Wahlen 2011
Einfach ist der Alltag in Bundesbern nicht, schon gar nicht als Frau

Fünf Nationalrätinnen und eine Ständerätin aus den beiden Basel verraten, wie sie sich in Bern behaupten. Enfach sei der Alltag in Bundesbern nicht - auch, oder besonders nicht, als Frau, sagt SP-Ständerätin Antia Fetz.

Birgit Günter
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Von links: Anita Fetz (SP), Maya Graf (Grüne), Anita Lachenmeier (Grüne), Susanne Leutenegger (SP), Silvia Schenker (SP) und Elisabeth Schneider (CVP) diskutieren über die Herausforderungen in der Politik.

Von links: Anita Fetz (SP), Maya Graf (Grüne), Anita Lachenmeier (Grüne), Susanne Leutenegger (SP), Silvia Schenker (SP) und Elisabeth Schneider (CVP) diskutieren über die Herausforderungen in der Politik.

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Vierzig Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechtes macht der Enthusiasmus der Ernüchterung Platz: Aus den beiden Basler Halbkantonen wollen dieses Jahr massiv weniger Frauen als bei früheren Wahlen nach Bern. Im Baselbiet zum Beispiel ist der Anteil der Kandidatinnen von 40 auf 35 Prozent gesunken.

Tatsächlich ist der Alltag in Bundesbern nicht einfach - auch, oder besonders nicht, als Frau. Manchmal komme sie sich vor wie unter lauter Silberrücken, lässt die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz durchblicken. Es brauche viel Ausdauer und diplomatisches Geschick, um unter die-sen Männern die eigenen Anliegen durchzubringen. «Man erlebt dabei sehr viel Frust», erzählt Fetz. «Aber», fügt sie an, «Politik ist auch viel Lust.»

Hartes Pflaster für die Frauen

Zusammen mit den fünf bisherigen Nationalrätinnen aus den beiden Basel hat die Basler Ständerätin auf Einladung des Vereins Frauenrechte beider Basel einer Schar interessierter Frauen und Männer einen Blick hinter die Kulissen gewährt. Dabei legten die sechs Frauen nicht nur ihre Strategien offen, wie man sich in Bern behauptet - sondern sie offenbarten auch, warum die Politik für Frauen immer noch ein hartes Pflaster ist. Besonders für die bürgerlichen Frauen.

Einen dieser Gründe brachte die Baselbieter CVP-Nationalrätin und Ständeratskandidatin Elisabeth Schneider-Schneiter auf den Tisch. Sie prangerte die fehlende Frauen-Solidarität an: «Frauen unterstützen einander gegenseitig leider nicht», sagte sie. Schneider, die gern die «erste weibliche Baselbieter Ständerätin» werden möchte und gegen die politischen Schwergewichte Claude Janiak (SP) und Caspar Baader (SVP) antritt, vermisst den Support von Frauen-Organisationen. «Ich spüre keinerlei Unterstützung», kritisierte sie. Dabei habe sie es als bürgerliche Frau eh schon schwerer als die linken Frauen. Dies, weil sie als Mitte-Frau gegen Links und Rechts weibeln muss - und sich intern noch unter den oft «konservativen Männern» durchsetzen müsse.

Suboptimale Frauensolidarität

Etwas konsterniert reagierten die fünf linkspolitischen Frauen auf den bürgerlichen Vorwurf. «Seien wir ehrlich: Das Parteibüchlein kommt halt noch vor der Frau-Mann-Frage», brachte es die Baselbieter Grünen-Nationalrätin Maya Graf schliesslich auf den Punkt. Fetz formulierte es so: «Es gilt ‹Inhalt vor Geschlecht›.» Für die bürgerlichen Politikerinnen mag das ein Nachteil sein, für die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer ist das aber ein Zeichen der Zeit und eine moderne Errungenschaft: «Heute leben wir nicht mehr einfach nur strikte die Frauensolidarität aus», sagt sie.

Neben der suboptimalen Frauensolidarität orten die Politikerinnen ein weiteres «Frauenproblem»: die fehlende Vernetzung. «Frauen sind nicht so gut dabei, Netzwerke aufzubauen», stellte Schneider fest. Der Grund dafür, so hat sie herausgefunden, ist die unterschiedliche Freizeitbeschäftigung. Männer gingen nach der Sitzung noch einen trinken zusammen und kämen sich dabei näher. «Die Frauen hingegen gehen heim oder ins Büro, um zu arbeiten», so Schneider. Am nächsten Morgen seien sie dann zwar ausgeschlafen und gut vorbereitet - aber leider ohne Verbündete.

Frauen treiben Sport

Dieses Defizit ist auch Maya Graf aufgefallen. Genau zu diesem Zweck hat sie die Frauen-Sportgruppe gegründet. Vorher war sie stets die einzige Frau beim Plauschkicken der Parlamentarier gewesen. Das weibliche Walking-Programm stösst indes auch noch nicht auf riesige Nachfrage: Die Frauen seien meist schon anderweitig ausgebucht, so Graf.

Das Netzwerken müssten die Frauen aber dringend lernen, um sich in Bern zu behaupten, darin ist sich die Frauenrunde einig. Weiter sei es wichtig, sich nicht unterkriegen zu lassen und die eigenen Anliegen konsequent zu verfolgen. «Wir brauchen auch unbedingt mehr Frauen in den Experten-Kommissionen und den Verwaltungsräten», fordert Leutenegger Oberholzer. Ansonsten, so stellte sie fest, sei die Frauenbewegung tatsächlich wieder am Untergehen.