Stierenberg
Ein traumhaftes Umfeld für Hirt und Vieh

Er ist das Bijou der Bürgergemeinde Bretzwil: der Stierenberg. Das Bergrestaurant mit Sömmerungsbetrieb für Rinder, Mutterkühe und deren Kälber war schon immer im Besitz der Bürgergemeinde. Aufzeichnungen gehen bis ins frühe 19.Jahrhundert zurück.

Simon Tschopp
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Stierenberg

Stierenberg

Franz Schweizer
Hirt Thomas Karrer und Manfred Röthlin (rechts), früherer Gemeindepräsident und Präsident der Weidkommission des Stierenbergs.

Hirt Thomas Karrer und Manfred Röthlin (rechts), früherer Gemeindepräsident und Präsident der Weidkommission des Stierenbergs.

Kenneth Nars

Der Stierenberg, idyllisch im Kettenjura südlich von Bretzwil auf knapp 1000 Metern über Meer gelegen und umgeben von Wiesen und Wäldern, ist für die Bürgergemeinde eine Institution. «Er hat Tradition. Früher haben hier auch Fohlen gesömmert», sagt Manfred Röthlin. Dieser war Bretzwiler Gemeindepräsident bis Mitte Jahr und während zwölf Jahren Mitglied der dreiköpfigen Weidkommission, wovon die letzten drei Jahre als Präsident.

Seit Mitte September sind die Weiden wieder leer. Die Bauern holten ihr Vieh in zwei Tranchen gestaffelt ins Tal zurück, nachdem sie es Mitte Mai auf den Stierenberg gebracht hatten. Hirt Thomas Karrer, auch Wirt des Restaurants, kann sich nun anderen Tätigkeiten widmen. Doch zuerst mussten die abschliessenden Arbeiten der Sömmerung erledigt werden: Brunnen reinigen; Leitungen spülen, entlüften und entleeren; Tore demontieren; Steckzäune entfernen. Die Vorbereitungen beginnen für Karrer jeweils schon im März. Dann putzt er und stellt die Infrastruktur bereit.

90 bis 110 Tiere

«Der Sömmerungsbetrieb ist ein Landwirtschaftsbetrieb mit grossem Umschwung. Bauern können ihre Tiere abgeben, um sich zu entlasten und zu Hause mehr Zeit zu haben für ihre Arbeiten», erklärt der 44-jährige Hirt. Heuer habe er rund 100 Stück Vieh von neun verschiedenen Bauern in Obhut gehabt – aus dem ganzen Baselbiet, aber auch aus der Bielersee-Region.

Der Stierenberg kann maximal 57 Grossvieheinheiten (GVE) aufnehmen. Diese sind klar definiert: Eine Mutterkuh mit Kalb ist eine GVE, ein Rind etwas weniger (0,4 bis 0,8 GVE). Der Sömmerungsbestand variiert zwischen 90 und 110 Tieren. Bei Vollbesetzung darf das Vieh maximal 105 Tage bleiben, bei weniger Tieren etwas länger. Die Weiden würden auch nicht mehr hergeben.

Die Auflagen sind strikt und in einer Bewirtschaftervereinbarung festgeschrieben, die mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach abgeschlossen worden ist. Dafür gibt es Subventionen. «Der Ebenrain kontrolliert regelmässig», sagt Manfred Röthlin. Seit Thomas Karrer auf dem Stierenberg arbeitet, hat er stets mit der maximalen GVE füllen können – auch in Jahren, als die Sömmerung nicht so begehrt war. Der Stierenberg ist eine gute Einnahmequelle für die Bürgergemeinde; nicht nur wegen des Pachtzinses für Restaurant und Wohnung sowie des Sömmerungsbetriebs, auch wegen der Subventionen des Ebenrains für belegte Weiden.

Lob erhält der Bretzwiler Sömmerungsbetrieb aus dem Bernbiet. Petra Sommer aus Büren zum Hof, einem Ortsteil der Gemeinde Fraubrunnen, schwärmt: «Unsere Tiere haben es schön auf dem Stierenberg und werden hier gut gehütet.» Ein weiterer Grund, weshalb sie ihre Tiere ins Baselbiet brächten, sei, weil «wir nicht übertrieben viel Futter zu Hause haben». Von Sommers Betrieb weilten die vergangenen Monate drei Mutterkühe mit ihren Kälbern sowie vier Rinder im Baselbieter Jura. Er hatte schon mehrmals Tiere zum Sömmern hierher gebracht. Die eine Kuh sei bereits zum vierten Mal hier, weiss Petra Sommer.

Wiesen müssen geweidet werden

Prioritär auf dem Stierenberg ist, dass die 41 Hektaren Land unterhalten und genutzt werden. Wenn diese Wiesen nicht geweidet würden, erkennte man sie in drei, vier Jahren nicht mehr, erzählt der Hirt: «Bäume, Sträucher, Disteln und Blacken würden überhandnehmen.»

Der 44-jährige Thomas Karrer, früher für kurze Zeit Nationalliga-B-Fussballer bei Delémont, ist gelernter Forstwart und hat diverse andere Ausbildungen absolviert. Während fünf Wintersaisons war er Skilehrer in Bergün. Dort hat er in zwei Sommer-Halbjahren erste Erfahrungen mit der Sömmerung gemacht.

Karrer wohnte lange in Nunningen, danach auch in Laufen, wo er ebenfalls Fussball spielte. Er wollte mit seiner vierköpfigen Familie schon immer zurück in ländliches Gebiet. Er bewarb sich für den Stierenberg – und wurde als Wirt und Hirt auserwählt.

Als Thomas Karrer im Dezember 2008 die Zusage für den Stierenberg erhalten hatte, mussten er und seine Frau innert kürzester Zeit die Wirteprüfung ablegen. Denn im folgenden April sollte das Bergrestaurant öffnen. «In dieser Zeit haben wir auch noch hierher gezügelt. Das war happig, aber es klappte», erinnert sich Karrer. Restaurant und Wirterei seien etwas ganz Neues gewesen, aber sie hätten sich hineingeschickt. «Heute dürfen wir sagen, dass wir eine super Sache auf die Beine gestellt haben. Es läuft gut», meint der Vater zweier Kinder stolz.

Während des Sommers bietet der Stierenberg Schlafen im Stroh an, im Winter Schneeschuhwanderungen, dazu vermietet er Schlitten. «Der Anspruch unserer Gäste und auch unserer ist, dass man mehr bieten muss als nur Restaurant und Sömmerung», betont Thomas Karrer. Sie wollten die Möglichkeiten ausschöpfen und versuchen, die spezielle Lage auszunutzen.

Prägend in der jüngeren Geschichte des Stierenbergs war der Brand im Januar 2001. Restaurant und Wohnung wurden ein Raub der Flammen. «Schon kurz nach diesem Ereignis war jedoch klar, dass das Gebäude wieder aufgebaut wird», erinnert sich Manfred Röthlin. Bloss 16 Monate später ging das Restaurant wieder in Betrieb.

Die Konstellation Hirt und Wirt zu finden, sei schwierig, erklärt der 67-jährige Röthlin. Es sei auch schon diskutiert worden, die Sparten zu trennen. «Mit der Bewerbung von Thomas Karrer ist dies glücklicherweise gescheitert. Denn ein Betrieb ist vorteilhafter.»

www.stierenberg.ch