Verschmutzung
Entwarnung: Trinkwasser in Liestal und Umgebung ist wieder geniessbar

Am Donnerstagnachmittag kommt die erhoffte Entwarnung: Das Trinkwasser in Liestal und fünf weiteren Gemeinden ist wieder konsumierbar. Das teilt der Kantonale Krisenstab mit. Dies nachdem es mit Kolibakterien verseucht war.

Daniel Ballmer
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Knapp eine Woche lang durfte das Trinkwasser in Liestal und Umgebung nicht genossen werden.

Knapp eine Woche lang durfte das Trinkwasser in Liestal und Umgebung nicht genossen werden.

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Auf diese Nachricht haben rund 25'000 Baselbieterinnen und Baselbieter sehnlichst gewartet. Am Donnerstagnachmittag kam endlich die erhoffte Entwarnung. Nach einer Verseuchung mit Fäkalbakterien kann das Trinkwasser in Liestal sowie in den umliegenden Gemeinden Lausen, Arisdorf, Seltisberg, Lupsingen und Nuglar-St. Pantaleon wieder bedenkenlos und ohne Einschränkung genossen werden. Das teilte der Kantonale Krisenstab mit.

Und nun scheint auch mehr oder weniger klar zu sein, wie es zu der bereits am vergangenen Freitag entdeckten Verseuchung gekommen ist. Wie vermutet, ist es auf einer der vielen Baustellen in Liestal passiert.

«Der Ort konnte genau lokalisiert werden», bestätigt Rolf Wirz vom Kantonalen Krisenstab. Um welche Baustelle es sich handelt, will er nicht sagen. Klar jedoch ist, dass dort ein Leck an einer Abwasserleitung entstanden sein muss, wodurch Abwasser in die Baugrube gelangte.

Dumm gelaufen oder fahrlässig gehandelt?

In der Baugrube befand sich auch eine Trinkwasserleitung, die während der Arbeiten ausser Betrieb war. Damit stand sie auch nicht unter Druck. «Offensichtlich ist dabei Dreckwasser in die Leitung geraten», sagt Wirz. «Und als sie wieder in Betrieb genommen worden ist, haben sich die Kolibakterien im Leitungssystem ausgebreitet.»

Der genaue Ablauf werde nun aber noch im Detail geprüft. «Es geht darum, ob es einfach dumm gelaufen ist oder ob fahrlässig gehandelt worden ist», erklärt Wirz. «Letztlich geht es hier auch um Haftungsfragen.»

Fast eine Woche lang hatten die Bewohner der betroffenen Gemeinden ihr Leitungswasser zum Trinken und Kochen abkochen müssen. Babynahrung sollte man nur mit Mineralwasser zubereiten. Unbedenklich waren Geschirrspülen, Duschen und Zähneputzen. Zwischenzeitlich Abwesenden empfehlen die Behörden nun, alle ihre Trinkwasserleitungen gründlich durchzuspülen.

Erleichtert, dass nicht mehr Krankheitsfälle auftraten

Die Bevölkerung scheint sich an die Anweisungen der Behörden gehalten zu haben: Der Krisenstab zeigt sich jedenfalls «erleichtert», dass wegen der Trinkwasser-Keim-Thematik «in den Spitälern oder bei Ärzten keine Anstiege von Krankheitsfällen vermeldet» worden seien.
Am Montag hatte das Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (ALV) in den Proben keine Kolibakterien mehr gefunden. Danach waren am Mittwoch – nach dem Ende der Chlorierung – entnommene Proben abgewartet worden. Auch diese sind sauber.

Das Amt attestiert jedenfalls der Stadt Liestal einen «jederzeit korrekten Betrieb der Trinkwasserversorgung sowie professionelle Abklärungen zur Identifikation der Ursache». Wegen der regen Bautätigkeit hat die Stadt systematisch Wasserproben genommen. «Nur so ist die Belastung überhaupt entdeckt worden», sagt Krisenstab-Sprecher Wirz. «Liestal hat sich hier sehr vorbildlich verhalten.»

Bereits am Montag waren das Grundwasser und die Wasser-Quellen als Ausgangspunkte der Verschmutzung ausgeschlossen worden. Die Stadt Liestal werde nach dem Abschluss ihrer weiteren Untersuchungen zur Ursache die Öffentlichkeit informieren, teilen die Kantonsbehörden mit.

FAQ zur Trinkwasserverschmutzung

Muss ich die Hausinstallationen (Wasserleitungen, Wasserhähne, durchspülen bevor ich wieder Wasser konsumieren kann?

Sofern Sie normal Wasser verwendet haben (z. B. duschen, Händewaschen usw.) ist ein Spülen der Leitungen nicht nötig. Bei länger nicht benutzen Leitungen, empfiehlt es sich immer die Leitungen 2-3 Minuten laufen zu lassen.

Kann ich sofort wieder sämtliches Wasser direkt aus den Wasserhähnen konsumieren?

Ja gemäss Antwort oben.

Muss ich meinen Boiler durchspülen lassen?

Wenn er länger nicht gebraucht worden ist, empfiehlt sich die Anwendung analog den oben aufgeführten Wasserhähnen.

Muss ich die Reinigungssiebe an den Wasserhähnen austauschen oder auskochen bevor ich wieder normales Wasser verwende?

Nein, müssen Sie nicht. Unabhängig davon ist eine regelmässige Reinigung der Wassersiebe nie verkehrt.

Muss ich die Wasserenthärtungsanlage speziell behandeln bevor ich wieder normales Wasser verwende?

Für Enthärtungsanlagen, die Wasser bezogen haben, sind die Keime und das Chlor unproblematisch. Allenfalls muss der Vorfilter ausgetauscht werden. Anlagen, in welche Keime gekommen sind und die nicht in Betrieb waren (bspw. wegen Ferien), müssten eher einem Service unterzogen werden, weil im Harz Keime weiterwachsen könnten und der Ionenaustausch nicht stattfand. Bei Anlagen mit Aktivkohlefilter muss der Filter angeschaut und sehr wahrscheinlich ausgetauscht werden. Klären Sie dies zur Sicherheit auch mit ihrer Liefer- oder Unterhaltsfirma.

Wie muss ich Vorgehen bei Wasserhähnen, die ich seit einiger Zeit nicht benutzt habe (z.B. Garten, Nebenbaderaum etc)?

Diese ebenfalls 2-3 Minuten laufen zu lassen.

Wie wird verhindert, dass sich so etwas nicht wiederholt?

Aktuell werden aufgrund des Ereignisses täglich Proben genommen. Der Ursache wird detailliert nachgegangen und aus den Schlussfolgerungen die Lehren gezogen.

Wie wird Wasser in Zukunft beprobt?

Jede Trinkwasserversorgung muss ein Selbstkontrolle-Konzept aufweisen. Nach der Ereignisbewältigung sieht dieses wieder den normalen Rhythmus vor. Von der Inbetriebnahme von neugebauten Trinkwasserleitungen, werden zusätzliche Proben gezogen und untersucht.

Was ist genau passiert und wurde der Verursacher festgestellt?

Der am Montag, 8. Juli 2019 kommunizierte Verdacht, wonach die Ursache der Verschmutzung auf Bautätigkeiten am Leitungsnetz in Liestal zurückzuführen ist, hat sich sehr stark erhärtet. Das Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen attestiert der Wasserversorgung der Stadt Liestal den jederzeit korrekten Betrieb der Trinkwasserversorgung sowie professionelle Abklärungen zur Identifikation der Ursache. Die Stadt Liestal wird weiter informieren, sobald die Untersuchungen abgeschlossen sind.

Quelle: Kantonaler Krisenstab Baselland