Allschwil
Ein rauer Gegenwind für den Basler Euro-Airport

Der Schutzverband der Bevölkerung wollte von Thomas Kleiber von SF Meteo wissen, ob wirklich das Wetter schuld sei an den veränderten Fluglinien des Euro-Airport.

Bea Asper
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Der Schutzverband glaubt, dass das Wetterargument vom Euro-Airport nur vorgeschoben wird. Nars

Der Schutzverband glaubt, dass das Wetterargument vom Euro-Airport nur vorgeschoben wird. Nars

Hat sich das Wetter in der Region Basel so verändert, dass der Euro-Airport vermehrt auf Abflüge und Landungen über den Dächern der Baselbieter Gemeinden setzen muss? Muss die Bevölkerung deshalb mehr Fluglärm in Kauf nehmen? Solchen Fragen ging der Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mulhouse an seiner Mitgliederversammlung in Allschwil nach.

Basel wettert anders

Die Antworten gab Thomas Kleiber, Meteorologe bei SF Meteo. Seiner Meinung nach «wettert Basel anders als die übrige Schweiz». Einen Trend aber, dass sich der Wind in den letzten Jahren gedreht habe, konnte er beim besten Willen nicht ausmachen. In seiner Analyse verglich Kleiber die Windwerte der letzten 30 Jahre. «In der Tabelle ist keine Trendwende erkennbar», zeigte der Meteorologe auf. «Allerdings gibt es von Jahr zu Jahr durchaus Schwankungen, einmal mehr Südwind, einmal mehr Nordwind.»

Grundsätzlich könne man festhalten: Es gibt insgesamt zweimal mehr Südwind als Nordwind.» Nur: Das sei auch vor 30 Jahren so gewesen.

«Man kann kaum behaupten, in Basel habe sich das Wetter – etwa aufgrund des Klimawandels – trendmässig geändert», verkündete Kleiber. Hingegen zeigte er auf, warum Basel im Winter mehr Sonnenstunden und weniger Nebel als Zürich und weite Teile des Mittellandes habe: Die Juraketten halten das Nebelmeer auf und helfen mit, die heranströmende kalte Luft zu erwärmen, womit sich die Nebelschwaden auflösen.

Ein Nebelmeer sei eine Ansammlung kalter Luft und das Mittelland eine Art Sammelbecken, erläuterte Kleiber in seinem Referat – auf sehr amüsante Art und Weise. Mit Videoeinspielungen und Umschreibungen des Fachjargons machte er die zahlreich erschienenen Interessierten mit der Wetterlehre vertraut.

Dass Basel eine Sonnenterrasse sei, widerlegte Kleiber. Mit 1600 Sonnenstunden liege Basel zwar über dem Jahresschnitt von Zürich, doch sei es in Bern sonniger, ebenso in der Westschweiz und dem Tessin. Ausserdem prasselt auf Basel relativ viel Regen nieder; in der absoluten Menge zwar weniger als in anderen Teilen der Schweiz, doch dafür mit ziemlich vielen nasstrüben Stunden. Dafür verantwortlich seien ebenfalls die Juraketten und der Schwarzwald.

Göschke neue Präsidentin

Dass der Euro-Airport offenbar wetterbeständiger ist, als von den Verantwortlichen dargestellt, sieht Schutzverband-Präsident Kaspar Burri in der Statistik belegt. Um bei den Südanflügen die erlaubten Höchstwerte nicht zu überschreiten, sei im Dezember kurz vor Jahresabschluss so geflogen worden, dass die Statistik nach aussen stimmte.

Burri, der nach jahrelangem, intensivem Einsatz an der Lärm-Front etwas kürzertreten möchte und deshalb das Präsidium der Grüne-Politikerin Madeleine Göschke übergibt, rief weiterhin zum Kampf auf: «Wir fordern Verhandlungen über Massnahmen.»

Die Verantwortlichen des Flughafens müssten endlich zur Einsicht kommen, dass insbesondere die ex-trem lauten Frachtflugzeuge, die erst noch am Sonntagmorgen und Sonntagabend starten, nicht über die Dächer von Allschwil und Binningen kurven dürfen. Mit der neuen starken Kraft im Vorstand, der SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer, erhofft sich der Schutzverband, sich in Bern mehr Gehör zu verschaffen. Die Eidgenossenschaft solle die Flugbewegungen über den Gemeinden endlich in die Schranken weisen.

Europaweit, so weiss Burri aus seinem Wirken im europäischen Dachverband, sei eine Kommission daran, die Flugachsen neu auszurichten. Dieser Entwicklung gelte es Beachtung zu schenken und bei den Vernehmlassungen einzuwirken. «In die Fussstapfen des Flug-Experten Kaspar Burri zu treten ist eine riesige Herausforderung, doch ich nehme sie an», sagte die neu gewählte Präsidentin Madeleine Göschke.