Waffen
Eine Studie belegt: Die Baselbieter sind wahre Waffennarren

Eine Studie zeigt, dass im Kanton Baselland die höchste Waffendichte der Schweiz herrscht. In mehr als 30 Prozent aller Haushalte werden legal Waffen gelagert. Die Erklärung: Die Dichte ist so hoch, weil es im Kanton weniger Ausländer hat.

Joël Hoffmann
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Wie viele alte Karabiner auf Baselbieter Estrichen stehen oder liegen, ist den Behörden derzeit nicht bekannt. (Symbolbild)

Wie viele alte Karabiner auf Baselbieter Estrichen stehen oder liegen, ist den Behörden derzeit nicht bekannt. (Symbolbild)

Nach jedem Zwischenfall mit Schusswaffen wird wieder heftig über die Armeewaffen im Estrich und generell über den Waffenbesitz gestritten. So auch nach dem Amoklauf im Wallis. Im Bergkanton mit seinen Jägern sind viele Waffen im Umlauf. Eine Studie der Universität Zürich zeigt, dass im Wallis in mehr als 30 Prozent aller Haushalte legal Waffen lagern. Doch die selbe Studie, die «Schweiz Aktuell» letzte Woche veröffentlichte, zeigt auch, dass das Baselbiet zusammen mit Solothurn und Aargau die höchste Waffendichte hat.

Warum im Baselbiet in fast 33 Prozent aller Haushalte Schusswaffen gehortet werden, weiss Martin Killias, Strafrechtprofessor und Leiter der besagten Studie: «Es gibt mehrere Gründe. Zum einen gibt es einen Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und Waffendichte. In Basel-Stadt, wo es viele Ausländer gibt, ist die Dichte mit 10,4 Prozent gering. Im Baselbiet ist die Waffendichte gross, der Ausländeranteil klein.» Die Ausländer leisten keinen Wehrdienst, haben keine Armeewaffe zu Hause. Zudem dürfen Angehörige folgender Staaten von Gesetzes wegen keine Waffen besitzen: Albanien, Algerien, Sri Lanka, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Türkei.

Ein weiterer Grund ist die Zusammensetzung der Haushalte. «Im Baselbiet gibt es mehr Familienhaushalte. In der Stadt leben viele Leute, und vor allem auch Frauen, in Einzelhaushalten. Dazu Killias: «Somit gibt es in der Stadt mehr Haushalte ohne (Armee-)Waffen. Zudem trägt das im Mittelland ausgeprägte Schützenwesen erheblich zur höheren Waffendichte bei.»

Anzahl Waffen ist unbekannt

Der Polizei Basel-Landschaft ist diese Studie nicht bekannt. «Bevor wir nicht wissen, auf welcher Basis es zu dieser Prozentangabe und Rangliste gekommen ist, kommentieren wir dies grundsätzlich nicht», sagt Meinrad Stöcklin.

Grundlage der Studie sind Befragungen zur Kriminalität, die Killias und sein Team seit fast 30 Jahren durchführen. Die Interviewten repräsentieren den Bevölkerungsquerschnitt. Konkrete Zahlen können weder Killias noch Stöcklin nennen. Dazu Stöcklin: «Der Stand dessen, wie es vor der Einführung der Meldepflicht per 12.12.2008 war, ist niemandem bekannt. Insofern wären etwelche Zahlenangaben reine Spekulation.»

Waffenkäufe aus Angst vor Dieben

Konkrete Zahlen will auch Marius Joray nicht nennen. Er ist Geschäftsführer eines Waffenladens in Laufen. Jeweils 30 Prozent seiner Kunden sind Jäger, Sammler und Schützen. 10 Prozent seiner Kunden sind Leute, die aus Angst vor Einbrechern zu Hause eine Waffe haben wollen. «Tendenz steigend», wie Joray beobachtet. Diese Kunden kaufen meistens nicht tödliche Waffen, sondern Pump-Action-Flinten mit Gummischrot.

Die hohe Waffendichte im Baselbiet, erstaunt Joray nicht. Auch er verweisst auf die Schützenvereine. Er beobachtet aber auch, dass mehr und mehr Haushalte ihre alten, nichtbenötigten Waffen abgeben.

Auch Joray kauft gebrauchte Waffen ab. Das ist streng geregelt. Er muss eine Quittung ausstellen, den Namen des Verkäufers notieren und diesen der Polizei melden, damit diese das Register anpasst. Jährlich kommt die Polizei zur Kontrolle vorbei. Strikte Regeln gelten auch bei Jorays automatischen Waffen, die eigentlich verboten sind. Sammler dürfen diese mit einer Sonderbewilligung erwerben. Diese Waffen dürfen nicht benutzt werden, und die Polizei kontrolliert die Sammler jährlich.

Anders als Joray kann die Polizei nicht bestätigen, dass mehr und mehr Leute ihre Waffen abgeben. Wer dies aber machen will, kann sich bei jedem Polizeiposten melden.