Familienbericht
Entlastung für Eltern - Baselbiet soll Kinderkrippenplätze mitbezahlen

Mehr als ein Viertel aller Kinderalimente wird im Kanton Baselland nicht ordnungsgemäss ausbezahlt. Die Geschädigten, in aller Regel Mütter, müssen dann um Alimentenbevorschussung nachsuchen. Doch wenn der Staat für säumige Väter in die Bresche springt, fallen die Auszahlungen im Durchschnitt tiefer als bei der ordnungsgemäss überwiesenen Alimente aus.

Bojan Stula
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Im Nachgang zur Diskussion über den Familienbericht im Landrat vom vergangenen Donnerstag bekräftigt die Baselbieter SP ihre Absicht, noch in diesem Jahr die Volksinitiative «Kinderbetreuung für alle» zu lancieren. (Symbolbild)

Im Nachgang zur Diskussion über den Familienbericht im Landrat vom vergangenen Donnerstag bekräftigt die Baselbieter SP ihre Absicht, noch in diesem Jahr die Volksinitiative «Kinderbetreuung für alle» zu lancieren. (Symbolbild)

HO

Dies ist nur eines von vielen interessanten Details aus dem 143-seitigen Baselbieter Familienbericht, der im vergangenen Herbst publiziert wurde. Bereits bei ihrem Amtsantritt vor anderthalb Jahren sagte SP-Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer, dass sie einen Schwerpunkt ihrer Amtsführung auf die Verbesserung von Familiensituationen legen wolle. Noch in diesem Jahr soll auf den Familienbericht ein 14 Punkte umfassender Massnahmenplan folgen, der wiederum die Grundlage für Verbesserungen in der Planungsperiode 2022 bis 2026 bildet.

Schweizers Partei reicht das aber nicht. Im Nachgang zur Diskussion über den Familienbericht im Landrat vom vergangenen Donnerstag bekräftigt die Baselbieter SP ihre Absicht, noch in diesem Jahr die Volksinitiative «Kinderbetreuung für alle» zu lancieren. Darin wird die Forderung nach einer vom Kanton und Gemeinden finanzierten familienergänzenden Kinderbetreuung aufgestellt werden.

Nur wenig frei verfügbares Einkommen übrig

Für die ehemalige Präsidentin der Baselbieter Gemeindeverbands (VBLG) Bianca Maag ist die externe Kinderbetreuung «eine klare Verbundsaufgabe und kann nicht nur wie bisher bei den Gemeinden angesiedelt sein». Ihre SP-Fraktionskollegin Simone Abt hält es für inakzeptabel, dass Baselland bei der Höhe des frei verfügbaren Einkommens im Kantonsvergleich an viertletzter Stelle steht (Basel-Stadt ist sogar Vorletzter knapp vor Schlusslicht Genf).

Schuld daran seien insbesondere die hohen Kosten fürs Wohnen und für familienergänzende Kinderbetreuung. «Bei solchen Rahmenbedingungen laufen vor allem alleinerziehende Eltern Gefahr, wegen zu hoher Lebenskosten in die Sozialhilfe und Armut abzugleiten. Einmal auf Sozialhilfe angewiesen, ist es schwierig, den Ausstieg wieder zu schaffen», folgert Abt.

«Konkrete Ideen und Vorstösse im Landrat»

Die Baselbieter Grünen wollen ebenfalls von sich aus tätig werden und nicht nur die Ergebnisse des kantonalen Massnahmenplans abwarten. In einer Stellungnahme kündigen sie an, eigene «konkrete Ideen und Vorstösse im Landrat» einzubringen, ohne diese jedoch genauer auszuführen. Auf Nachfrage sagt Landrätin Erika Eichenberger, es lägen noch keine konkret ausformulierten Vorstösse bereit, doch würde ihre Fraktion hier insbesondere ein Augenmerk auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Finanzierung von Kinderbetreuungsangeboten richten.

Wie viele andere stösst sich Eichenberger am Umstand, dass im Baselbiet Eltern im Schnitt 78 Prozent der Kinderbetreuungskosten übernehmen müssen, während es im Landesdurchschnitt nur 60 Prozent sind.