Reinach
Ein Weg wie im Märchen

Zauberhaft: Die Bürgergemeinde Reinach verwandelte den Leiwald mit Holzskulpturen in eine Märchenwelt. Bereits 27 Künstler legten Hand an.

Andrea Schäfer
Drucken
Teilen
Der Skulpturenweg liegt im Südwesten Reinachs im Leiwald
11 Bilder
Daniela Grieder, Zuständige für das Ressort Kultur im Bürgerrat Reinach, betrachtet die Figur, die beim Eingang des Holzskulpturenweg steht
Die ehemalige Bürgerrätin Vreni Schultheiss spendete diese Hexenfigur von Künstler Christof Burkhardt zu ihrem Abschied aus dem Bürgerrat
Skulpturenweg Reinach
Schloss mit integrierter Murmelbahn - Eine Skulptur von Gino Tagliavini
Fast wie echt - Baghira aus dem Dschungelbuch von Künstler Felix Kündig
Die Forstequipe Angenstein baute eine überdimensionale Gluggerbahn für Kinder zum Spielen
Der kleine Muck von Künstler Walter Brunner
Die Blumenelfe von Künstler Christof Burkhardt stammt aus dem Märchen Flower Fairie
Baghira aus dem Dschungelbuch im Leiwald in Reinach
Begegnung mit einem Zwerg bei der Arbeit

Der Skulpturenweg liegt im Südwesten Reinachs im Leiwald

Juri Junkov

Es war einmal in Reinach. Schon elf Jahre ist es her, dass Bürgerrätin Vreni Schultheiss die Idee hatte, einen Holzskulpturenweg zu machen. Eine «glorreiche Idee» sei das gewesen, findet Daniela Grieder, die Nachfolgerin von Schultheiss im Ressort Kultur der Bürgergemeinde Reinach. Ein Zuhause fanden die Figuren in der zauberhaften Umgebung des Waldstücks Leiwald im südwestlichen Teil von Reinach. Als Thema wählte sie Märchen. «Vreni Schultheiss war Primarschullehrerin. Ausserdem hat der Wald etwas Geheimnisvolles», sagt Grieder. Das Thema Märchen ist so weit gefächert — ein Fass ohne Boden. Oder eben ein Märchenbuch ohne Ende.»

Zwei Drachen bewachen den mit Rosenranken umrahmten Eingang zum Skulpturenpfad, der seit seiner Eröffnung 2005 schon fünfmal erweitert wurde. Einmal auf dem Weg fühlt man sich wie im «Zauberer von Oz». Nur folgt man nicht einer gelben Ziegelsteinstrasse, sondern einem Holzschnitzelweg. «An der letztjährigen Waldputzete der Bürgergemeinde haben wir die Schnitzel ausgelegt und den Pfad mit Hölzern eingefasst», erklärt Grieder. Als Eigentümerin des Waldes ist die Bürgergemeinde die gute Fee hinter dem Skulpturenweg. «Wir sorgten dafür, dass an Orten, an denen der Förster einen Baum fällen muss, gerade eineinhalb bis zwei Meter des Stammes stehen gelassen werden. Aus dem Strunk kann man dann eine Skulptur machen», erklärt Grieder.

Hans im Glück mit Smartphone

Aktuell führt die einen Kilometer lange Strecke vorbei an 60 Skulpturen: Hans im Glück, Pinocchio, Schneewittchen und die Bremer Stadtmusikanten sind nur ein paar der Figuren, die einen sonst nur zweidimensional in Kinderbüchern begegnen. Aber auch Märchennovizen wird geholfen. Und das mit moderner Technik. «Seit dem letzten Jahr hat jede Skulptur nicht nur ein Schild, sondern auch einen QR-Code», erklärt Grieder. Mithilfe eines Smartphones kann sich also jeder die Märchen in Erinnerung rufen. «Es gibt halt doch Eltern, die Märchen nicht mehr kennen, oder sich nicht erinnern können. Und es gibt neben den grimmschen Märchen noch viele andere weniger bekannte.»

Die Skulpturen stammen von 27 Künstlern. «Es hat Künstler aus Reinach, aus der ganzen Schweiz, aber auch solche, die von weiter her stammen, zum Beispiel aus Norddeutschland», sagt Grieder. Die Künstler erhalten alle denselben Betrag für ihre Arbeit, die sie gerade vor Ort ausführen. «Es ist ein symbolischer Betrag», erklärt die Bürgerrätin.

Laut Grieder haben nicht nur ausgebildete Künstler Kettensäge und Hobel angelegt. «Man muss überhaupt kein professioneller Künstler sein, um eine Skulptur zu machen. Es muss einfach jemand sein, der sich das traut.» Wann die nächste Erweiterung des Wegs stattfindet, steht laut Grieder noch nicht fest.

Die Bürgergemeinde Reinach ist jedoch auch anderweitig aktiv. Sie organisiert unter anderem jeweils eine Maibaumfeier, drei bis fünf Künstleranlässe im Bürgergemeindehaus, ein Beizli am Weihnachtsmarkt und sie bietet eine Rebstockpatenschaft für ihre Reben an, bei der man als Gegenleistung Wein erhält. Grieder betont: «Wir sind sehr aktiv. Das sagen uns auch viele Bürger. Ausser während der Sommerpause versuchen wir fast jeden Monat, etwas anzubieten.»

Aktuelle Nachrichten