Signalisations-Mängel
Eptingen verschwindet so schnell wie es auftaucht – doch es gibt Licht am Ende des Belchentunnels

Die Ausfahrt Eptingen ist auf der A2 Richtung Basel schlecht beschildert – direkt nach dem Belchentunnel verschwindet sie so schnell, wie sie gekommen ist. Auch sonst steckt Eptingen derzeit mitten in einer Grossbaustelle. Die Probleme sollen in den nächsten Jahren gelöst werden.

Kelly Spielmann
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CH Media

Kurz vor dem Belchentunnel, Fahrtrichtung Egerkingen, soll seit über 30 Jahren die Belchenfrau spuken. Sie hält Autos per Daumensignal an, steigt ein, sagt, das etwas Schlimmes geschieht, und verschwindet. So lauten die Erzählungen. Darüber, ob der Geist der Südröhre existiert, lässt sich streiten. Aber auch die Nordröhre hat einen Geist, einen realen – man sieht ihn kaum, er versteckt sich hinter Büschen, und wenn man ihn dann doch entdeckt, bleibt meist nicht genügend Zeit zum Reagieren. Es ist die Ausfahrt Eptingen, die in Fahrtrichtung Basel kurz nach dem Tunnel auftaucht – und ebenso schnell wieder verschwindet.

Tatsächlich ist man ohne Navigationsgerät etwas verloren, wenn man auf der A1 unterwegs ist und die Ausfahrt Eptingen erwischen möchte. Im Tunnel ist keine Signalisation zu finden. Hinter Bäumen und Büschen ist das 80 Meter vom Tunnelausgang entfernte Schild erst nach einigen Sekunden erkennbar, bis aus der Ausfahrt eine doppelt durchgezogene Linie wird, bleiben nur rund 125 Meter.

500 und 1'000 Meter vorher – falls es Platz hat

Gesetzliche Vorgaben, wie eine Ausfahrt signalisiert sein muss, gibt es, wie Esther Widmer, Mediensprecherin beim Bundesamt für Strassen (Astra), sagt: Nach Artikel 86 der Signalisationsverordnung werden Anschlüsse im Vorfeld von 1'000 Metern und 500 Metern angekündigt – sofern Platz dafür vorhanden ist.

Bei der Eptinger Ausfahrt müssten sich die Schilder also im über drei Kilometer langen Belchentunnel befinden – wo ebendieser Platz fehlt. Die Situation sei dem Astra bekannt und auch schon geprüft worden.

Aufgrund des Tunnelquerschnittes ist die Montage eines Signals nicht möglich»,

so Widmer. Die Ausfahrt werde zum Grossteil von Eptinger Einwohnerinnen und Einwohnern genutzt. Bei Sperrungen sei die Gemeinde jeweils informiert worden, die die Sachlage dann im Gemeindeanzeiger publiziert habe, fügt Widmer an.

Schon bald wird die Ausfahrt wieder gesperrt

Solche Sperrungen stehen schon bald wieder auf dem Programm: Seit einer Weile wird am Belchentunnel gebaut (s. Box unten), wobei die beiden Röhren saniert werden, weshalb eine Ersatzröhre gebaut wird. «Die Schliessung der Ausfahrt während der Sanierung wird vermutlich zeitweise nicht zu vermeiden sein», meint die Eptinger Gemeindepräsidentin Melanie Wussler. Tatsächlich: Bis die Ersatzröhre voraussichtlich im Herbst in Betrieb genommen wird, ist die Ausfahrt zwischen Juni und September mehrmals während der Nacht gesperrt.

Wussler ärgert sich nicht darüber – «Wir sind uns das gewohnt, da es in der Vergangenheit bereits mehrmals Sanierungsarbeiten gegeben hat, wobei die Ausfahrt oder die Einfahrt geschlossen wurden.» Die Eptinger Einfahrt Richtung Egerkingen ist beispielsweise seit fünf Jahren gesperrt – ebenfalls wegen der Baustelle. Eptingerinnen und Eptinger müssen noch bis im Herbst über Diegten auf die Autobahn.

Dies ist denn auch der Grund, weshalb sich Melanie Wussler mit den Sperrungen im kommenden Sommer abfinden kann. «Da die nächste Ausfahrt bereits in Diegten ist, sehe ich bei diesem kurzen Umweg kein Problem.» Tatsächlich zeigt ein Selbstversuch, dass man nur wenig Zeit verliert, wenn man die Ausfahrt verpasst. Schon drei Kilometer weiter kommt die nächste Ausfahrt, in wenigen Minuten ist man zurück in Eptingen.

Eptingen kriegt doch noch ein Schild im Tunnel

Dennoch: Wer die Ausfahrt unter Zeitdruck verpasst, dürfte darüber verärgert sein. Dies dürfte zwar die Einwohnerinnen und Einwohner, die sie hauptsächlich nutzen, nicht ärgern, wie auch Wussler bestätigt. Kontakt mit dem Astra habe und plane man nicht. Doch für Auswärtige ist die Situation keine einfache – selbst mit Smartphone-Navi, das im Tunnel je nach Netz auch mal den Empfang verlieren kann.

Doch es gibt ein Licht am Ende des Belchentunnels. «Sollte eine Signalisierung im Tunnel Platz haben, wären wir bestimmt nicht dagegen», meint Melanie Wussler. In einigen Jahren wird das der Fall sein. Denn, wie Esther Widmer sagt, wird es nach der Sanierung der Röhren möglich sein, die Ausfahrt bereits im Tunnel zu signalisieren.

Die Sanierung des Belchentunnels

Seit 2015 wird an der Erstellung der dritten Röhre gearbeitet. Im Herbst 2021 soll der Ersatztunnel fertig sein, dann beginnt die Sanierung der bestehenden Röhren. Diejenige, die heute Richtung Egerkingen führt, wird während ca. 1.5 Jahre saniert, damit sie während vier bis fünf Jahre in Fahrtrichtung Basel genutzt werden kann. Ist die mittlere Röhre für die Nutzung in Fahrtrichtung Basel fertig, kommt diejenige an die Reihe, die heute Richtung Basel führt. Der Verkehr Richtung Basel wird während der Bauarbeiten in der Röhre Mitte geführt, derjenige Richtung Egerkingen im Ersatztunnel. Dieses Mal soll verhindert werden, was bei der letzten Sanierung von 2001 bis 2003 geschah: Eine der Röhren war während jeweils neun Monate gesperrt, was zu Staus und langen Umleitungen führte.