Muttenz
Eine Fussgänger-Unterführung, die man nicht betreten darf

Mit der Sanierung der St. Jakob-Strasse in Muttenz wurde auch die Unterführung für die Fussgänger aufgehoben. Nur noch Velos dürfen untendurch. Muttenzer Fussgänger ärgern sich über die neue Verkehrsführung.

Tobias Gfeller
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Trotz bestehender Unterführung sollen Fussgänger die St. Jakob-Strasse über einen Fussgängerstreifen passieren. Dies stösst in Muttenz auf Kritik.

Trotz bestehender Unterführung sollen Fussgänger die St. Jakob-Strasse über einen Fussgängerstreifen passieren. Dies stösst in Muttenz auf Kritik.

Juri Junkov

Für viele ist es grotesk. Jahrzehntelang bot die Unterführung unter der St. Jakob-Strasse auf Höhe Holderstüdelipark in Muttenz für Fussgänger und Velofahrer die optimale Unterquerung der viel befahrenen und sehr breiten Kantonsstrasse. Doch dies ist nun vorbei. Mit der Sanierung der St. Jakob-Strasse wurde auch gleich die Unterführung neu gestaltet. Deren Nutzung ist seit der Wiedereröffnung aber nur den Velofahrern vorbehalten. Fussgänger müssen ebenerdig über einen Fussgängerstreifen über die St. Jakob-Strasse.

Doch genau das stösst in Muttenz auf ziemlich viel Unverständnis. So äusserte sich an der vergangenen Gemeindeversammlung ein Herr unmissverständlich in Richtung Gemeinderat, dass diese Lösung unsinnig und auch gefährlich sei. Für sein Votum erhielt er viel Applaus aus der Versammlung. Er dachte da an die Fussgänger, aber auch an die Autofahrer, deren einst freie Fahrt auf der St. Jakob-Strasse «behindert» werde.

Die ganze Situation wird aktuell durch die diversen Bauarbeiten rund um die Tramhaltestelle «Zum Park» verschärft. Dort entsteht gerade ein neues Alters- und Pflegeheim, die Tramschienen werden seit Monaten erneuert und die St. Jakob-Strasse saniert. Immer wieder stehen Baumaschinen und andere grosse Gerätschaften an Stellen, die den Fussgängerstreifen noch unübersichtlicher machen.

Auch von der IG Gartenstrasse, einer Vereinigung von Quartierbewohnern, kommt Kritik. Für ältere Personen und Kinder sei die Überquerung gefährlich. Dass nun Fussgänger die St. Jakob-Strasse überqueren müssen, sei ein Fehlentscheid und eine Fehlplanung.

Kanton bot beide Lösungen an

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wird die St. Jakob-Strasse nicht mehr die Gleiche sein. Sie wird deutlich schmäler, das Tempolimit von 60 auf 50 reduziert und in der Mitte mit einem sogenannten Mehrzweckstreifen versehen. «Auch auf der Höhe Holderstüdelipark wird die Strasse so aussehen wie unterhalb des Käppelis beim Freidorf», betont Urs Hess, Leiter Kantonsstrassen beim kantonalen Tiefbauamt. Dort wird das Überqueren der Strasse mittels Fussgängerstreifen durch Inseln erleichtert.

Hess stellt klar, dass vonseiten Kanton sowohl die jetzt getroffene Lösung wie auch die alte Lösung mit Fussgängern und Velofahrern durch die Unterführung angeboten wurde. Die Gemeinde habe sich für die jetzige Lösung entschieden.

Trennung auch für die Sicherheit

Die Entscheidung des Gemeinderats sei auch aus Sicherheitsgründen gefällt worden, betont Gemeinderat Joachim Hausammann (Grüne). «Eine Trennung zwischen Fussgängern und Velofahrern wurde intensiv diskutiert. Die Trennung durch eine Markierung am Boden war keine befriedigende und sichere Lösung. Und von einer Trennung durch ein Geländer – wie sie einst war – wurde uns aus Sicherheitsgründen für die Velofahrer dringend abgeraten», erklärt der für Tiefbau zuständige Gemeinderat. Eine Schwierigkeit stellten auch die beiden Seitenaufgänge zu den Tram-Perrons dar, die heute aufgrund des Behindertengesetzes nicht mehr so steil sein dürften wie damals. Der Gemeinderat entschloss sich deshalb, diese zu schliessen. Die Unterführung gleicht heute einem dunklen Korridor.

Joachim Hausammann begründet die Entscheidung, die Fussgänger über die Strasse zu führen, auch mit einem Philosophiewechsel. «Wir können am Eingang zum Entwicklungsgebiet Polyfeld die Fussgänger nicht in Zweierreihe durch die Unterführung jagen», betont der Chef Tiefbau. Man lasse heute Fussgänger, wann immer es möglich sei, nicht mehr durch dunkle Katakomben hindurch. Bleibt die Situation trotz Entschleunigung der Strasse für Fussgänger heikel, bestehen jetzt schon die Leitungen für eine Lichtsignalanlage.» Der Muttenzer Gemeinderat wolle durch die St. Jakob-Strasse keine zweite Autobahn, die Muttenz weiterhin in zwei Hälften teilt. Die Überquerung der Strasse müsse durchlässiger werden. «Sie bildet einen kurzen, aber wichtigen Abschnitt im geplanten Grünzug vom Holderstüdelipark zum Entwicklungsgebiet Poylfeld», betont Hausammann.