Liestal
Entlassungen in Giesserei: Ein Wohlfahrtsfonds soll Härtefälle abfedern

Die Unia fordert von der Liestaler Giesserei Erzenberg AG, die den Massenkanalisationsguss einstellen und Mitarbeitende entlassen muss, einen Sozialplan. Diese will die Entlassungen mit einem Fonds auffangen.

Daniel Haller
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Um die Entlassungen in der Liestaler Dolendeckel-Fabrik gibt es Streit zwischen Gewerkschaft und Geschäftsleitung.

Um die Entlassungen in der Liestaler Dolendeckel-Fabrik gibt es Streit zwischen Gewerkschaft und Geschäftsleitung.

Martin Töngi

Die Betriebsversammlung vom Donnerstag in der Liestaler Giesserei Erzenberg sorgte bei den Vertretern der Gewerkschaft Unia für Kritik. Die Erzenberg AG hatte gut eine Woche zuvor angekündigt, wegen des schlechten Geschäftsgangs den Massenkanalisationsguss einzustellen. Auf voraussichtlich Ende August werden 50 von 68 Mitarbeitenden unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfristen entlassen (die bz berichtete).

An der Betriebsversammlung wollte gemäss Unia-Communiqué «niemand auf die Forderung nach einem Sozialplan eingehen, der eine Abgangsentschädigung und frühzeitige Pensionierung vorsieht.» Besonders bedenklich sei es, dass die Geschäftsleitung frühzeitige Pensionierungen infrage stelle. Diese seien deshalb nötig, weil viele ältere Mitarbeitende zwar spezifisch für die Arbeit bei Erzenberg angelernt wurden, sonst aber keine besondere Qualifikation hätten. Es werde deshalb für sie schwierig, eine andere Stelle zu finden, erklärt Hansueli Scheidegger, Co-Leiter der Unia Nordwestschweiz.

Erst offene Fragen klären

Bei Erzenberg reagiert Verwaltungsratsmitglied Eveline Lehmann konsterniert und verweist auf ein Zürcher Anwaltsbüro, das die Giesserei berät. Schliesslich kommt eine Erklärung per Fax: Die Erzenberg AG werde im Vorsorgebereich die negativen Folgen der Kündigung mit Geld aus einem Patronalen Wohlfahrtsfonds (PWF) mildern.

Die Unia-Behauptung, Erzenberg habe die Möglichkeit von Frühpensionierungen infrage gestellt, sei falsch. Man müsse jedoch technische Fragen bezüglich des Vorsorgewerks – Pensionskasse und PWF – klären, bevor man verbindliche Zahlen nennen könne. «Die Giesserei Erzenberg AG wird somit ihrer sozialen Verpflichtung durch Leistungen aus dem von ihr gebildeten und geäufneten PWF nachkommen, und nicht über einen Sozialplan.» Daneben würden aus dem PWF Rückstellungen für Härtefälle gebildet. Abgangsentschädigungen gebe es, soweit diese gesetzlich vorgeschrieben seien.

«Gemäss Gesetz ist ein Sozialplan für Betriebe mit mehr als 250 Angestellten vorgeschrieben», stellt der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott klar. Er hält es aber für die Pflicht des Arbeitgebers, bei Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen die Folgen mit Massnahmen im Sinne eines Sozialplans abzufedern. «Wenn die Erzenberg AG dies durch den PWF machen will, ist dies eine gute Nachricht.»

Kritik an Konsultationsfrist

Ein weiterer Kritikpunkt der Unia ist das Konsultationsverfahren. Dieses ist bei Massenentlassungen gesetzlich vorgeschrieben. Es gibt der Belegschaft die Gelegenheit, Vorschläge zu machen, wie man die Entlassungen und die Schliessung von Betriebsteilen vermeiden könnte. Positive Beispiele sind die Erhaltung der Novartis-Produktionsstätte in Nyon, und in Pratteln konnte 2012 die Schliessung der Rohrbogen AG verhindert werden, weil Belegschaft, Geschäftsleitung und Gewerkschaft gemeinsam eine Lösung fanden.

Im Fall der Giesserei Erzenberg kritisiert die Unia, die gewährte Konsultationsfrist von zehn Tagen sei zu kurz. Zudem gebe die Geschäftsleitung die wirtschaftlichen Kennzahlen der Firma nicht heraus, die für die Erarbeitung von Vorschlägen erforderlich seien.

Erzenberg kontert, zehn Tage seien «durchaus angemessen» und die Kennzahlen keine Voraussetzung. Es seien konkrete Vorschläge eingegangen, die der Verwaltungsrat nun prüfen werde.

Scheidegger weist seinerseits darauf hin, dass in der Vergangenheit Vorschläge aus der Belegschaft auf taube Ohren gestossen seien. Aussagen von Mitarbeitern würden auf Managementfehler verweisen. Erzenberg bezeichnet diese Vorwürfe als unhaltbar und «nicht zielführend».