Jungunternehmer-Preis
Er kämpft gegen jedes Gramm am Mountainbike

Vier Start-Ups kämpfen um den Jungunternehmerpreis Nordwestschweiz. Unter ihnen ist Christian Leuenberger. Er entwickelt Bike-Teile, die im Mountainbike-Weltcup von drei Teams eingesetzt werden.

Philipp Felber
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Christian Leuenberger mit einer von ihm entwickelten Sattelstange.

Christian Leuenberger mit einer von ihm entwickelten Sattelstange.

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Christian Leuenberger richtet eine Fahrradfelge aus. Er mag es genau. Nebenan liegen Flaschenhalter, Sattelstangen und Lenker. Leuenberger und sein Geschäftspartner Florian Hiort produzieren unter dem Label Ceetec in Handarbeit Velokomponenten aus Faserverbundstoff, landläufig als Carbon bezeichnet. Ausserdem setzen sie Leichtmetalle ein. Seit 2014 sind sie eigenständig.

«Siehst du, da ist nicht ein Kratzer dran. Ich verkaufe den Leuten nichts, was fehlerhaft aussieht. Das ist mir wichtig», betont Leuenberger. Er ist leidenschaftlicher Biker, und unter Bikern duzt man sich. Man sieht Leuenberger den Mountainbiker sofort an. Im Gesicht und an den Händen zeichnen sich weisse Stellen ab; dort, wo das Helmband, beziehungsweise die Handschuhe die Sonne nicht ran lassen.

Leuenberger fährt mit dem Finger über einen anderen Lenker. «Siehst du, da zum Beispiel ist ein kleiner Kratzer. Da ist nichts kaputt, das ist bloss der Lack. Aber das verkaufe ich niemandem», sagt Leuenberger. Der Kratzer ist kaum zu spüren, geschweige denn zu sehen.
Es ist diese Genauigkeit, die ihn soweit gebracht hat. Aber ihm wohl manchmal auch im Weg steht.

Seine Komponenten sind hightech, werden im Mountainbike-Weltcup von drei Teams eingesetzt. Leuenberger will drei Dinge mit seinen Sattelstützen, Flaschenhaltern, Felgen, Lenkern und all den anderen Produkten erreichen: Sie sollen Design, Performance und Leichtbau miteinander verbinden. Das schlägt sich im Preis nieder. Ein Laufrad kostet 2688 Franken, ein Lenker 275 Franken. Dass das viel Geld ist, ist auch Leuenberger bewusst. Kostendeckend sei der Preis für ihn aber nur über die Menge.

Das Problem: Seine Produkte verkauft er während der Mountainbike-Saison. Komplett neue Teile kann er aber aus zeitlichen Gründen nicht entwickeln. Das muss er im Winter machen, verdient aber dann weniger Geld. Doch das Kapital ist nötig, damit er an noch mehr Produkten tüfteln kann. Denn Leuenberger will immer neue Komponenten entwickeln. «Wenn ich noch zehn Jahre Lenker produziere, wird mir langweilig», sagt er. Vorwärts müsse es gehen.

Nordwestschweiz

Das sind die nominierten Jungunternehmer

Seit 2008 vergeben die Junior Chamber International Basel und der Gewerbeverband Basel-Stadt alle zwei Jahre den Jungunternehmerpreis Nordwestschweiz. Für die diesjährige Ausgabe sind vier Unternehmen nominiert. Leuenbergers Ceetec bekommt Konkurrenz aus verschiedenen Branchen.

So etwa von der Stadtpilze GmbH. Inhaber David Jucker produziert in der Nähe des Kannenfeldplatzes. Als Nährboden verwendet er Kaffeesatz.

Mit einem Basler Klassiker beschäftigt sich Jakob’s Basler Leckerly. Andreas Kuster hat sich vor rund eineinhalb Jahren dem Backen verschrieben. Die Jakob’s Basler Leckerly werden bereits seit 1753 in der Stadt hergestellt.

In einem ganz anderen Gebiet ist die Firma Docdok.health AG zu Hause. Sie entwickelt eine digitalte Plattform, die Ärzte, Patienten aber auch Forscher enger zusammenrücken soll. Ulrich Mühlner und Yves Nordmann haben die Firma gegründet. Das grosse Potenzial des Unternehmens wurde bereits erkannt: So sind T-Systems und IBM eine Partnerschaft mit der Basler Firma eingegangen.

Gramm für Gramm wegraspeln

Einen ersten Schritt hat er nun mit einem Wechsel in eine neue Werkstatt in Frenkendorf gemacht. Vorher haben die beiden die Velo-Komponenten an verschiedenen Orten hergestellt, teilweise auch bei sich zu Hause. «Hier kann man endlich Kunden empfangen», sagt Leuenberger.

Ein Teil der Werkstatt wird als Showroom genutzt. Dort steht ein Velo, ausgestattet mit Ceetec-Komponenten. Verglichen mit einem Aluvelo ist es federleicht. Der Lenker ist 116 Gramm schwer. «Kaum mehr als eine Tafel Schokolade.»

Leuenberger ist Leichtbau-Konstrukteur, ursprünglich gelernt hat er Elektromonteur und Elektrozeichner. Die Leichtbau-Ausbildung hat er sich nebenberuflich angeeignet. Um 2000 habe er angefangen, sein Mountainbike leichter zu machen. «Zuerst habe ich gebastelt.» Das heisst: Löcher in Teile bohren, mit der Feile Gramm um Gramm wegraspeln. Das einfachste Vorgehen, um Gewicht zu sparen. Bis es auf diese Art und Weise nicht mehr ging.

Also fing er an, sich weiterzubilden. Setzte sich mit Gleichgesinnten in Verbindung, besuchte andere in ihren Werkstätten. «Lernen kann man es aber nicht bis ins Detail. Dazu sind wir in der Branche zu verschwiegen», sagt Leuenberger. Also musste er weiterbasteln. Bis er ein Verfahren entwickelte, mit dem er die Fahrrad-Teile so produzieren konnte, wie er sie sich vorstellte.

Seine Bike-Teile scheinen zu überzeugen. Bei einer Prüfung der Lenkerserie sei zum Beispiel die Prüfvorrichtung kaputt gegangen. Die Lenker aber überlebten allesamt. «Es ist wichtig, dass sich die Kunden auf das Material verlassen können», sagt er. Das ist in dem Segment, in dem er mehrheitlich tätig ist, wichtig. Denn die Leichtbauteile wurden etwa auch an den Olympischen Spielen eingesetzt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Mountainbike-Fahrer, denn auf die Velos der Profis wirken ganz andere Kräfte.