Neu im Amt
Er träumt von einer Oberbaselbieter Grossgemeinde

Ein unermüdlicher Kämpfer für die Demokratie. So bezeichnet sich der neue Gemeindepräsident Marco Geu. Der 26-Jährige ist seit 2007 als Gemeinderat in Rickenbach tätig. Der jüngste Gemeindepräsident des Kantons macht sich für den Zusammenschluss von 31 Gemeinden stark.

Tanja Bangerter
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Er weiss bereits, wie der Hase läuft: Der neue Rickenbacher Gemeindepräsident Marco Geu (26).

Er weiss bereits, wie der Hase läuft: Der neue Rickenbacher Gemeindepräsident Marco Geu (26).

Marco Geu ist frisch gewählter Gemeindepräsident. Der junge Baselbieter spricht im Sitzungszimmer der Gemeindeverwaltung zuversichtlich über die kommenden vier Amtsjahre.

Für Visionen sei auf Gemeindeebene wenig Platz, sagt Geu. «Es geht vielmehr darum, für konkrete Probleme Lösungen zu finden.» Er bringt in jedem Fall schon eine fünfjährige Erfahrung in der Exekutive mit. «Der Posten als Gemeindepräsident ist also kein Kaltstart für mich», sagt der Geschichtsstudent.

Zwischenschritt: Regionalisierung

Das neue Amt sei für ihn in erster Linie ein Departementswechsel, sagt er unaufgeregt. Seine braunen Augen blicken gelassen. «Vieles ist bereits Routine. Ich weiss, wie der Hase läuft», sagt er und schmunzelt. Er werde nun mehr koordinativ Aufgaben übernehmen. Und versuchen, das Gremium harmonisch zu führen. Die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen habe bisher gut funktioniert und ausserdem sei er nicht alleine das Zugpferd. Harmonie und fruchtbare Zusammenarbeit scheinen für ihn wichtig zu sein. So liegt ihm das Einarbeiten der neuen Gemeinderäte am Herzen.

Der Zusammenschluss von 31 Gemeinden zu einer fusionierten Grossgemeinde ist Geu seit Beginn seiner politischen Karriere wichtig. «Dafür setze ich mich nach wie vor ein», so Geu. Dabei stosse er aber auf Gegenwind. Die Offenheit zu diesem Thema fehle ihm. Ausserdem spielten Emotionen eine grosse Rolle. «Die Gemeindefusion scheint ein Schreckgespenst. Manche haben das Gefühl, dass ihr Einfluss dadurch schwinden würde.» Der Einfluss der Gemeinden werde ohnehin überschätzt.

Ein wichtiger Schritt sei bereits mit der Regionalisierung der Vormundschaftsbehörde getan. Dies sei auch eine persönliche Entlastung. Ausserdem zweifelt er an der Qualifikation seiner Behörde: «Wir wären als Behörde nicht qualifiziert genug, um mit den Vormundschaftsfällen umzugehen.»

«Mehr Solidarität in der Schweiz»

Menschlich mit Menschen umzugehen, ist Geu wichtig. Er unterstreicht seine Worte mit ausholenden Gesten. «Es ist wichtig, offen zu sein, Haltung zu zeigen. Und bereit sein, seine Meinung zu sagen.» Und wenn die anderen gegen einen stimmen, dann falle ihm kein Zacken aus der Krone, sagt Geu und lächelt. «Wir sind keine abgehobenen Bürokraten, sondern Menschen mit offenen Ohren.» Wohin es ihn nach der Amtsperiode als Gemeindepräsident verschlägt, weiss Geu noch nicht. Er sei dann mit seinem Studium in Zürich fertig und offen für alles. Er habe es nie bereut, Politiker zu sein.

Er sei in der Schweiz mit vielem einverstanden – mit vielem aber auch nicht. «Mehr Solidarität würde der Schweiz nicht schaden. Wir gönnen unseren eigenen Wohlstand anderen oft nicht», sagt er nachdenklich. Geu blickt vor der Gemeindeverwaltung auf die grünen Weiden der Bauernhöfe in Rickenbach. «Es ist schon fast ein wenig zu idyllisch hier», sagt er und lächelt. Dem politisch engagierten Rickenbacher stehen auch ausserhalb seiner Gemeinde alle Türen offen.