Sommerrodelbahn
Einst die längste, heute die spektakulärste Rodelbahn

Für das Erlebnis in Todtnau reisen immer mehr Menschen aus dem Ausland an – sogar CNN war vor Ort. Und die Neider, falls es sie gibt, halten sich gut versteckt.

Leif Simonsen (Text und Foto)
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Die Bahn erreicht Spitzengeschwindigkeiten von 45 km/h.

Die Bahn erreicht Spitzengeschwindigkeiten von 45 km/h.

Adolf Braun ist ein Patron, wie er im Buche steht. Bald wird er seinen 80. Geburtstag feiern, doch kürzertreten will er nicht. «Mir macht die Arbeit Spass, ich wüsste nicht, was ich sonst machen würde.» Deswegen schaut der Besitzer der Todtnauer Rodelbahn noch so oft bei seinem Personal vorbei, wie er kann. Im Sommer 2004 liess er die damalige, in die Jahre gekommene Holzrodelbahn komplett neu bauen. Und Braun setzte neue Massstäbe: Die Strecke führte vom Hasenhorn, 1065 Meter über Meer, nach Todtnau hinunter auf 659 Meter. Die Spitzengeschwindigkeit beträgt annähernd 50 Stundenkilometer. Zeitweise nannte man sich die «längste Sommerrodelbahn Deutschlands». Doch dann meldeten sich Konkurrenten aus Bayern, die behaupteten, eine noch längere zu haben. Seither brüsten sich die Schwarzwälder damit, die deutschlandweit «spektakulärste» zu sein.

Tausendmal probiert

Daran scheint was dran zu sein. Denn die Touristen reisen weite Wege. Holländer, Franzosen und Schweizer stehen in der Schlange, die an schönen Sommertagen bis auf eine Stunde Wartezeit anwachsen kann. Todtnau ist dem Unternehmer, der 1960 aus Baden-Baden in den Südschwarzwald kam, dankbar. Schliesslich kurbelte Braun, der auch Skiliftbetreiber ist, den Tourismus wieder an. Die Leute reisen mittlerweile auch aus dem arabischen Raum und Israel an. Selbst der amerikanische Fernsehsender CNN war für Filmaufnahmen zu Gast. Die Neider, falls es sie gibt, halten sich gut versteckt. «Ich hatte jedenfalls nie negative Reaktionen auf meine Geschäftstätigkeiten», sagt Braun.

Wer derart viel Aufmerksamkeit bekommt, der hat eine besondere Verantwortung. Auch wenn im Starthäuschen der Rodelbahn an die Vernunft appelliert wird und das Abbremsen vor den Kurven vorgeschrieben wird: Die Verantwortung liegt bei der Rodelbahn. Deshalb lässt Braun die Anlage täglich eine Stunde prüfen, bevor der erste Gast runtergelassen wird. Braun hat zwei Bereichsleiter plus sechs bis sieben Leute angestellt. Zudem untersteht die Rodelbahn dem Landeseisenbahngesetz, was einmal im Jahr zu einer grossen Kontrolle verpflichtet. Auch ist er sich sicher, dass selbst ein Aufprall mit hoher Geschwindigkeit keine Konsequenzen hätte. «Das Wichtigste ist einfach, dass man sich anschnallt.»

Der bz-Redaktor sieht sich veranlasst, Brauns Worte zu verifizieren. Auf seiner Rodelfahrt hinunter nach Todtnau lässt er die Bremsfunktion weitgehend unbetätigt – trotz der omnipräsenten Warnschilder «Achtung Kurve – abbremsen». Das führt zwar zu einer Fastkollision mit dem Vordermann – mehr aber nicht. Eine Fahrt mit der Sessel- und der Rodelbahn kostet 7.50 Euro. Wie oft Braun auf seiner eigenen Rodelbahn runtergeflitzt ist, weiss er nicht. «Viele tausendmal», schätzt er.

Und er lässt es sich noch heute nicht nehmen, hin und wieder in eine solche Kiste zu setzen. «Spass macht das auch in meinem Alter noch», sagt er. Es klingt wie ein Werbespruch – aber das hat Adolf Braun gar nicht nötig.