Mühlenfest
Eine Brockenstube für Restmaterial in der Aktienmühle

Anlässlich des nationalen Mühletages feierte die Aktienmühle Basel am Samstag ein Fest. Und der Verein «Offcut» öffnete die Türen zum schweizweit ersten Materialmarkt.

Tobias Gfeller
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Frühsommerfest Aktienmühle
6 Bilder
Frühsommerfest
Grosse Grillstelle am Frühsommerfest
Frühsommerfest der Aktienmühle
Aktienmühle feiert zum Tag der Mühle ein Frühsommerfest
Blick auf das gut besuchte Festgelände

Frühsommerfest Aktienmühle

Juri Junkov

Das Mühlefest lockt alljährlich Familien aus dem Klybeckquartier auf das Areal der Aktienmühle Basel. Von samstagnachmittags bis abends sassen die vielen Besucher gemütlich zusammen, brätelten Würste und Maiskolben auf einem der drei brennenden Feuerstellen oder verköstigten sich am reichhaltigen Buffet. Das Mühlefest zeigt an einem einzigen Tag, wofür die Aktienmühle heute steht: ein Quartiertreffpunkt für alle, die in relativ freiem Rahmen zusammenkommen möchten.

Die Kinder konnten sich schminken lassen, Büchsenwerfen oder in der Märchenecke von Paul Strahm begeistern lassen. Das Aktienmühle-Team liess sich wieder einiges einfallen. Eine Ausstellung über die Aktienmühle lockte die Geschichtsinteressierten in den Mühlesaal. Am Abend gab es Livemusik bei kühlem, aber stets trockenem Wetter.

Speziell in diesem Jahr war der vom dreiköpfigen Verein «Offcut» vorgestellte Materialmarkt für kreative Wiederverwertung im Turbinenhaus. Ab dem 24. August werden dort verschiedenste Restmaterialien angeboten, welche dann von Künstlern, Selbermachern und Vermittlern gekauft und wiederverwertet werden können. «Es ist eine Art Brockenstube für Reststücke, die für die industrielle Herstellung zu klein, für Kultur-, Kreativschaffende aber auch für Private genau richtig sind», erklärt Projektleiterin Simone Schelker.

Gebrauchtmaterialien, Überschüsse und Produktionsabfälle werden gesammelt, selektiert und zentralisiert und anschliessend wiederverkauft. In den Materialmarkt sollen Materialien kommen, die sonst entsorgt würden. «Wir möchten, dass das Material in einen kreativen Zyklus zurückkommt und das Abfallvolumen verringert wird», sagt Schelker. Neben den ökologischen Überlegungen möchte der Verein auch Kreativschaffenden die Möglichkeit bieten, zu erschwinglichen Preisen an Restmaterialien zu kommen. Die Palette an Materialien sei grundsätzlich nicht beschränkt, aber Stoffe mit giftigem Inhalt würden nicht angenommen.

Es ist in dieser Art der erste Materialmarkt der Schweiz. Vorbilder für den Verein sind ähnliche Projekte in Berlin, Paris, New York und Sydney. Für ein Jahr bot die Stiftung Habitat als Eigentümerin der Aktienmühle dem Verein «Offcut» den rund hundert Quadratmeter grossen Raum als Zwischennutzung. Was danach passiert, hängt auch vom Erfolg des Materialmarktes ab. Weil sie noch im Lageraufbau sind, hofft das Dreierteam, dass sich bis im August noch möglichst viele potenzielle Lieferanten aus dem Gewerbe melden werden.

Der Materialmarkt kommt keinesfalls zufällig an diesen Ort im Klybeckquartier. Er soll sich dort in die zusätzliche Neuausrichtung der Aktienmühle einfügen. Das Innenleben des Hauptgebäudes soll wieder mit Gewerbe und Arbeit gefüllt werden. «Wir möchten, dass wieder vor Ort produziert wird», sagt Daniel Jansen, Projektentwickler der Aktienmühle für die Stiftung Habitat. Kleingewerbe mit handwerklicher Ausrichtung soll Einzug halten. Dazu wird das Hauptgebäude in Etappen saniert.

Jansen betont, dass «die Tradition von Gebäude und Areal erhalten bleibt». Die Stiftung Habitat möchte so kleineren Gewerbetreibenden innerhalb der Stadt bezahlbare Räumlichkeiten bieten. Seit einem Jahr laufen die Planungen, Mitte 2015 sollen die ersten Mieter ins umgebaute Hauptgebäude einziehen. Die bisherigen Nutzungen des Areals werden aber keinesfalls verdrängt.