Laufen
Er hat allen die Schuhe geflickt: Jetzt zieht sich der 83-jährige Alban Strub zurück

Nach mehr als einem halben Jahrhundert schliesst der 83-jährige Schuhmacher seine Werkstatt, Wären die gesundheitlichen Probleme nicht aufgetaucht, hätte der längst pensionierte Alban Strub weitergearbeitet.

Dimitri Hofer
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So wird man ihn in Zukunft nicht mehr sehen: Schuhmacher Alban Strub ein letztes Mal in seinem Geschäft in Laufen.

So wird man ihn in Zukunft nicht mehr sehen: Schuhmacher Alban Strub ein letztes Mal in seinem Geschäft in Laufen.

Juri Junkov

Eine ältere Stammkundin tritt in die Werkstatt von Alban Strub beim Obertor der Laufner Altstadt. Sie sei auf der Suche nach Schuhwichse, lässt sie den 83-Jährigen wissen. Ohne zu zögern beginnt er, seine Schubladen nach dem gewünschten Produkt zu durchstöbern.

Es ist für den Schuhmacher eine Selbstverständlichkeit, der Laufnerin ihren Wunsch zu erfüllen. Tun müsste er es nicht mehr, denn eigentlich ist sein Geschäft geschlossen. Schweren Herzens hat er sich kürzlich aus seinem Traditionsbetrieb zurückgezogen. In den vergangenen Monaten machten sich bei ihm immer wieder Schwierigkeiten mit dem Kurzzeitgedächtnis bemerkbar. Die Ärzte rieten ihm, die Arbeit niederzulegen. Für unseren Besuch öffnete er die Werkstatt, in der er seit 1959 tätig war, noch ein letztes Mal.

Beruf als Lebensinhalt

Wären die gesundheitlichen Probleme nicht aufgetaucht, hätte der längst pensionierte Strub weitergearbeitet. «Als ich damals das Pensionsalter erreichte, kam mir gar nicht in den Sinn, das Geschäft zu schliessen», erklärt er. Der Beruf war für den Alleinstehenden sein Lebensinhalt, weshalb er sich auch kaum Ferien gönnte. Während all der Jahre konnte die Kundschaft auf ihn zählen. Auf dem Weg ins Stedtli war es für viele eine Gewohnheit, ihre Schuhe in die Werkstatt zu bringen.

Dort trafen sie einen Betrieb an, in dem es ein wenig so aussieht, als wäre die Zeit stillgestanden. Vieles erinnert an die Tage, an denen Handwerker ihre Dienste noch in kleinen Läden anboten. Die meisten Maschinen und Werkzeuge hier haben Jahrzehnte auf dem Buckel. In einer Ecke steht eine etwas klobige Schleif- und Poliermaschine. Mit einer Presse konnte der Schuhmacher die Sohle an den Schuh befestigen. Prunkstück der Werkstatt ist eine grosse Nähmaschine, wobei Alban Strub sagt, dass er am liebsten von Hand genäht habe. Im Eingangsbereich hängen die neusten Schuheinlagen-Modelle.

Während seiner gesamten Tätigkeit gab es keinen Fall, bei dem er nicht weiterwusste. «Ich habe repariert, korrigiert und ausgeweitet», sagt er. Jeder Schuh sei anders, aber seine Erfahrung habe ihm häufig geholfen. Die Leute hätten ihm Lederschuhe genauso anvertraut wie Wanderstiefel und sogar Pumps mit hohen Absätzen. «Ab und zu musste ich Schuhe verkürzen, wenn jemand zwei unterschiedlich lange Beine hatte.» Nicht zuletzt brachte er zahlreiche Militärschuhe wieder in Form.

Nur noch wenige Betriebe

Der schweigsame Strub arbeitete stets sehr gewissenhaft und mit viel Akribie. Hört man sich in Laufen ein bisschen um, heisst es immer wieder, dass der Schuhmacher sehr zuvorkommend zu seinen Kunden gewesen sei. «Bei mir gingen alle ein und aus: Doktoren, Politiker, Informatiker, Schreiner und Serviertöchter.» Sie kamen grösstenteils aus den Gemeinden des Laufentals und des angrenzenden Thiersteins ins Geschäft am Vorstadtplatz. Selbst aus dem Bernbiet habe ein Kunde den Weg ins Städtchen angetreten.

Alban Strub betont, dass seine Kundschaft mit den Jahren nicht bedeutend abgenommen habe. «Das liegt wohl vor allem daran, dass ich viele treue Stammkunden gehabt habe.» Am meisten Leute seien jeweils an den Markttagen anfangs Monat zu ihm gekommen. Der Beruf des Schuhmachers habe aber, wie andere Handwerksberufe, stark an Bedeutung verloren, musste er feststellen. Im Raum Basel gibt es nur noch sehr wenige Personen, die diese Tätigkeit ausüben. So sind etwa in den vergangenen Jahren ältere Betriebe in Röschenz und in Nunningen verschwunden. Die Menschen würden heute oftmals neue Schuhe kaufen, anstatt die alten reparieren zu lassen, bedauert er. Um an neue Kundinnen und Kunden zu gelangen, spezialisierten sich in letzter Zeit viele Schuhmacher auf die Orthopädie.

Pflegt nun seine Rosen

Solcherlei kann Strub seinen jüngeren Berufsgenossen überlassen. «Ich habe jetzt genügend Zeit für die Rosen im Garten neben meinem Haus in Breitenbach», freut er sich. Für sein Geschäft in Laufen konnte man einen Schuhmacher aus Basel finden, der die Werkstatt ab Mai übernimmt. Sein Vorgänger lässt es sich bestimmt nicht nehmen, dem neuen Inhaber einmal über die Schulter zu schauen.