (beide Pratteln) und Hanro (Liestal): Sie alle sollen Schritt für Schritt zusammen mit einem Dutzend weiterer Heizzentralen durch ein Holzkraftwerk ersetzt werden. zvg

Bereits im nächsten Jahr sollen die Bagger auffahren und 2013 will die EBL in Pratteln die erste Etappe der Erneuerbaren Energieschiene Ergolz-Tal (3ET) in Betrieb nehmen. «3ET» heisst: Bis 2020 schliesst die EBL ihre 15 Baselbieter Wärmeverbunde von Pratteln bis Gelterkinden zusammen und produziert die Wärme in einer einzigen Heizzentrale. Damit schlägt sie zwei Fliegen auf einen Schlag:

Erstens kann sie Heizzentralen, in denen sie bisher nebst Holzschnitzel auch Gas verbrennt, ersetzen und die Wärme ganz mit Holzschnitzeln aus der Region erzeugen. «Dafür können wir auf unsere bisherigen Holzlieferanten zählen, mit denen wir in Verhandlung stehen, um die Mengen auszuweiten», erklärt Geschäftsführer Urs Steiner. Dabei will die EBL nicht nur die heute in 16 mittleren Heizzentralen erzeugten 60 Gigwattstunden (GWh) Wärme liefern, sondern bis dahin für 150 GWh zusätzliche Wärmekunden gewinnen.

Zweitens erreicht die EBL durch die Zusammenlegung eine Grösse, in der die Stromproduktion wirtschaftlich wird. Aus den total 210 GWh Wärme will sie 30 GWh elektrische Energie gewinnen. Die neue Heizzentrale für das ganze Ergolztal ist also als Holzkraftwerk – Stichwort Wärme-Kraft-Kopplung – geplant.

Um die bestehende Fernwärme-Netze zusammenzuschliessen, muss 3ET mit einer 20Kilometer langen neuen Energieschiene verbunden werden. Das gesamte Investitionsvolumen beziffert Geschäftsleitungsmitglied Beat Andrist mit rund 120 Millionen Franken.

Strategischer Pfeiler

Dass 3ET wirtschaftlich sein wird, steht für Steiner ausser Frage: «Wir haben diese Strategie weit vor den tragischen Ereignissen in Japan festgelegt. Dieses Ereignis zeigt nun aber, dass wir solche Projekte erst recht vorantreiben müssen.» Die EBL wurde auch für eine schweizweite Zusammenarbeit für Holzkraftwerke von namhaften Energieversorgern angefragt, jedoch waren diese vornehmlich an der Stromproduktion interessiert. «Wir haben jedoch abgelehnt, denn wir benötigen den Strom für unsere Kunden», erklärt Steiner.

Ein weiterer Grund für die Ablehnung ist, dass man Strom relativ einfach produzieren kann, das Fernwärmegeschäft hingegen äusserst komplex ist: In der Regel muss man das System planen, finanzieren und bauen, bevor man genug Abnehmer hat, die ihre Räume mit Fernwärme heizen wollen.

«Die EBL hat das Wärmegeschäft 1990 aufgenommen. In der Anfangsphase war es wegen des tiefen Ölpreises schwierig. Daher diskutierte der Verwaltungsrat vor zehn Jahren einen Ausstieg.», berichtet Steiner.«Zum Glück sind wir damals drangeblieben, denn nun ist Wärme-Kraft-Koppelung ein wichtiger Pfeiler unserer Strategie, dass bis 2020 30 Prozent unserer produzierten Energie aus neuen erneuerbaren Quellen stammen soll.»

Damals fiel der Entscheid, schweizweit Fernwärme-Verbunde aufzubauen. Mit grösseren Projekten wie in Saanen-Gstaad, Langnau i.E. oder Châtel-St.-Denis habe sich die EBL seither die Kompetenz erarbeitet, die sie nun für 3ET einsetzen will.

Zudem könne man mittelfristig auch bestehende und weitere Heizzentralen für die Stromproduktion ausbauen. Gesamt-Potenzial inklusive 3ET: 70 GWh Strom für 18000 Haushalte. «Dies entspricht fast der Menge, die wir heute vom Kraftwerk Birsfelden beziehen», erklärt Andrist. Allein durch 3ET könne man 90 Millionen Liter Heizöl oder 250000 Tonnen CO2-Emissionen einsparen. «Pro investierten Franken werden jährlich 1,7 Kilo CO2 vermieden.»

Standort noch offen

Noch ist es nicht so weit. Zwar ist eine zentrale Heizzentrale für Pratteln in Planung, doch die Verträge für den Standort sind noch nicht verhandelt. «Es geht um einen notwendigen Zwischenschritt, denn wir können nicht das ganze Projekt aufs Mal angehen, sondern schliessen immer jene Wärmeverbunde zusammen, deren Heizzentralen altershalber erneuert werden müssen», erläutert Andrist.

Auch der Standort für das endgültige Heizkraftwerk ist noch nicht gefunden: «Ideal wäre aus technischen Gründen ein Standort in der Mitte des Verbreitungsgebiets, also etwa in Liestal. Denkbar wäre auch, dass wir in Pratteln bleiben und die im ersten Schritt gebaute Zentrale etappenweise erweitern.»

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