Baselbiet
Ein wildernder Hund steht auf der Abschussliste

Vor zwei Wochen entkam ein Hund dem Besitzer und riss seither ein Reh. Doch momentan gilt im Wald und am Waldrand eine besondere Schon- und Schutzfrist. Jagdaufseher dürfen laut Jagdgesetz verwilderte Hund und Hauskatzen schiessen.

Boris Burkhardt
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So ist es richtig: Ab Sonntag gilt die Leinenpflicht. Auch für den Hund, der sich im Baselbieter Wald losgerissen hat. Symbolbild Archiv

So ist es richtig: Ab Sonntag gilt die Leinenpflicht. Auch für den Hund, der sich im Baselbieter Wald losgerissen hat. Symbolbild Archiv

Susanne Hörth

Während Vögel, Rehe und andere Tiere ihre Jungen zur Welt bringen und aufziehen, gilt im Wald und am Waldrand eine besondere Schon- und Schutzfrist. Alle 13 500 Baselbieter Hunde müssen deshalb ab morgen bis Ende Juli zwingend angeleint werden, wenn sie in Wäldern unterwegs sind.

Auf den entsprechenden Passus im Kantonalen Jagdgesetz wiesen in den letzten Tagen sowohl der Kanton wie auch die Gemeinden hin. Teil dieses Jagdgesetzes ist auch die klare Anweisung, dass Jagdaufseher verwilderte Hunde und Hauskatzen schiessen können, wenn ihre Besitzer nicht ausfindig gemacht werden können.

Bisher noch kein Hund geschossen

Kantonstierarzt Ignaz Bloch musste bis jetzt allerdings noch nie die Anweisung zum Abschuss geben. Die Disziplin der Hundehalter sei vor allem dort gut, wo die Gemeinden kontrollierten. Auch die Hinweisschilder, die viele Jagdgesellschaften seit letztem Jahr aufhängen, zeigen demnach Wirkung. Dennoch rechnet Bloch damit, dass er eventuell nächste Woche erstmals dazu gezwungen sein könnte, einen wildernden Hund zum Abschuss freizugeben.

Seit zwei Wochen ist der Hund in einem Baselbieter Wald unterwegs; am 11.März entwand er sich während eines Spaziergangs dem Halsband und kehrte seither nicht mehr zurück. Bei dem markierten Tier handelt es sich um einen sogenannten «Mallorca-Hund», ein Tier, das von einer spanischen Versuchsstation abgekauft und legal in die Schweiz gebracht wurde.

Von der Kantonspolizei, die die Koordination der Suche übernommen hat, wird er als «ausgesprochen scheu» und «bislang nie aggressiv» beschrieben. Immer wieder sei er gesichtet, doch nie gefangen worden. Die umliegenden Gemeindepolizeien und die zuständigen Jagdaufseher seien informiert. Anfang der Woche trieb den Hund wohl dennoch der Hunger, ein Reh anzugreifen, das schwer verletzt erschossen werden musste.

Angst vor «Hobbyjägern»

Der Besitzer des Hundes, der der bz bekannt ist, befürchtet, dass Neugierige oder übereifrige «Hobbyjäger» den Hund noch mehr verschüchtern und tiefer in den Wald treiben würden oder ihn sogar schiessen könnten. Zusammen mit dem bernischen Wildtierspezialisten Charly Schmid will er deshalb den Hund ködern und vor dem morgigen Beginn der Leinenpflicht betäuben. Nachdem der Hund während der letzten Tage an die Futterstelle gewöhnt wurde, wagte Schmid laut eigener Aussage in der Nacht auf heute den ersten Versuch, den Hund mit Narkosemitteln im Futter zu fangen. Notfalls müsse er das Tier mit dem Betäubungsgewehr schiessen.

Der zuständige Jagdaufseher betont gegenüber der bz, dass er den Hund auch nach Sonntag nicht schiessen werde, solange er keine schriftliche Anweisung vom Kanton dazu habe.

Auch Pascal Cueni, Präsident des Verbandes Jagd Baselland, versichert: «Jeder Jäger wird es sich viermal überlegen, bevor er einen wildernden Hund schiesst.» Und irgendwelche «Hobbyjäger», die aus Spass in den Wald Hunde schiessen gehen, wie es Schmid andernorts schon erlebt haben will, weist er auf das Waffengesetz hin: «Es ist grundsätzlich nicht erlaubt, mit einer Waffe in den Wald zu gehen.»