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Elisabeth Schirmer-Mosset: Eine Bankratspräsidentin mit Haltung

Werte müsse man nicht nur vertreten, sondern sie leben, erklärt die BLKB-Präsidentin Elisabeth Schirmer-Mosset im Gespräch mit der bz.

Daniel Haller
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Elisabeth Schirmer Mosset: «Zu dem, was ich mache, will ich stehen können.»

Elisabeth Schirmer Mosset: «Zu dem, was ich mache, will ich stehen können.»

Nicole Nars-Zimmer

«Mein Vater war eine dynamische Unternehmerpersönlichkeit. Das bin ich auch.» Doch muss man Elisabeth Schirmer-Mosset erst einmal nach ihrem Selbstverständnis fragen. Denn anders als ihrem Vater William Mosset, Gründer der Uhrwerksfabrik Ronda in Lausen, liegt ihr der öffentliche patronale Auftritt nicht. Vielmehr entfaltet sie ihren Einfluss hinter den Kulissen: als Verwaltungsrätin der Ronda, die sie, als Not an der Frau war, ein paar Jahre operativ leitete, und als mittlerweile amtsälteste Bankrätin der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Im Jahr 2000 holte man sie als Firmenkunden-Vertreterin in den Bankrat, seit 2011 leitet sie diesen als Präsidentin.

Mit Lachen quittiert sie die Frage, ob man sie mit diesen Funktionen nicht auf eine Frauenrolle im Hintergrund abgeschoben habe: «Das wollte ich so.» Das Gesicht der Bank seien deren Geschäftsleitung und der CEO Beat Oberlin. «Da bringt es nichts, wenn sich die Bankratspräsidentin in die Öffentlichkeit drängt.» Und später ergänzt sie: «Es geht mir nicht darum, dass andere mich toll finden.»

Langfristige Optik

Dass heute viele Menschen die Finanzwirtschaft nicht toll finden, ist ihr bewusst. Als sie vor 16 Jahren in den Rat eintrat, lief das Geschäft fast von alleine. Die Komplexität habe zugenommen. Das Kundenverhalten hat sich – beschleunigt durch die Digitalisierung – verändert. Auch die regulatorischen Anforderungen steigen laufend. Dass Missbräuche in der Branche zur Verschärfung der Regeln führten, bestreitet sie nicht. Die BLKB hingegen habe immer ein Geschäftsmodell der Nachhaltigkeit gesucht.

Nachhaltigkeit? «Natürlich ist das oft eine Worthülse. Wir aber gehören dem Kanton. Und der Eigner will eine starke Bank auf lange Sicht.» Da gehe es nicht um kurzfristige Geschäfte, sondern um langjährige Begleitung von Firmen und Privatpersonen. Dies sei wichtiger als die kurzfristige Maximierung. «Der Erfolg gibt uns recht.» Ist dies der Stempel, den sie der Bank aufgedrückt hat? «Nein. Hätte die Bank diese Philosophie nicht schon vorher gehabt, hätte ich abgelehnt.».

Dann wird sie persönlich: «Das muss von innen kommen. Nur wenn man seine Werte aktiv lebt, zieht dies Gleichgesinnte an.» Nachhaltigkeit sei in drei Dimensionen zu verstehen: wirtschaftlich, ökologisch und sozial. Das heisse, die finanzielle Stabilität und Solidität zu wahren, die Volkswirtschaft im Kanton zu fördern und ökologische Standards einzuhalten, die über dem Durchschnitt der Branche liegen. Gleichzeitig setze sich die Bank im sozialen Kontext für aktive Verantwortung ein. So habe sie ein Nachhaltigkeitsleitbild erarbeitet und zusammen mit dem WWF 40 Nachhaltigkeits-Champions aus der Mitte der Belegschaft ausgebildet.

Der gute Ruf als höchstes Gut

Als fundamentales Element der Nachhaltigkeit sieht Elisabeth Schirmer die Reputation: «Es dauert lange, sie aufzubauen, und sie ist das höchste Gut einer Bank.» Dabei gehe es nicht nur um ökonomische Sicherheit, sondern auch um die gesellschaftliche Glaubwürdigkeit. Als weiteren Erfolg wertet sie die Verbindung der BLKB-Hypotheken mit einer Erdbebenversicherung. «Da haben wir ein Alleinstellungsmerkmal.» Ein Highlight sei für sie jeweils auch die erfolgreiche Prüfung durch die eidgenössische Finanzaufsicht Finma. Dies sei nur möglich mit guten Leuten, die im Team arbeiten.

Und welches waren die Misserfolge? «Enttäuschungen gab es, wenn man zu viel erwartet hat oder zu schnell vorwärtsgehen wollte», blickt sie zurück. «Man darf sich aber von einer Enttäuschung nicht blockieren lassen. Mein Credo ist: Ich will Teil der Lösung sein, immer im Team eine Lösung suchen und umsetzen, anstatt Probleme nur zu diskutieren.»

Baselbieter Unternehmerin

Elisabeth Schirmer-Mosset wurde 1958 in Basel geboren und wuchs in Liestal auf. Nach ihrem Ökonomie-Studium trat sie ins Unternehmen ihres Vaters ein, die Uhrwerksfabrik Ronda AG. Nach dessen Tod führte sie die Firma zusammen mit ihrem Mann Daniel Schirmer. Später überliess sie die operative Führung ihrem Bruder Erich Mosset und zog sich in den Verwaltungsrat zurück, um Zeit für ihre drei Kinder zu haben. Im Jahr 2000 übernahm sie das Bankratsmandat bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank. Daneben engagiert sie sich in christlich-sozialen Organisationen.

Dazu gehört ihr nächstes Motto: «Ich arbeite lieber, als dass ich darüber rede.» Die Motivation komme von innen. «Ich freue mich am Erfolg, doch muss es nicht direkt meiner sein. Es ist toll, wenn in einem Team Dynamik entsteht und sich daraus Neues wie die Erdbebenhypothek entwickelt.» Dies sei der Unterschied zur früheren Unternehmer-Kultur, die von Einzelpersönlichkeiten geprägt war.

Dass ihr Teamarbeit liegt, hängt nicht zuletzt mit dem Sport in ihrer Jugend zusammen: Als Junioren-Schweizer Meisterin im Springreiten musste sie mit ihrem Pferd als Team harmonieren. Dazu fallen ihr sofort weitere Begriffe ein: Leistungsbereitschaft, Leidenschaft, Fairness und gegenseitiges Vertrauen zwischen Pferd und Reiterin. «Gegenseitiges Vertrauen und Respekt ist auch in der Bank zentral.»

Transparenz als Freiheit

Klingt das nicht alles nach schöner PR? «Die Werte liegen uns am Herzen. Das können Sie nicht einfach erzählen, das müssen Sie leben. Nur dann kann man gute, professionelle Leute anziehen.»

Und ein weiteres Mal verbindet Schirmer Aussagen über die Kantonalbank mit ihren persönlichen, christlichen Ansichten: «Eine Bank ist ein Dienstleistungsunternehmen. Da steckt das Wort ‹dienen› drin. Dies ist mein persönliches und zentrales Anliegen, dass dies nicht vergessen wird.» Sie selbst empfinde beim Dienen Freude. «Wenn das Gegenüber glücklich ist, uns als Geschäftspartner zu haben, dann ist das ein gutes Gefühl.»

Und was ist ihr, mal abgesehen von der Bank, persönlich wichtig? «Freiheit.» Dies bedeute, transparent zu sein. «Wenn ich nichts zu verstecken habe, bin ich frei. Mit dieser Haltung geht’s mir nachhaltig gut, das ist Lebensqualität» Und schon schwenkt sie wieder zurück zur Bank: «Dies ist auch der Gedanke hinter der Weissgeldstrategie. Zu dem, was ich mache, will ich stehen können.»

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