Denkmalschutz
Ein Wohnhaus in der Scheune

Schützenswerte Bausubstanz wird in der Gemeinde Kilchberg als Wohnraum genutzt.

UELI FREI
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Dank des neuen Innenlebens ist die Scheune nicht eingestürzt. Ueli Frei

Dank des neuen Innenlebens ist die Scheune nicht eingestürzt. Ueli Frei

Ursprünglich sollte Architekt Christoph Ecker in einem ehemaligen Bauernhaus an der Hauptstrasse in Kilchberg das Badzimmer modernisieren. Doch daraus wurde nichts. Zur gleichen Zeit räumte Daniel Scheidegger, der Besitzer der Liegenschaft, die angebaute Scheune. Dabei stellte er fest, dass das Gebäude um 70 Zentimeter aus dem Lot stand. «Laut Statiker hätte die Scheune schon längst zusammenfallen müssen», erzählt Ecker.

Handeln war angesagt. Denn das Ensemble mit zwei Wohnhäusern, Scheune und Schopf ist als schützenswerte Bausubstanz eingestuft. Im Gespräch mit der Bauherrschaft entstand die Idee, die Scheune nicht nur zu sanieren, sondern sie als Wohnraum zu nutzen. Der Eingriff sollte so unscheinbar wie möglich erfolgen, so die Auflage der kantonalen Ortsbildpflege.

Das Haus in der Scheune sollte aber gleichzeitig den grösstmöglichen Komfort bieten. Die bestehende Situation verlangte ein pragmatisches Vorgehen. «Wir haben eine moderne Holzkonstruktion in die Scheune hineingebaut», erklärt Ecker. Die Ständerkonstruktion verfügt über eine 24 Zentimeter dicke Isolation. Ein mit Isolation ausgefüllter Kreuzrost trägt den massiven Eichenboden.

Mit einem Durchbruch durch die Brandmauer entstand eine Schnittstelle zwischen bisherigem Wohnhaus und Scheune. «Das Hauptpro-blem bestand darin, Licht in den gefangenen Raum zu bringen», erzählt Ecker. Zwei 1,50 Meter breite und knapp drei Meter lange, voll verglaste Schleppgauben bringen Tageslicht in die ehemalige Scheune. Holzroste kaschieren die Glasflächen optisch. Die kleine Hintertür der Scheune wich einer grosszügigen Glasfront mit Zugang in den Baumgarten. Weisse Wände und eine weisse Küchenkombination reflektieren das Licht zusätzlich. Den Haupteingang verlegte der Architekt in die Seitenwand. Von dort lässt eine begehbare Glasplatte das Licht nach unten fallen.

Der Wohn-Ess-Bereich gleicht von der Grösse her den alten Bauernküchen. Im grossen Badezimmer stehen moderne Elemente im Kontrast zur Bruchsteinmauer. Die Höhe bis zum Dachgiebel vermittelt ein grosszügiges Raumgefühl. «Wir wollten zudem die ganze Tiefe von 14 Metern ausnutzen», erklärt Ecker. Grosse, hohe Räume gleichmässig zu temperieren, ist allerdings nicht ganz einfach. Bodenkonvektoren erfüllen die Aufgabe bravourös.

Das Haus in der Scheune entspricht dem Minergie-Standard. «Allerdings ohne Zertifikat», schränkt Ecker ein. Dazu hätte auch der bisherige Wohnhausteil komplett saniert werden müssen. Der in Linz aufgewachsene Christoph Ecker sammelte beim Ausbau seines Bauernhauses in Oltingen Erfahrungen beim Umbau von alter Bausubstanz. Mit dem Haus in der Scheune in Kilchberg verwirklichte er ein weiteres, spezielles Projekt.

www.architeker.ch