Liestal
Eine erste Prise Salz im Liestaler Ziegelhof-Abstimmungskampf

Die Ausgangslage der Abstimmung vom 23. September ist bisher völlig offen. Doch allmählich geht etwas: Die Gegner des Quartierplans bringen alternative Investoren ins Spiel, die das Brauerei-Areal schonend umbauen wollen.

Andreas Hirsbrunner
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Alternative Investoren wollen den Bürobau (links) und die Häuser an der Lindenstrasse sanieren statt abreissen

Alternative Investoren wollen den Bürobau (links) und die Häuser an der Lindenstrasse sanieren statt abreissen

Nicole Nars-Zimmer

Vordergründig ist es ruhig geworden rund ums Ziegelhofprojekt seit der Einwohnerrat den Quartierplan Ende April genehmigt hat. Hinter den Kulissen wird aber emsig an Strategien gefeilt, um die Ausgangslage für die vom Resultat her völlig offene Abstimmung vom 23. September zu verbessern. Fritz Strub vom Verein Pro Ziegelhof lässt jetzt ein erstes Bömbchen platzen: «Wir haben Investoren an der Hand, die bei einer Ablehnung des Quartierplans bereit sind, das Ziegelhofgelände zu kaufen und schonend umzunutzen.»

«Niemand will sich im jetzigen Stadium die Finger verbrennen.»

Dazu gehöre, dass sie nur einzelne Gebäude ersetzen und im Gegensatz zum jetzigen Projekt die Wohnhäuser an der Lindenstrasse sowie das alte Bürogebäude an der Gerberstrasse samt dahinter liegendem Spickel sanieren wollten.

Eine Konsequenz davon wäre, dass der Hauptmieter Coop zwar auf die angestrebte Ladenfläche von 2000 Quadratmetern käme, diese aber nicht auf einer, sondern auf zwei Ebenen liegen würden - wie in andern Coop-Filialen auch, fasst Strub das Resultat der bisherigen Gespräche zusammen. Über die Identität der neu aufgetauchten Investoren legt er indes einen Mantel des Schweigens. Strub: «Niemand will sich im jetzigen Stadium die Finger verbrennen.»

Öffentlichkeitsscheue Investoren

Auf den Einwand, dass dies nicht gerade vertrauenserweckend sei, entgegnet Strub: «Die jetzigen Investoren kennt man auch nicht.» Damit spielt Strub auf die der Öffentlichkeit unbekannten, dem Stadtrat aber bekannten Geldgeber an, die hinter dem Projektrealisator Bovida Invest AG stehen. Und Bovida selbst scheint das Rampenlicht auch nicht zu suchen: Die bz konnte in den letzten Tagen weder per Telefon noch per Mail mit der Firma in Kontakt treten.

Doch die Zusammenarbeit mit Coop bewährt sich offenbar. So hat Bovida in Gebenstorf ein Einkaufscenter realisiert und steckt in Huttwil mitten in der ebenfalls nicht ganz unumstrittenen Planung eines Centers und beide Male ist Coop Hauptmieter.

Strubs Plan mit alternativen Investoren hat bei einer Ablehnung des Quartierplans allerdings nur eine Chance, wenn die Ziag Ziegelhof AG als Grundeigentümerin Hand bietet. Und ob das der Fall sein wird, steht in den Sternen. Verwaltungsratspräsident Christoph Stutz sagt nur: «Wir stehen in einem vertraglichen Verhältnis mit Bovida. Wenn jemand etwas will, muss er zu uns oder zu Bovida kommen.»

Aktivitäten rollen an

Strub hofft auf einen «Hanro-Effekt»: Auf diesem Liestaler Areal war der Abriss der Fabrikhallen und eine Überbauung mit Wohnhäusern geplant. Doch nachdem der entsprechende Quartierplan in der Volksabstimmung Schiffbruch erlitten hatte, verkaufte die Hanro das Gelände an zwei Stiftungen, die eine Mischnutzung anstreben und die Fabrikhallen erhalten wollen.

Der Verein Pro Ziegelhof lädt nun auf den vierten Juli zu einem öffentlichen runden Tisch, an dem Fachleute über die Umnutzung von Industriegelände diskutieren. Und auch der Stadtrat ruht nicht: Nächste Woche erhalten alle Liestaler Haushalte eine Informationsbroschüre zum geplanten Ziegelhofprojekt. Zudem kündet noch Stadtrat Ruedi Riesen an, dass im August Profilstangen der geplanten Überbauung gestellt würden.