Biodiversität
Eingeschleppte Pflanzen gefährden das ökologische Gleichgewicht im Baselbiet

Eingeschleppte Planzen, die hierzulande bislang nicht vorkamen, können eine Gefahr für die Umwelt sein. Ein aktueller Bericht legt offen: Im Kanton Baselland gibt es bei der Bekämpfung solcher Schädlinge Mängel - die Auswirkungen zeigen sich zum Beispiel am Birsufer.

Michael Nittnaus
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Die Ufer der Birs leiden unter Neophyten.

Die Ufer der Birs leiden unter Neophyten.

Zur Verfügung gestellt

Ein ausgesprochen hartnäckiger Ausländer hat es sich in Baselland bequem gemacht – und er hat nicht vor, wieder zu verschwinden: der Japanische Staudenknöterich. Er besetzt mit Vorliebe Flussufer und verdrängt die heimische Flora.

Neophyten: Gäste, die nie wieder gehen

Neophyten sind nichtheimische Pflanzen, die in eine Region eingewandert sind. Der Oberbegriff Neobiota umfasst derweil auch Neozoen, also Tiere. Im Baselbiet gelten als Problemfälle vor allem das Indische oder Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) und die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis).
Der Japanische Staudenknöterich bildet unterirdische Ausläufer, die zu brüchig sind, um sie auszureissen. Die Knöterichgewächse «verhungern» nur, wenn man sie mindestens einmal monatlich mäht. In vielen Ländern werden Japanische Knöteriche als Gartenpflanzen kultiviert; in der Schweiz ist ihr Verkauf aber verboten. (bz)

Strategie kommt bis Sommer

Zu diesem Schluss kommt das kantonale Sicherheitsinspektorat in seinem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht 2012. «Es fehlt dem Kanton Baselland nach wie vor eine genehmigte Strategie zum Umgang mit diesen Problemarten», heisst es dort. Und: «Wir gehen davon aus, dass sich die Problematik der invasiven gebietsfremden Arten im kommenden Jahr im Kanton verschärfen wird.»

Dabei lagert beim Sicherheitsinspektorat bereits seit Ende 2011 ein fertiges Massnahmenpaket inklusive Strategiepapier. Dieses regelt nicht nur den Umgang mit dem Staudenknöterich, sondern generell mit Neobiota, also auch fremden Tieren wie dem Amerikanischen Flusskrebs. Das Paket wurde von der Regierung im Rahmen der kantonalen Sparmassnahmen allerdings auf Eis gelegt, weil es innert fünf Jahren Kosten von fünf Millionen Franken nach sich ziehen würde (die bz berichtete).

Die Ufer der Birs leiden unter Neophyten.

Die Ufer der Birs leiden unter Neophyten.

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Birsprojekt braucht ab 2014 Geld

Das Sparargument der Regierung ist für Schmidlin nur teilweise nachvollziehbar: «Die Massnahmen sind eine Investition, die sich langfristig auszahlt, denn die Kosten werden zunehmen, je länger man zuwartet.» Dies, weil sich die Pflanzen immer stärker ausbreiten und speziell der Staudenknöterich die Ufer destabilisiert. Und die Zeit drängt: So gehen der gemeinnützigen Solidago Naturschutz GmbH aus Reinach nach dreijährigem Einsatz Ende 2013 die Gelder für ihr von Stiftungen, Gemeinden und dem Lotteriefonds getragenes Projekt zur Neophytenbekämpfung am unteren Birslauf aus. «Wir hoffen, dass in Zukunft der Kanton zusammen mit den betroffenen Gemeinden die Finanzierung übernimmt», sagt Rita Rufener von Solidago. Sagt der Landrat Nein, müsse sie wohl die Gemeinden bitten, neben der kostenlosen Entsorgung der ausgerissenen Pflanzen weiteres Geld zu sprechen.

Pegoraro: Umsetzung trotz Sparen

Pro Jahr kosten die Arbeiten am Birsufer rund 75 000 Franken. Auch dieses Jahr wird sich Solidago als Integrationsprojekt für Arbeitslose zwischen April und September von Aesch bis Basel vorarbeiten. Diese Prozedur müsse noch Jahre fortgeführt werden, da sonst vor allem der Staudenknöterich zurückkomme. Rufener rechnet aber mit abnehmenden Kosten, da der Wildwuchs dank des Projektes abnehme. Die Rolle des Kantons müsse künftig sein, alle Aktivitäten zu koordinieren, Schwerpunkte zu setzen und die Grundfinanzierung sicherzustellen, ergänzt Solidago-Leiter Andy Schaerren.

Umweltdirektorin Sabine Pegoraro sieht dies ähnlich – mittlerweile. Vergangenen Mai sagte sie noch im Landrat, dass die fünf Millionen Franken «im Moment ausserhalb des Möglichen liegen». Nun die Einsicht: «Da die Kosten durch Zuwarten steigen, wurde die Neobiota-Bekämpfung als strategisches Ziel ins Jahresprogramm 2013 der Bau- und Umweltschutzdirektion aufgenommen. Zurzeit wird ein Weg gesucht, die nötigen Massnahmen trotz Sparprogramm umzusetzen.»