Muttenz
Erneut haben Vandalen Bäume geköpft: «Es ist schon frustrierend»

Dieses Mal hatten es die Vandalen auch auf junge Traubeneichen abgesehen. Sie gelten als Bäume der Zukunft für die hiesigen Wälder – die Art erträgt Hitze und Dürre.

Benjamin Wieland
Merken
Drucken
Teilen
Abgesägte Traubeneichen in Muttenz
7 Bilder
Die Bäume waren, zusammen mit Traubeneichen, erst vor wenigen Jahren gesetzt worden.
In Riehen wurden erst vor kurzem 18 Jungbäume angesägt.
Das Todesurteil für die Ginkgos.
Bereits vergangenen Dezember wurden an der Lörracherstrasse 14 Jungbäume angesägt.
...
Der Schaden belief sich auf rund 60'000 Franken.

Abgesägte Traubeneichen in Muttenz

zvg

In Muttenz gehen Baumabhacker um. An mindestens zwei Stellen wurden rund ein Dutzend junge Traubeneichen und Rotbuchen abgesägt. Die Bürgergemeinde Muttenz hatte die Bäume erst vor wenigen Jahren gesetzt. Die Stümpfe entdeckten Mitglieder am letzten Frontag. Die geköpften Jungbäume befinden sich in den Gebieten Zinggibrunn und Sulzchopf.

Erst Mitte Oktober haben Vandalen in Riehen 18 Ginkgo-biloba-Bäume angesägt und teilweise umgeknickt. Die Basler Stadtgärtnerei musste alle entfernen. Alt wurden die Ginkgos nicht: Sie dienten als Ersatz für 14 Artgenossen, die im Dezember zuvor zerstört worden waren, an derselben Stelle, zwischen Parkfeldern entlang der Lörracherstrasse.

«Es ist ärgerlich», sagt der Muttenzer Revierförster Markus Eichenberger über die Vorfälle in seinem Forst. Derartige «Fällungen» kämen zwar immer wieder vor, in dieser Dimension sei das Phänomen jedoch neu. Der finanzielle Verlust hält sich laut Hans-Ulrich Studer, Präsident der Bürgergemeinde Muttenz, im Rahmen. «Aber es ist schon frustrierend. Mit dem Setzen und Pflegen der Jungbäume war einiges an Arbeit verbunden.»

Eichenberger geht davon aus, dass die unbekannte Täterschaft die Bäume aus reiner Zerstörungswut umgelegt hat. «Wäre es um das Holz gegangen, hätten sie die Bäume weiter unten abgesägt, und zum Bräteln eignen sich die Stämme ebenfalls kaum.» Die Traubeneichen und Rotbuchen waren vor vier bis fünf Jahren gesetzt worden und rund zwei Meter hoch. Die Schnittstellen liegen auf einem halben bis einem Meter Höhe.

Die Traubeneiche gilt als Baum der Zukunft, da sie Hitze und Trockenheit relativ gut erträgt. Mittelfristig soll die Art in unseren Wäldern die Buche ablösen.

Appell an die Waldnutzer

Anzeige erstattet hat die Bürgergemeinde nicht. Hans-Ulrich Studer: «Wir haben das in anderen Fällen auch schon gemacht. Aber es bringt nichts.» Viel wichtiger sei es, die Waldgänger auf das Problem aufmerksam zu machen. Eichenberger pflichtet Studer bei: «Die Stellen liegen teilweise entlang von Wegen. Wenn dort jemand mit einem Fuchsschwanz oder etwas ähnlichem Bäumchen ansägt, sollte das Spaziergängern oder Joggern auffallen.»

Ueli Meier, Vorsteher des Amts für Wald beider Basel, sagt auf Anfrage: «Wir erhalten immer wieder Meldungen, dass Bäume abgesägt oder ausgerissen werden. Im grösseren Stil wie jetzt in Muttenz oder im Oktober und Dezember in Riehen kommt es aber glücklicherweise kaum vor.»

Stümpfe treiben neu aus

Gerade in der Adventszeit gebe es vereinzelt Klagen über ausgegrabene oder abgesägte Nadelbäumchen. «Doch die natürlichen Bäume entsprechen nicht den Ansprüchen der Konsumenten an einen Weihnachtsbaum. Gefragt sind runde, gedrungene Gewächse mit einem dichten Astwerk und vielen Nadeln.» Die Zuchtbäume wiederum seien meist eingehagt. «Da ist die Hemmschwelle», vermutet Meier, «sich einfach rasch einen Baum zu holen, sicherlich grösser.»

Im Gegensatz zu den Riehener Bäumen werden die gekappten Muttenzer Eichen und Buchen stehen gelassen. «Die Wurzeln sind nicht beschädigt, die Bäume werden wohl neu austreiben», sagt Bürgerrats-Präsident Studer. Besonders schön sähen die Bäume dann zwar nicht mehr aus, aber darum gehe es bei den Pflanzungen ja nicht.

Anmerkung: In einer früheren Version war in der Bildlegende von abgesägten Traubeneichen die Rede. Bei den gezeigten abgeschnittenen Bäumen handelt es sich jedoch um Rotbuchen.