Rockakademie
Ein Knochenjob als Traumberuf für Metaller

Ein Arbeitstag von 10 bis 3 Uhr beweist, dass ein Rocker-Leben nicht nur aus Sex, Drugs and Rock 'n' Roll besteht. Für den 27-jährigen Dominic aus Pfeffingen, laut eigener Aussage «Metaller seven/twenty-four», wäre das auch kein Traumberuf.

Boris Burkhardt
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So mancher eingefleischte Metaller musste am vergangenen Wochenende in der neu gegründeten Rock-akademie in Pratteln seine Vorstellungen von der Musikwelt revidieren:

Aus erster Hand erfuhren in der Konzertfabrik Z 7 ein knappes Dutzend junger Teilnehmer von jahrzehntelangen Profis das Wichtigste unter anderem über Bühnenaufbau, Licht- und Tontechnik. Franky aus Weil am Rhein ist einer dieser Profis: Auf Honorarbasis leitet er als Toningenieur fast alle Auftritte im Z 7.

Vor 2 Uhr geht das Licht nicht aus

Wie viele Mitarbeiter der Konzertfabrik Z 7 steht auch Franky in seiner Freizeit selbst auf der Bühne, und zwar als Bassist und Gitarrist der Basler Thrash-Metal-Band Gurd. Sein Beruf allerdings ist ein Knochenjob, wie er anhand des Zeitplans zeigt, der den abendlichen Auftritt der schwedischen Melodic-Death-Metal-Band Arch Enemy vorbereitet. 10 bis 3 Uhr seien Ausnahmetage, gibt er zu: «Bestimmte Bands haben viel Zeugs dabei», meint er und denkt dabei an die intensive Pyro-Bühnenshow der Rammstein-Coverbands. Doch auch an einem «normalen» Arbeitstag könne er erst nach 2 Uhr das Licht der Z 7-Halle abschalten.

Die 21- bis 47-jährigen Seminarteilnehmer der Rockakademie entsprechen dem hauptsächlichen Publikum des Z 7: Rocker, Metaller, Go-
thics, Industrial-Fans. Die Mittvierziger Stefan und Bianca sind beispielsweise extra aus Zürich beziehungsweise Schaffhausen bereits zum zweiten Seminar-Wochenende nach Pratteln gekommen, um mehr über das Musikgeschäft zu erfahren.

Sie veranstalten im November erstmals in Solothurn einen Gig im Bereich Elektro-Gothic-Fetisch: «Die grausamen Töchter» aus Hamburg sollen 50 Leute unterhalten. Das Paar denkt über weitere Veranstaltungen nach, ist aber nach den Ausführungen von Rockakademie-Leiter François Cochard in seinen Ambitionen «ein Stück weit gedämpft». Zwar bringt Bianca Erfahrungen aus PR und Marketing mit; und Stefan sieht sich für die Arbeit vor Ort zuständig. Für ein Konzert braucht es allerdings auch Rechnungswesen, Technik und Catering, wie die beiden jetzt wissen.

Bereits vor Jahren machte der 33-jährige Basler Alain ähnliche Erfahrungen: Mit Freunden organisierte er ein Konzert in Therwil. Zu fünft blieben die jungen Veranstalter auf 4000 Franken sitzen - «und keine einzige Band konnte ich live hören».

Alain ist seit der Gründung 1994 treuer Fan des Z 7; und für ihn als «interessierten Laien» war es vor allem eine Freude, die Macher der Konzertfabrik persönlich kennen zu lernen: Z 7-Chef Norbert Mandel habe er nur einmal zuvor live gesehen, als der eine Black-Metal-Band von der Bühne schmiss, die entgegen der Abmachungen mit Schweineblut und Tierkadavern um sich geworfen hatte.

Austausch zwischen den Genres

Der theoretische Unterricht der Rockakademie findet in der Galery Music Bar im Prattler Rütiweg statt. Dort hat das Z 7 eine Bühne für intimere Rock- und Blueskonzerte, wo sich Timon aus Basel eher daheimfühlen dürfte. Er ist mit seinem Britpop/Indiepop-Musikgeschmack der Exot unter den Teilnehmern, fühlt sich aber nicht als Aussenseiter:

«Das Seminar ist überhaupt nicht auf das Rock-Genre ausgerichtet. Wir haben auch viele Beispiele von Robbie Williams.» Timon geniesst den Erfahrungsaustausch mit den Metallern und lacht gemeinsam mit dem Diegter Viking-Metal-Fan Dani über den unwissenden Konzertveranstalter, der aus Sicherheitsgründen den Korpiklaani-Fans ihre traditionellen Trinkhörner wegnehmen liess.

Auch Marija aus Bulgarien hat «viele neue Sachen gelernt». Die 21-jährige Gothic-Anhängerin war noch nie im Z 7, seit sie in Zürich studiert, will aber auf jeden Fall wiederkommen: «Das Seminar hat mir aber Mut gemacht, selbst Musik zu machen.» Unter den Seminaristen folgt auch Melanie den Ausführungen der Profis.

Für die 28-Jährige ist aber nicht alles neu: Sie arbeitet als Tochter von Z 7-Chef Norbert Mandel bereits seit 1999 in der Konzertfabrik, erst hinter der Theke, heute im Büro. Die Seminare der Rockakademie sind für sie quasi eine «interne Fortbildung».

«Man spürt die Leidenschaft»

Melanie geniesst die «familiäre Atmosphäre» im Z 7, die auch Musiker und Techniker umfasst: «Am meisten beeindruckten mich Alice Cooper und The Animals: Man spürt die Leidenschaft jedes einzelnen Musikers.» Auch Tom Metzger, vom Management des Gurten-Festivals zum Z 7 und zur Rockakademie gekommen, betont: «Den Rock-'n'-Roll-Virus muss man haben; sonst kann man diesen Beruf nicht ausüben.» Es sei halt eben kein 8-17-Uhr-Job.