Breitenbach
Enders: «Die Schweiz ist die Summe ihrer Bürger»

Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Petra Enders aus Grossbreitenbach (Thüringen) sprach in ihrer Partnergemeinde. Sie bezeichnete die schweizerische direkte Demokratie als den Schlüssel zum Erfolg.

Roland Bürki
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Petra Enders lobte die direkte Demokratie. Roland Bürki

Petra Enders lobte die direkte Demokratie. Roland Bürki

bz Basellandschaftliche Zeitung

Der Breitenbacher Fritz Waber, bekannt als «Euro-Fritz», knüpft und zieht seit 1991 Fäden zu den rund 50 Breitenbachs in Europa. Als einen der Höhepunkte bezeichnet Waber die Besiegelung der Partnerschaft mit der thüringischen Stadt Grossbreitenbach im Jahr 2000. Seinen Euro-Turbomotor musste er nicht auf Hochtouren bringen, um Bürgermeisterin Petra Enders den Besuch an der Breitenbacher Bundesfeier 2011 schmackhaft zu machen.

Die Gemeindeversammlung vom April 2006 um den Bau des Central-Kreisels ist ihr nämlich nachhaltig in Erinnerung geblieben. Damals zeigte sie sich begeistert, wie Bürgerinnen und Bürger hier direkt in Geschäfte eingreifen und entscheiden können. In seiner Begrüssung zur sonntäglichen Bundesfeier freute sich Gemeindepräsident Dieter Künzli auf die Rede seiner Amtskollegin aus Grossbreitenbach: «Es ist eine gute Gelegenheit, einmal etwas über die Aussenansicht über unser Land und unsere Gemeinde zu erfahren.»

Weitestreichende Bürgerrechte

«Es ist ein bewegender Moment hier sprechen zu dürfen», zeigte Enders Emotionen. Vieles habe sie heute beeindruckt. Ein Besuch in der Bundesstadt Bern, dann aber auch zahlreiche umgesetzte Projekte in Breitenbach wie etwa Naturbad oder Kreisel. «Sie dürfen stolz sein, was hier erreicht wurde», wandte sich die Bürgermeisterin an die Feiernden. Die Schweiz sei eben «die Summe ihrer Bürger». Das deutsche Pendant am 3. Oktober, den Tag der deutschen Einheit, bezeichnete Enders als «formellen, ernsten und zentralen Festakt» auf Bundes- und Landesebene. «Deshalb fällt mir die kommunale Vielfalt hier besonders auf», staunte Enders. Aber überall stehe der herausgeputzte Feiertag für Grundrechte, Freiheit, Toleranz und Selbstbewusstsein. «Sie haben die weitestreichenden Bürgerrechte, seien Sie sich dieser Werte bewusst», zeigte sich die Bürgermeisterin beeindruckt.

Dass Bürger am Finanzhaushalt schrauben oder einen Kreisel mit gestalten, sei in Deutschland undenkbar. Da hätten die Bürger nur einmal die Chance mitzubestimmen, bei den Bundes- und Landtagswahlen. «Die direkte Demokratie ist aber der Schlüssel zum Erfolg», zeigte sich Enders überzeugt. In Deutschland trauten das die Politiker den Bürgern (noch) nicht zu. «Wir nutzen aber kommunal alle Möglichkeiten, unsere Bürger zu beteiligen», verwies Enders auf Impulse aus der Schweiz. Etwa beim Haushalt, wo der Stadtrat das entsprechende Votum der Bürger beim Entscheid berücksichtige. Dass demnächst am Kram- und Kräutermarkt in Ihrer Stadt Kräuterbonbons aus Laufen verteilt würden, sei ein weiterer Impuls aus der Schweiz. Das hätten der «Euro-Fritz» und mit ihm «natürlich Breitenbach» sowie die Ricola erfunden, verriet Enders und erhielt für ihre Rede langen Beifall.