Titterten
Eklat um Neujahrsapéro: Private organisieren, Gemeindepräsident fehlt, alt Nationalrat ruft aus

Nachdem der Gemeinderat den Anlass gestrichen hatte, richteten ihn Private aus – der Gemeindepräsident aber fehlte.

Simon Tschopp
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Die Titterer genehmigten sich trotzdem einen lustvollen Apéro. (Symbolbild)

Die Titterer genehmigten sich trotzdem einen lustvollen Apéro. (Symbolbild)

Der vom Titterter Gemeinderat abgesagte Neujahrsapéro weitet sich zu einer Dorfaffäre aus. Erzürnt meldete sich gestern Morgen bei der Redaktion dieser Zeitung alt Nationalrat Christian Miesch, der wohl prominenteste Einwohner. Er sei aus allen Wolken gefallen, als er den Text über den geplatzten Neujahrsapéro gelesen hatte.

«Die Stimmung war gut – eine tolle Sache»

Es sei am 1. Januar abends bei ihnen ganz und gar nicht ruhig gewesen. Ein Apéro habe stattgefunden, Private hätten per Flugblatt dazu eingeladen. Christine Müller-Rudin und ihre Tochter Nicole Löffel-Müller sprangen in die Bresche. «Noch selten kamen so viele Leute. Es gab ein reichhaltiges Buffet, die Stimmung war gut – eine tolle Sache», erzählt Miesch begeistert.

An diesem Anlass zeigten sich laut dem früheren SVP-Nationalrat mit Vizepräsidentin Simone Coigny, Albert Gort und Theo Schweizer drei der vier amtierenden Exekutivmitglieder. Einzig Gemeindepräsident Heinrich Schweizer glänzte durch Abwesenheit.

Auch er sollte von der Einladung Kenntnis gehabt haben, wies am Donnerstag im Gespräch mit dieser Zeitung aber nicht darauf hin. Die Kosten für den diesjährigen Apéro hätte man über das Budget 2019 laufen lassen können. «Es war eine Trotzreaktion auf das abgewiesene Budget», wird Christian Miesch deutlich.

«Das kann man so sehen», hält der Gemeindepräsident den Ball flach und betont: Die Kosten für den Apéro seien keine gebundenen Ausgaben; der Gemeinderat habe dies beim Kanton abgeklärt und so von ihm auch bestätigt bekommen. Heinrich Schweizer sieht den getroffenen Entscheid als «konsequent in der aktuellen Situation».

Zwar hat stets die Behörde zum Neujahrsapéro eingeladen, die Gemeinde habe bloss die Getränke gespendet, so Miesch. Schweizer ergänzt, dass die Finanzierung des Apéros jeweils eine Mischform gewesen ist. Mit Ausnahme des Weins kam die Gemeinde für die Getränke auf, «für das Knabbern waren Private besorgt».

Meldet sich noch jemand für die Erneuerungswahl?

Am 9. Februar stehen die Gesamterneuerungswahlen sämtlicher Gemeinderäte im Baselbiet an. Im 420-Seelen-Dorf Titterten steigen alle vier Ratsmitglieder wiederum ins Rennen. Von einer zusätzlichen Kandidatur ist noch nichts bekannt, sie lässt auf sich warten.

Die Titterter Exekutive ist seit über einem Jahr in Unterzahl, die Aufgaben verteilen sich auf wenige Schultern. Dies kann kein Dauerzustand sein. Ob der Gemeinderat aber nächsten Monat komplettiert werden kann, steht noch in den Sternen. Die Zeichen dafür sind wenig erfolgversprechend.