bz in Liestal
Entwicklung des Bahnhofsareals wird Liestal grundlegend prägen

Der Bahnhof Liestal gewinnt keinen Schönheitspreis. Drei Akteure wollen ihn mit verschiedenen Projekten umgestalten: Stadt Liestal, Kanton Baselland und SBB. Wie der Bahnhof sich städtebaulich integriert, wird Liestal für Jahrzehnte prägen.

Daniel Haller
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Bis 2025 wird dieses Areal im Herzen von Liestal ganz anders aussehen.

Bis 2025 wird dieses Areal im Herzen von Liestal ganz anders aussehen.

Nicole Nars-Zimmer

Tote Gleise bei der Buser AG, eine Verladerampe aus alten Zeiten, eine nicht mehr benutzte Waage und ein kleiner 20-Tonnen-Portalkran für Container, der schon lange nicht mehr bewegt wird: Das nordwestliche Bahnhofgelände hinter den Parkplätzen beim Emma-Herweg-Platz liegt im Dornröschenschlaf.

Die Oristal-Unterführung auf die Südseite des Bahnhofs ist dagegen ein Ort ausgesuchter Hässlichkeit. Und im Süden trennt die Oristalstrasse den Bahnhof wie ein Burggraben vom Sichternquartier. Einzig durch einen Mauseloch-Ausgang tritt man aus der Palazzo-Fussgängerunterführung ins Freie und ist mit der blätternden Fassade einer Autogarage, einem Musikgeschäft in einem Altbau und Mietparkplätzen auf einer Gewerbebrache konfrontiert.

«Städtebaulich ist das unbefriedigend», stellt Stadtpräsident Lukas Ott fest. «Wir sind froh, dass wir durch die Aus- und Neubaupläne der SBB eine Riesen-Chance erhalten, die Situation grundsätzlich zu verbessern.» Kantonsarchitekt Thomas Jung fügt hinzu: «Das Hochbauamt steht seit Monaten in intensivem Kontakt mit den SBB und der Stadt Liestal, denn der Kanton hat als künftiger Ankermieter den Neubau des Bahnhofs angeregt.» Es sind also drei Akteure, die den Bahnhof Liestal und seine Umgebung von Grund auf umgestalten wollen: die Stadt Liestal, der Kanton Baselland und die SBB.

Auslöser: SBB-Vierspurausbau

Zuerst zu den Bedürfnissen der SBB: Um den Verkehr im Ergolztal reibungsloser abwickeln zu können, bauen sie bis 2025 ein viertes Gleis im Bereich Liestal. Damit erreichen die SBB, dass die Züge auf der Adlertunnel-Linie und jene, die die alte Linie über Frenkendorf befahren, nicht mehr kreuzen und aufeinander warten müssen. Das vierte Gleis kann man nur auf der Südseite des heutigen Gleiskörpers bauen. Dies erfordert die Verlegung der Gleise der Waldenburgerbahn und den Bau von zwei neuen Mittelperrons.

Eine weitere Anpassung der Gleisanlagen ist für den S-Bahn-Viertelstundentakt nach Basel nötig. Dafür soll auf der Nordseite ein Wendegleis – wie jenes fürs Läufelfingerli im Bahnhof Sissach – entstehen.

Diese beiden Projekte finanziert der Bund aus verschiedenen Töpfen: die vierte Spur durch das Bahnausbauprogramm ZEB, das S-Bahn-Gleis durch Fabi – eine Vorlage, über die das Volk im Februar 2014 abstimmen wird. Trotz der Finanzierung durch unterschiedliche Programme wollen die SBB die beiden Projekte planerisch zusammenlegen. Ab 2018 soll gebaut werden, ohne den gewohnten Bahnverkehr zu reduzieren.

Initialzünder: Kantonsverwaltung

Wenn man schon neue Perrons und dafür neue Unterführungen baut, könnte man auch gleich den aus den 40er-Jahren stammenden Bahnhof ersetzen: So lautet eine alte Forderung der Stadtbehörden. Zumal dieser – da sind sich Kantonsarchitekt Jung und Stadtpräsident Ott einig – mittlerweile eine schlechte Visitenkarte für einen Kantonshauptort darstellt.

Doch erst mit dem Kanton als potentem Ankermieter im Neubau ist es für die SBB wirtschaftlich interessant, das alte «Bahnhöfli» zu ersetzen. Der Kanton beabsichtigt, sich voraussichtlich ab 2020 bei den SBB mit seinem neuen Verwaltungszentrum einzumieten. Die bisherigen Pläne sehen vor, 540 Arbeitsplätze der Kantonsverwaltung in den Obergeschossen des neuen Bahnhofs unterzubringen. Gleichzeitig verfolgt der Kanton das Projekt für einen Verwaltungsneubau im Gebiet Gutsmatte/Kreuzboden nicht weiter.

Stadt Liestal sieht die Chance

Nachdem der Kanton für den Neubau des Bahnhofs die Initialzündung gegeben hat, liegt nun für die städtebaulichen Fragen die strategische Federführung bei der Stadt Liestal. «Die Anforderungen an das Areal sind so vielfältig und komplex wie beim Bau eines Flughafens», berichtet Ott:

Der Bahnhof Liestal ist mit Park+Ride, Bushof und Velostationen eine Verkehrs-Drehscheibe mit täglich 18 000 Umsteige-Bewegungen. Zu- und Wegfahrt der verschiedenen Verkehrsträger müssen gewährleistet sein.

Der motorisierte Verkehr muss weiterhin unter den Gleisen hindurch und auf der anderen Seite weiter ins Oristal und auf die Sichtern geführt werden, auch wenn durch den Ausbau der Gleisanlagen der Platz noch enger wird.

Die Verbindungen für Fussgänger- und Veloverkehr zwischen den südlich der Bahn liegenden Quartieren und der Stadt müssen besser werden. «Hindernis- und angstfreie Durchgänge sind von entscheidender Bedeutung», betont Ott. «Die Erschliessung der Südquartiere muss attraktiver werden, nicht zuletzt im Hinblick darauf, dass wir im hinteren Oristal Firmen ansiedeln wollen.»

Da auf der Ergolzlinie auch Gefahrengüter transportiert werden, müssen die neuen Lösungen der Störfallverordnung entsprechen.

Doch Ott ist optimistisch: «Wenn Vertreter der SBB-Infrastruktur und der SBB-Immobilien, das Hochbauamt des Kantons und wir von der Stadt Liestal an einen Tisch sitzen, ziehen wir konstruktiv am gleichen Strick.»