Set-Top-Boxen
Ende des Analog-TV: Zahlreiche Muttenzer sehen seit Montag schwarz

Wer in Muttenz noch analog fernsieht, hat seit Anfang der Woche keinen Empfang mehr. Die Gemeinde gibt Set-Top-Boxen ab, kann der grossen Nachfrage aber kaum nachkommen.

Claudia Maag
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Vorbei mit Zappen: Ohne Set-Top-Box ist fernsehen in Muttenz nicht mehr möglich

Vorbei mit Zappen: Ohne Set-Top-Box ist fernsehen in Muttenz nicht mehr möglich

Keystone

Auf einigen Fernsehschirmen in Muttenz ist es seit Wochenbeginn zappenduster. Wer noch analog fern sieht, empfängt nichts mehr, da die Gemeinde am Montag alle Analog-Sender abgestellt hat. Wer dies nicht mitbekam oder vergass, eine sogenannte «Set-Top-Box» zu beziehen, dessen Röhre bleibt schwarz.

Auf TV-Entzug

In einen leeren Bildschirm blickt auch Hermann Keller. Er findet: «Ich bin als Kunde nicht informiert worden.» Einerseits habe er nicht gewusst, dass am 29. Februar die Sender abgeschaltet würden. Andererseits habe die Gemeinde im November informiert, dass das analoge TV erhalten bleibe.

Dem widerspricht der Muttenzer Bauverwalter Christoph Heitz: «Eine solche offizielle Meldung gab es meines Wissens nie.» Tatsächlich konnte dieser Vorwurf durch die bz nicht erhärtet werden. «Die erste Information zum Wechsel erfolgte am 19. Februar», sagt Heitz. Die Gemeinde habe im Muttenzer Amtsanzeiger und auch die Tagespresse ausführlich informiert. Am 26. Februar schaltete die Gemeinde auf ihrer Homepage eine Mitteilung auf, dass die Analog-Sender per Monatsende abgestellt werden. Am Montag sei es auch per Radio vermeldet worden.

Im Amtsanzeiger existiert die Benachrichtigung, allerdings einspaltig und unauffällig. «Ich hätte erwartet, dass diese wichtige Sache ganzseitig und plakativ publiziert wird», so Keller.

Anzahl Haushalte unbekannt

Eine erstmalige Bekanntgabe anderthalb Wochen vor dem Wechsel scheint sehr kurzfristig. Trotz mehrfacher Information wurden mehrere Muttenzer von der Abschaltung überrascht. Der bz ist ein weiterer Fall bekannt. Keller kommentiert: «Hier in unserer Ecke schauen viele analog.» Er findet: «Die hätten einen Brief schreiben könnten.»

Der Bauverwalter entgegnet, dies sei nicht möglich gewesen. «Uns ist leider nicht bekannt, wie viele Haushalte analog fernsehen.» Die Gemeinde habe mit der Rechsteiner AG abgeklärt, ob es möglich sei, Haushalte mit analogem TV zu eruieren. Sie arbeitet seit langem mit der Rheinfelder TV-Firma zusammen. «Leider gibt es dazu keine technischen Möglichkeiten.» Dies hält Keller für «sehr realitätsfern».

Gemeinde wurde überrannt

Die Set-Top-Box kann man kostenlos bei der Gemeinde beziehen. Doch waren am Montagnachmittag keine Geräte mehr vorrätig. Dies bestätigt Heitz. «Wir hatten im Vorfeld 100 Set-Top-Boxen besorgt, die wir bis zum Nachmittag alle abgegeben haben.» Sie hätten nun nochmals 100 Stück bestellt. Gestern Dienstag waren diese abholbereit. «Wir wurden überrannt», berichtet Heitz. Es kamen über 100 Personen. Die Gemeinde musste erneut bestellen.

Keller erzürnt zusätzlich, dass man beim TV-Geschäft Rechsteiner AG, welche die Box installiert, einen Termin vereinbaren müsse. «Die Aussicht, auf unbestimmte Zeit keinen TV-Empfang zu haben, zeugt vom unprofessionellen Vorgehen der Gemeinde.»

Auch hier beschwichtigt Heitz. «Wenn man die Box auf der Gemeinde holt, braucht man keinen Termin.» Die Geräte würden im Vorfeld programmiert. «Wer sie abholt, braucht sie nur einzustecken.»

Eine gute Nachricht für jene, die es nicht während der Schalteröffnungszeiten schaffen: Nach Auskunft von Heitz kann man «selbstverständlich auch Set-Top-Boxen von anderen Herstellern benutzen».