Sozialdiakonie
Eric Nussbaumers biblischer Kampf gegen Spekulanten

Der SP-Nationalrat Eric Nussbaumer hat eine Immobiliengenossenschaft gegründet. Hintergrund ist seine christliche Gesinnung. Die Genossenschaft beruht auf den Werten der Sozialdiakonie.

Dimitri Hofer
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Eric Nussbaumer, Baselbieter SP-Nationalrat: «Die Wohnungen richten sich an Menschen mit geringem Einkommen.»

Eric Nussbaumer, Baselbieter SP-Nationalrat: «Die Wohnungen richten sich an Menschen mit geringem Einkommen.»

Kenneth Nars

Wenn ein linker Politiker eine Immobiliengenossenschaft ins Leben ruft, ist das nicht unbedingt eine Schlagzeile wert. Anders sieht es aus, wenn er die Entstehung der Genossenschaft mit christlichen Werten begründet. Beim Baselbieter SP-Nationalrat Eric Nussbaumer ist dies der Fall.

Im Handelsregister findet man seit einigen Tagen einen Eintrag zur neugegründeten Immo-Genossenschaft Convivere. Über deren Zweck heisst es dort: «Die Genossenschaft bezweckt in gemeinsamer Selbsthilfe ihrer Mitglieder und auf der Wertebasis der Sozialdiakonie preiswerte Wohn- und Geschäftsräume zu erwerben, zu vermieten und diese dauernd der Spekulation zu entziehen.» Die Tätigkeit der Genossenschaft sei gemeinnützig und nicht gewinnorientiert.

Als Präsident der Genossenschaft amtet Eric Nussbaumer, der für das Baselbiet seit 2007 im Nationalrat sitzt. Zudem sind sein Parteikollege und SP-Landrat Urs Kaufmann sowie der Bubendörfer Lukas Preis als eingetragene Personen aufgeführt. Die drei investieren eigenes Kapital in die Genossenschaft.

Die Gründer stammen aus dem Umfeld der evangelisch-methodistischen Kirche Liestal-Frenkendorf. «Der Gedanke der Sozialdiakonie brachte uns dazu, die Genossenschaft zu gründen», sagt Eric Nussbaumer. Vor allem in evangelisch-reformierten Kirchen erlebt diakonisches Handeln derzeit eine Renaissance. Betätigungsfelder von Sozialdiakoninnen und Sozialdiakonen sind Sozialarbeit, Gemeindeaufbau, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung.

Kauften Methodisten ein Zweifamilienhaus ab

«Der christliche Glaube ist häufig zu wenig konkret. Das möchten wir auch mit unserer Genossenschaft ändern», erklärt Nussbaumer. Als die evangelisch-methodistische Kirche Liestal-Frenkendorf vor der Entscheidung stand, ein Zweifamilienhaus in Frenkendorf, das sie einst als Legat erhalten hatte, zu verkaufen, schritt der Sozialdemokrat ein. «Es darf nicht sein, dass die Liegenschaft zu einem Renditeobjekt wird. Wir gründeten die Immo-Genossenschaft Convivere, um der Methodistenkirche der Schweiz das Zweifamilienhaus abzukaufen.» Momentan werde der Kaufvertrag vorbereitet. «Es ist geplant, dass die Genossenschaft auch andere Gebäude erwirbt und unter dem Ziel der diakonischen Zwecksetzung vermietet.»

Die Mieter müssten keine Christen sein

Wer dereinst im Zweifamilienhaus leben wird, ist noch nicht klar. «Wir suchen den Kontakt zu sozialen Institutionen», sagt Eric Nussbaumer. «Die Wohnungen richten sich an Menschen mit geringem Einkommen, die nicht in der Lage sind, marktübliche Preise zu bezahlen», fasst er zusammen. Eine christliche Gesinnung sei nicht Voraussetzung, um in die Liegenschaft in Frenkendorf einziehen zu können.

Es ist gut möglich, dass die Nachfrage nach den Wohnungen hoch sein wird. «Grundsätzlich ist das Bedürfnis nach Genossenschaftswohnungen gross. Es übersteigt das Angebot an Wohnungen bei Weitem», sagt Monika Willin, Geschäftsleiterin der Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz. Dem Regionalverband sind rund 200 Genossenschaften mit rund 15'000 Wohnungen angeschlossen. Während es sich in Basel-Stadt bei rund 10 Prozent aller Wohnungen um Genossenschaftswohnungen handelt, liegt der Anteil im Baselbiet bei rund zwei Prozent.

Das Projekt von Eric Nussbaumer sei speziell, findet Monika Willin: «Hinter Neugründungen von Genossenschaften stehen oftmals private Gruppierungen mit Architekten an Bord.» Nur selten werde aus sozialen oder christlichen Gründen gehandelt.