Stadtfest Liestal
Eine «Hommage ans Baselbiet»: Das Stedtli feiert sich selbst – mit Konzerten, Lichtshows und Paraden

Dreissig Jahre ist es her, seit in Liestal zum letzten Mal ein Stadtfest stattfand. Vergangenes Wochenende war es endlich wieder so weit. Der Anlass war ein Spektakel – und ein voller Erfolg. Konzerte, Lichtshows und Musikparade lockten tausende Leute ins Stedtli.

Daniel Aenishänslin
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Auch die Partnerstädte waren am Samstagnachmittag vertreten ...
37 Bilder
Eine Freude für diese zwei Mädchen aus dem deutschen Waldkirch, die als Teil der Elstäler Trachtengruppe mitlaufen durften.
Die Elstäler Trachtengruppe Waldkirch fielen mit ihren detailreich verzierten Kleidern sofort ins Auge.
Bitte lächeln - und zum Gruppenfoto posieren!
Gerammelt voll: ...
Das Liestaler Stedli am Samstagnachmittag.
Sorgten für Stimmung: Die Latärnäschränzer.
Hier läuft die Trachtengruppe Liestal – mit einem strahlenden Lächeln.
An der Parade fuhren auch Feuerwehr-Oldtimer mit ...
Der Kinderchor aus 200 Primarschülerinnen und Schülern präsentierte das neue Stadtlied.
Hier singen die Primarschülerinnen und Schüler zusammen das neue Lied.
Zum kulinarischen Angebot gehörte auch afghanisches Fladenbrot ...
und Elsässer Flammkuchen.
Es folgen weitere Bilder und Impressionen vom Liestaler Stadtfest ...
Stadtfest Liestal 2019

Auch die Partnerstädte waren am Samstagnachmittag vertreten ...

Juri Junkov

Eine knackige Rede hält der Baselbieter Regierungspräsident zur Eröffnung des Liestaler Stadtfests vom Balkon des Restaurant Neuhaus herab. Schon vor Jahren habe er, Isaac Reber, dem früheren Stadtpräsidenten Lukas Ott gesagt, «er sei für mich persönlich dann der König von Liestal, wenn er drei Dinge erfülle. Erstens müsse er die Rathausstrasse neugestalten, zweitens das alte Postgebäude sprengen und drittens die Laubbläser aus dem Stadtgebiet verbannen.»

Das Neugestalten ist es denn auch, welches das Stadtfest von 2018 auf 2019 verschoben hat. Das Törli war noch nicht renoviert, der Präsidiumswechsel noch zu frisch, die Zeit noch nicht reif. Deshalb läuft das dreitägige Fest unter dem Motto «Liestal findet Stadt». Bereits im Eröffnungsabend steckt eine Menge Liestal. Nach Rebers Rede schreitet IG Chienbäse-Präsident Werner Fischer mit einem Chienbäse von der Burg herunter und entzündet symbolisch das Feuerwerk, die Pyroshow, die Christian Ziegler auf dem Dach der Busstation auf dem Wasserturmplatz abbrennt.

Überraschung: Liestal hat nun offiziell Törliplatz

Eine echte Überraschung ist die Taufe des Platzes vor dem Törli. Der Stadtrat hat beschlossen, diesen nun offiziell Törliplatz zu nennen. Anrainer und Gastronom Felix Mühleisen wünscht sich das schon lange. Am liebsten autofrei. Stadtpräsident Spinnler bezeichnet den Akt als «eine Hommage ans Baselbiet, das Törli und an Felix Mühleisen – unser Baselbieter Hauptstadtplatz ist das».

Ein Highlight ist die Lightshow in der Rathausgasse:

Literaturnobelpreisträger Carl Spittelers Gedicht «das bescheidene Wünschlein» wird visuell interpretiert und auf das Törli projiziert. Das Publikum ist begeistert. «Wir wollten etwas Besonderes machen, nicht nur Musik bieten», sagt Daniel Spinnler. Musik gibts trotzdem. Einheimisches von Rabbit Hill, Invain oder der Guggenheim Allstar Band, später rappt sich Black Tiger durch Spitteler-Texte.

Eine prächtige Parade gönnt sich Liestal am Samstagnachmittag. Angeführt von der Stadtmusik ziehen 24 Formationen durchs Törli. Ganze 35 Minuten dauert das Spektakel, Winken, Grüssen und Lachen. Natürlich dürfen die Banntagsfahnen nicht fehlen, nicht die Rotstab-Clique und Infanterie Offiziersschule. Sogar die Spitex läuft mit. Zuvor sangen Primarschüler vor dem Törli das neue Stadtlied, das Urs Rudin komponiert und Stadtrat Daniel Muri getextet hatte.

40 Kilo Vanillecreme für eine riesige Cremeschnitte

Sichtbar viel Eigeninitiative manifestiert sich in der Rathausstrasse. Die drei ortsansässigen Bäcker und Confiseure kreieren eine 25 Meter lange Cremeschnitte: 40 Kilo Vanillecreme, sechs Kilo Zuckerguss, 75 Meter Blätterteig. Confiseur Jonas Walther erklärt: «Wir wollten zeigen, dass wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen können.» Einen Franken pro Zentimeter kostet dieses Dessert. Der Erlös geht an Insieme Baselland.

Wir wollten etwas Besonderes machen, nicht nur Musik bieten.

(Quelle: Daniel Spinnler, Liestaler Stadtpräsident)

Vor dem Törli zeigt die Grenzwache ihr Handwerk. Über die Seestrasse lässt es sich mittels Tyrolienne schweben. Und überall vorzügliches Essen. Dafür ist Liestal schon länger bekannt. Vielleicht deshalb schliesst Isaac Reber seine launige Eröffnungsrede mit einer ironischen Spitze nach Basel. Jenes Basel, das kürzlich selbst den Beweis für Liestals Vorreiterrolle erbracht habe. «Durch das Kopieren der Liestaler Genusswoche dürfte endgültig allen klar sein, dass die Stadt ganz genau hinschaut, was die Konkurrenz aus dem Stedtli anstellt.» Liestal feiert sich, das Törli, und Felix Mühleisen wohl den Törliplatz.

Liestal ist nun als Doppelstöcker in der ganzen Schweiz unterwegs

Zugtaufe

«Liestal findet statt und die SBB bewegen», eröffnete Stadtpräsident Daniel Spinnler den Stadtfestsamstag. Am Bahnhof wartete er mit Regierungspräsident Isaac Reber und Michel Berchtold, Leiter SBB Personenverkehr Region Mitte, auf einen Zug. Nicht weil dieser verspätet war, sondern um ihn auf den Namen «Liestal» zu taufen. Dabei entschuldigte sich Berchtold gegenüber der Bevölkerung für sieben «intensive» Jahre Arbeit, die grösstenteils noch folgen. «Wir sind uns bewusst, dass die Bauarbeiten den Leuten viel Geduld abverlangen», sagte er. Er freue sich, den Doppelstöcker (Dost) für den Fernverkehr taufen zu dürfen. Spinnler betonte, der frisch getaufte Dost möge die Menschen zusammenbringen. «Möge er so dynamisch unterwegs sein wie unsere Stadt», schloss er, «möge er unser Liestal in die Schweiz hinaustragen». (da)