Weihnachtsaktion
Ein «Ständli» für die Solidarität mitten im Einkaufszentrum

Die Oberdörfer Au-Rugger sammeln in Einkaufszentren für Bedürftige. Während die Zuhörer in Bubendorf sogar nach einer Zugabe verlangte, wird andernorts mit der Polizei gedroht.

Lucas Huber
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Die Au-Rugger in der Migros in Füllinsdorf. zvg

Die Au-Rugger in der Migros in Füllinsdorf. zvg

Zur Verfügung gestellt

Ein Horn erklingt im Weihnachtstrubel. Der Samstag vor dem grossen Fest ist einer der umsatzstärksten Tage. Dementsprechend sind die Gänge voll in den Einkaufszentren, es herrschen Hektik und Gedränge. Doch das Horn hält den Ton, immer mehr Menschen bleiben stehen, ein paar sehen die Videokameras, wohl positioniert. Man wirft sich fragende Blicke zu, einige lächeln, andere zücken ihre Handy-Kameras. Dann schleppt einer ein Schlagzeug an, im Fasnächtlerjargon Küche genannt. Pauken gesellen sich zur wachsenden Band, ein Rhythmus wird geboren, mehr Menschen halten inne. Wie aus dem Nichts tauchen die Posaunen auf, ihnen folgen die Trompeten. Aus dem Rhythmus wird eine Melodie, doch noch ist es das Intro. Dann dröhnen die Sousafone.

Sousafone und Weihnachtszauber? Das passt wie eine Gugge, die unter dem Christbaum «Stille Nacht» zum besten gibt. Doch hier geht es nicht um eine stille Nacht, nicht um einen PR-Gag, auch nicht um die Au-Rugger, die Gugge-Musik aus Oberdorf, die für den Flashmob verantwortlich ist. «Es geht um Solidarität – und wenn wir dabei einen bleibenden Eindruck hinterlassen, ist das umso besser.» Das sagt Daniel Beutler, Trompeter und Tätschmeister an dem Tag, an dem sich die Au-Rugger aufgemacht haben, um für Solidarität zu spielen. Inspiriert worden sind sie von zahllosen Flashmobs auf Youtube. Und von der Weihnachtskampagne des Detailhändlers Migros, dessen Ensemble um Francine Jordi, Gilbert Gress und Luca Hänni eine gemeinsame Weihnachtsfeier besingt und gleichzeitig zum Spenden an Bedürftige in der Schweiz aufruft.

Es wird mit der Polizei gedroht

Deswegen eilen die Rugger von Migros zu Migros, von Egerkingen nach Bubendorf, von Liestal nach Füllinsdorf, alles innert dreier Stunden. Natürlich spielen sie nicht irgendeinen Song, sondern eben jenen Weihnachtssong «Ensemble», der im Fernsehen auf und ab läuft. «Der Song ist eingängig und einfach schön», sagt Beutler. Die Gugge hat ihn selbst arrangiert und «in dreieinhalb Proben eingeübt», erklärt Beutler lächelnd. Auf einem Transparent erklären die Rugger die Aktion und weisen auf das Spendenkonto hin. Zum Abschluss gibts den Migros-Jingle ab Sousaphon.

Die Echos seien sehr positiv gewesen, blickt Beutler zurück. Besonders in Bubendorf, wo die Zuhörer lautstark eine Zugabe fordern. Doch die Zusage gibt es nicht, denn das Konzept eines Flashmobs sieht vor, aus dem Nichts aufzutauchen und ebenso zu verschwinden. Allein der Start verläuft harzig. Im Einkaufszentrum Gäu-Park zu Egerkingen wird ihnen mit Polizei gedroht. Privater Grund und Boden sei das, heisst es knapp. Ein Nachspiel hat es nicht, zur Sicherheit schicken die Au-Rugger eine Vorhut zu den anderen Spielorten, um sich den Filialleitern anzukündigen.

Ob es derartige Aktionen auch in Zukunft geben wird, kann Beutler nicht sagen. Will er auch gar nicht. «Unsere Kernkompetenz ist und bleibt die Fasnacht», erklärt Beutler, «aber wir Au-Rugger sind bekannt für Überraschendes.» Und vielleicht dient das Intermezzo ja tatsächlich als Inspiration für künftige fasnachtsübergreifende Aktionen. Den samstäglichen Migros-Flashmob jedenfalls gibt es seit gestern Abend auf Youtube und www.au-rugger.ch zu sehen.