Clemens Stöckli
Ein Nachruf für den Baselbieter alt Regierungsrat Clemens Stöckli

Am letzten Dienstag ist alt Regierungsrat Clemens Stöckli 85jährig in Liestal verstorben. Alt Landschreiber Walter Mundschin würdigt sein politisches Schaffen in einem Nachruf.

Walter Mundschin
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Alt-Regierungsrat Clemens Stöckli verstarb im Alter von 85 Jahren.

Alt-Regierungsrat Clemens Stöckli verstarb im Alter von 85 Jahren.

zvg

«Vieles, was ich den 20 Jahren meiner Regierungstätigkeit erlebt habe, ist bereits wieder in Vergessenheit geraten.» Das schrieb Clemens Stöckli kurz nach seinem Rücktritt im Jahre 1991. In seinem Rückblick erachtete er, der von 1971 bis 1991 die damalige Justiz-, Polizei- und Militärdirektion (heute Sicherheitsdirektion) leitete, die Verfassungs-, die Verwaltungs- und die Parlamentsreform als die wichtigsten staatspolitischen Erneuerungsprojekte, die er in seiner Amtszeit federführend vorbereitet und zu Ende gebracht hatte. Auch die Tatsache, dass sämtliche Gesetze und Gesetzesänderungen, die aus seiner Direktion stammten, vom Souverän angenommen worden waren, konnte Clemens Stöckli als Vertrauensbeweis für sich und seine Mitarbeitenden verbuchen.

Viermal wiedergewählt

Diese politischen Erfolge wirkten sich nicht zuletzt auch bei der viermaligen Wiederwahl Clemens Stöcklis als Regierungsrat positiv aus, als er zweimal den Spitzenplatz, einmal den zweiten und einmal den dritten Platz unter den gewählten Regierungsmitgliedern belegte. Vereinzelt wurde diese Beliebtheit bei den Wählern und insbesondere bei den Wählerinnen auch auf die vorteilhafte äussere Erscheinung des charmanten und humorvollen CVP-Magistraten zurückgeführt! Andere Meilensteine in der Amtszeit Clemens Stöcklis waren u.a. der Anschluss des Laufentals an den Kanton Basel-Landschaft, die Errichtung der Motorfahrzeugprüfstation beider Basel in Münchenstein und die Aufnahme des Partnerschaftsartikels in die Kantonsverfassung.

Die für Clemens Stöckli persönlich über lange Zeit erfolgreiche, mehr oder weniger konfliktlose Regierungszeit als Baselbieter Justiz-, Polizei- und Militärdirektor wurde in seinen letzten vier Amtsjahren durch schwerwiegende Ereignisse wie die Offenlegung der Staatsschutzakten (Fichenskandal) und die gravierende Führungskrise in der damaligen Arbeitserziehungsanstalt Arxhof überschattet. Im Zusammenhang mit diesen Geschehnissen geriet der sonst eher im Hintergrund arbeitende Justizdirektor zusammen mit seiner Direktion jäh ins öffentliche Rampenlicht und ins Zentrum des Medieninteresses. Die in dieser schwierigen Zeit gemachten negativen Erfahrungen liessen Clemens Stöckli später folgern, dass der Einfluss und die Machtstellung der Medien grösser seien als von diesen selbst zugestanden.

«Es lebe das unabhängige Baselland»

Bei einem Rückblick auf das Wirken Clemens Stöcklis darf natürlich der prägnante Schlusssatz seiner Rede als Regierungspräsident am Comptoir Suisse 1985 in Lausanne nicht unerwähnt bleiben, als er seinem Bekenntnis zum selbständigen Kanton Basel-Landschaft mit den Worten „vive Bâle-Campagne indépendant" sehr medienwirksam Ausdruck verlieh!

Persönlich habe ich Clemens Stöckli als kultivierten, liebenswürdigen Menschen kennengelernt. Trotz seiner langen Amtszeit war er kein typischer homo politicus. Seine frühere Tätigkeit als Gerichtspräsident kam immer wieder zum Durchscheinen, wenn er etwa das Für und Wider einer Sache sehr genau abwägen und nicht einfach eine parteipolitische oder technokratische Meinung übernehmen und vertreten wollte. Besonderes Einfühlungs- vermögen und grosse Menschenkenntnis bewies er bei der Auswahl seiner engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei der er sehr oft eine glückliche Hand hatte und die für die langjährige erfolgreiche Tätigkeit seiner Direktion mitverantwortlich waren. Auch seine vielseitigen kulturellen Interessen, sein Schaffen als Hobby-Kunstmaler und sein Engagement als Sportler, so etwa als aktiver Teilnehmer am Engadin-Skimarathon, deuten darauf hin, dass die Persönlichkeit Clemens Stöckli nicht auf den Politiker reduziert werden darf.

Das selbstgemalte Aquarell mit der Engadiner Landschaft, das mir Clemens Stöckli letztes Jahr anlässlich meiner Pensionierung geschenkt hat, ist und bleibt für mich eine schöne Erinnerung an den verstorbenen Magistraten und Kollegen.

Seiner Gattin Martha sprechen wir zum grossen Verlust unser herzliches Beileid aus.