sterbehilfe
Erika Preisig bleibt mit ihrer Freitodbegleitung in Liestaler Gewerbegebiet

Der Mietvertrag für das Sterbezimmer an der Oristalstrasse in Liestal wurde bis ins Jahr 2025 verlängert. Dabei ist noch nicht so lange her, da fasste die bekannte Sterbehelferin den Entschluss, den Baselbieter Kantonshauptort zu verlassen. Nach einem gescheiterten Umzug kam es zum Kurswechsel.

Dimitri Hofer
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Sterbehelferin Erika Preisig hofft, dass sie die Räumlichkeiten in Liestal bald nicht mehr brauchen wird.

Sterbehelferin Erika Preisig hofft, dass sie die Räumlichkeiten in Liestal bald nicht mehr brauchen wird.

Nicole Nars-Zimmer

Erika Preisig wollte weg aus Liestal: Mit ihrer Stiftung Eternal Spirit hatte sie in einem Gewerbegebiet an der Oristalstrasse ein Sterbezimmer eingerichtet. Rund 80 Menschen, vier Fünftel davon Ausländer, in deren Heimatländern die Sterbehilfe nicht erlaubt ist, begleitete sie dort jährlich in den Tod. Im Herbst des Jahres 2019 zog ihr Bruder ohne ihr Wissen mit seiner eigenen Freitodorganisation Pegasos Swiss Association ins Erdgeschoss derselben Liegenschaft.

Die Biel-Benkemerin zeigte sich in der Öffentlichkeit enttäuscht über den Alleingang ihres Bruders, befürchtete Verwechslungsgefahr der beiden Organisationen und machte in einer Mitteilung klar: Wir möchten Liestal verlassen und suchen einen neuen Standort. In Flüh im Solothurnischen Leimental hatte man einen solchen in Aussicht. Eine alte Villa hätte Preisig mit ihrer Stiftung zu einem Bed & Breakfast mit Sterbezimmer umfunktionieren wollen. Die Pläne stiessen bei einigen Einwohnern auf Widerstand, die sich mit Einsprachen wehrten. Letztlich verkaufte der Besitzer das Haus an eine andere Partei.

Verhältnis zu ihrem Bruder ist immer noch angespannt

Das Sterbezimmer verblieb in Liestal. Wie sich nun zeigt, wird es dort auch in den kommenden Jahren angesiedelt sein. «Wir haben den Mietvertrag bis zum März 2025 verlängert», sagt Erika Preisig. Das Verhältnis zu ihrem Bruder sei zwar immer noch schwierig, «aber wir kommen aneinander vorbei. Wir haben keinen Kontakt zueinander. Das ist gut so». Es scheint, als hätten sich die beiden mit der ungewöhnlichen Situation arrangiert. Preisigs Bruder Ruedi Habegger war einst jahrelang für die Stiftung seiner Schwester tätig gewesen, bevor die Beziehung in die Brüche ging.

Ein Umzug an einen anderen Ort steht in nächster Zeit nicht zur Diskussion. «Den Traum eines eigenen Hauses mit Sterbezimmer, wie wir es in Flüh geplant hatten, existiert immer noch», betont Preisig. Für lange Auseinandersetzungen wie zuletzt habe sie jedoch derzeit keine Kraft. «Wir haben keinen Druck.» Zudem sei sie auch mit anderen Projekten beschäftigt: Seit kurzem gehört sie der reformierten Kirchenpflege ihrer Wohngemeinde Biel-Benken an. Auch sitzt sie im Vorstand einer Genossenschaft, die in Biel-Benken eine Alterssiedlung errichtet hat.

Gleichzeitig wird sich Erika Preisig mit 63 Jahren pensionieren lassen und auf Ende Februar ihren Teil der Hausarztpraxis in Biel-Benken, welche sie gemeinsam mit einer Kollegin führt, an eine Nachfolgerin abgeben.

Sterbehilfe bald in vielen europäischen Ländern?

Bei den Räumlichkeiten in Liestal hofft die Sterbehelferin, dass diese schon bald nicht mehr nötig sein werden.

Ich gehe davon aus, dass in den kommenden Jahren viele europäische Länder die Sterbehilfe einführen werden»,

sagt Preisig. Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat vor einem Jahr einen Bundestagsbeschluss von 2015, der es Ärzten verboten hatte, Suizidbeihilfe zu leisten, für verfassungswidrig erklärt. In Deutschland wird derzeit ein dementsprechendes Gesetz ausgearbeitet. Sie erwarte, dass viele Staaten dem Beispiel unseres nördlichen Nachbarlandes folgen werden. Derzeit ist Sterbehilfe in Europa nur in Deutschland, Belgien, Luxemburg, der Niederlande und der Schweiz erlaubt.