Sissach
«Eptinger» bohrt nach neuen Quellen – und verspricht sich viel von den neuen Etiketten

40 Prozent Umsatzverlust. Einen so dramatischen Einbruch muss man erst einmal schlucken – am besten mit Eptinger oder Pepita hinunterspülen. Doch die Mineralquelle Eptingen AG lässt sich nicht unterkriegen und investiert in die Zukunft.

Daniel Haller
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Matthias Buchenhorner auf einem Stapel mit 300 Liter Eptinger – also der Menge, welche der Armeechef als Notvorrat empfiehlt.

Matthias Buchenhorner auf einem Stapel mit 300 Liter Eptinger – also der Menge, welche der Armeechef als Notvorrat empfiehlt.

Martin Töngi

Den Rückschlag erlitt Eptinger nicht mit Wasser der eigenen Marken. Vielmehr konnte man bis 2012 aus der Lostorfer Quelle, die seit 1933 den Baselbietern gehört, Prix-Garantie-Wasser für Coop liefern.

Als Coop sich für die Billig-Linie eine eigene Mineralquelle zulegte, bedeutete dies für den Sissacher Familienbetrieb den Abschied aus dem Massen-Geschäft: Die Lostorfer Quelle verlor 70 Prozent der vorherigen Absatzmenge, die gesamte Firma zwischen 40 und 50 Prozent des Umsatzes.

Lostorf wurde vom Zwei- auf Einschichtbetrieb zurückgefahren, die Belegschaft der ganzen Firma von 83 auf 63 Vollstellen reduziert und das Sponsoring redimensioniert. «Nun produzieren wir nur noch sehr wenig Wasser für Fremdmarken», erklärt der stellvertretende Geschäftsleiter Matthias Buchenhorner.

Etikettenzauber mit dem Papagei

Dafür konzentriert sich die Mineralquellen Eptingen AG auf die Pflege der eigenen Marken. Man kann sich zwar fragen, ob eine neu gestaltete Etikette auf einer Mineralwasserflasche den Umsatz steigert. Doch Buchenhorner und Marketingleiterin Damaris Möller können aus Erfahrung sprechen: «Seit wir im Jubiläumsjahr 2009 das historische Design der Pepita-Etikette wieder aufleben liessen, hat sich der Absatz vervierfacht. Vorher war die Marke kurz vor dem Verschwinden, im Detailhandel war sie fast nicht mehr erhältlich», berichtet Buchenhorner zum neuen Standbein.

Mit anderen Worten: Erstens war bei früheren Überarbeitungen der Etiketten-Designs der Wiedererkennungswert verloren gegangen. Und zweitens hat die Eptinger Mineralquelle vor allem ältere Semester als Kunden, die mit Pepita süsse Kindheitserinnerungen verbinden.

Dies geben sie nun mit der Auferstehung der Marke an die nächsten Generationen weiter. «Auch beim Wasser haben wir eine Kundschaft von 55 plus», berichtet Buchenhorner. «Dann fangen die Ärzte an, wegen des hohen Kalziumgehalts Eptinger als Osteoporose-Vorbeugung zu empfehlen.»

Ziel der aktuellen Etiketten-Auffrischung: Auch Jüngere sollen zum Wasser aus den Juratiefen greifen, etwa Sportler wegen des Magnesiums gegen Muskelkrämpfe. Folgerichtig investierte man in neue Gebinde mit Sportcap-Verschluss. «Um gegen die massiv auftretende Konkurrenz ausländischer Marken mit schwächer mineralisiertem Gastronomie-Wasser zu bestehen, müssen wir als kleines Unternehmen eine Nische finden», meint Buchenhorner.

Entsprechend spielen neben dem Vertrieb über den Detail- und Fachhandel nicht zuletzt Spitäler eine wichtige Rolle als Kunden. Und als regionale Spezialität stellt Gasparini seit einem Monat ein Pepita-Sorbet her.

Probebohrung im Frühling 2015

Die Reaktion auf den Rückschlag beschränkt sich nicht auf die Stärkung des Produkts und der Marke: Bis das Wasser den hohen Eptinger-Mineralgehalt erreicht, muss es rund 20 Jahre durch eine Muschelkalkschicht in über 400 Meter Tiefe sickern. Von dort pumpt man es durch eine 1995 vorgenommene Bohrung auf der Birchhöchi an die Oberfläche.

«Im Frühjahr 2015 beginnen wir auf der gegenüberliegenden Talseite mit der ersten Probebohrung, um eine zweite Quelle zu finden», verrät Buchenhorner. Er rechnet mit zwei bis drei Probebohrungen, für die er rund 150'000 Franken veranschlagt. Findet man wie erhofft eine wasserführende Schicht, folgt in rund fünf Jahren die Hauptbohrung, die über eine Million Franken kosten dürfte.

Diese zweite Quelle soll dann die Zukunft des Familienunternehmens langfristig sichern. «Wir streben an, die Investitionen so weit wie möglich aus eigenen Erträgen zu finanzieren.» Deshalb müsse man die Schritte zeitlich staffeln. Und Nachrichten, dass der Armeechef 300 Liter Wasser als Notvorrat empfiehlt, hört Buchenhorner gern. «Aber umsatzmässig haben wir davon nichts bemerkt.»

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