Reinach/Oberdorf
Ein spöttischer Spruch und die gepfefferte Antwort

Im Baselbiet sind vielerorts die Kassen leer. Da versteht der eine oder andere keinen Spass. Wegen eines harmlosen Spruchs liegen nun in Reinach und Oberdorf die Nerven blank.

Benjamin Wieland
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In seinem Blog prangert Reinachs Gemeindepräsident Urs Hintermann die angebliche «Verzagten»-Mentalität der Oberdörfer an.

In seinem Blog prangert Reinachs Gemeindepräsident Urs Hintermann die angebliche «Verzagten»-Mentalität der Oberdörfer an.

Martin Toengi

Er habe gleich gedacht, dass dieser Spruch im Unterbaselbiet wohl einigen in den falschen Hals geraten könnte, sagt Ewald Fartek, Gemeindepräsident von Oberdorf. Er sollte recht behalten.

«Wer kann schon gegen diesen Beitrag sein, wenn das Unterbaselbiet den FC Oberdorf sponsert?» Dies sagte ein Teilnehmer der Oberdörfer Gemeindeversammlung im Juni. Es ging um einen Beitrag der Gemeinde an den Fussballclub, 20'000 Franken wurden gesprochen. Knapp einen Monat später sah sich Ewald Fartek zu einem offenen Brief gezwungen. «Ich dachte», sagt er der bz, «dass ich nun doch einige Dinge richtigstellen muss.»

Der Spruch ist im Grunde harmlos. Unter normalen Umständen wäre er rasch vergessen. Doch im Baselbiet sind vielerorts die Kassen leer, die Nerven liegen blank. Und so sagt das Echo, das er ausgelöst hat, einiges aus über die Befindlichkeit zwischen Unter- und Oberbaselbiet.

«Es denken nicht alle so ...»

Die gepfefferte Reaktion aus dem unteren Kantonsteil folgte zwei Tage nach der Versammlung. Sie stammt von Urs Hintermann. Er präsidiert mit Reinach eine der grössten Gebergemeinden im horizontalen Finanzausgleich. Seit Jahren warnt er davor, dass die Agglomerationsgemeinden unter der Last der Ausgleichszahlungen zusammenbrechen könnten.

Nur wegen des Spruchs und des Beitrags an den FC hätte er wohl nicht in die Tasten gegriffen. Am selben Abend sollten die Oberdörfer aber nochmals Geld sprechen – in jenem Fall taten sie es aber nicht: Traktandiert war ein erster 60'000-Franken-Kredit für eine Testplanung im Rahmen von «Zukunft Frenkentäler». Das ist eine Region, unter deren Dach zwölf Gemeinden dereinst stärker zusammenarbeiten sollen. Sprich: Sie sollen Geld sparen. Das Geschäft wurde sistiert.

Auf seinem Blog geizt Hintermann nicht mit Kritik. Unter dem Beitrag mit dem Titel «Ich weiss, es denken nicht alle so ...» prangert er die angebliche «Verzagten»-Mentalität der Oberdörfer an: «Wenn es darum geht, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, Verantwortung zu übernehmen, Risiken einzugehen und sich auf ein Vorhaben mit unklarem Ausgang einzulassen, dann überwiegen die Zweifel und Bedenken, dann siegen die Verzagten. Für den FC hingegen hat man Geld und spottet auch noch über die tumben Gebergemeinden.»

Die Wogen seien hochgegangen im Dorf wegen dieses Eintrags, sagt Ewald Fartek zur bz. Er habe seine Stellungnahme – adressiert an den «geschätzten Amtskollegen» – auch geschrieben, um die Gemüter zu beruhigen. Fartek weist Hintermann darauf hin, dass «Zukunft Frenkentäler» nicht abgelehnt, sondern nur zurückgestellt worden sei. «Das Projekt kommt also vor eine der kommenden Gemeindeversammlungen», sagt Fartek zur bz. Die Zurückweisung sei deshalb erfolgt, weil die Oberdörfer noch weitere Details zum Vorhaben gewünscht hätten. Im Schreiben zeigt er dafür Verständnis: «Ich denke, bei einem Projekt solchen Ausmasses sei es dem Stimmbürger erlaubt, gewisse Zweifel und Bedenken anzubringen. Schliesslich leben wir ja in einer direkten Demokratie (...).» Dann würde Oberdorf, betont Fartek, schon heute mit den Nachbarn zusammenarbeiten, man habe die «Hausaufgaben gemacht». Zu guter Letzt sei der Beitrag an den FC keine Subvention, sondern eine Abgeltung für Leistungen.

Urs Hintermann weilt zur Zeit in den Ferien. Er habe die Stellungnahme Farteks noch nicht gelesen, sagt er auf Anfrage. Fartek wiederum bezeichnet die Angelegenheit als erledigt: «Beide haben ihre Meinung gesagt – für mich ist das nun gut so.»