Bottmingen
Ernst Bringold: «Ich will nicht nur gewählt werden, weil ich lieb und nett bin»

Wie fast im ganzen Unterbaselbiet wäre es in Bottmingen zu stillen Wahlen zugunsten von Mélanie Krapp gekommen. Der parteilose Ernst Bringold will der Kandidatin das Amt des Gemeindepräsidiums nun aber streitig machen.

Michel Ecklin
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Der parteilose Ernst Bringold. (Archiv)

Der parteilose Ernst Bringold. (Archiv)

zvg

Mélanie Krapp hat vieles, was sie zur Bottminger Gemeindepräsidentin prädestiniert. Die Freisinnige ist in Bottmingen aufgewachsen und hat fast ihr ganzes Leben hier verbracht. Sie ist Bottminger Bürgerin, wie sie selber festhält, und sie sei «hier verwurzelt und zu Hause. Bottmingen liegt mir ganz persönlich am Herzen». Seit über 22 Jahren übt sie hier politische Ämter aus. Zu ihrer Motivation, Gemeindepräsidentin zu werden, sagt sie «Mir macht es Freude, mich für die Gemeinde einzusetzen, zu koordinieren, Teams zu leiten und Themen vorwärts zu bringen».

Mit dieser Selbsteinschätzung kann sie nicht ganz falsch liegen. Im Februar wurde sie nämlich mit dem Spitzenresultat zum zweiten Mal in den Gemeinderat gewählt, wo sie unter anderem den Finanzen vorsteht. Und hinter ihrer Kandidatur steht ein breites Unterstützungskomitee.

Neben der FDP empfehlen sie die CVP und die SP zur Wahl, zudem die beiden Ortsparteien, nämlich die Demokratische Partei und die Überparteilichen Wähler (ÜWB). Die SP hätte Anspruch auf das Präsidium erheben können, stellt sie doch jetzt neu drei von sieben Gemeinderäten. Aber keiner davon habe «Zeit und Lust», die Führung zu übernehmen, sagt Parteipräsidentin Marie Anne Moser. Für sie ist klar: «Es ist unser Wunsch, dass Frau Krapp das Präsidium übernimmt.»

Er schreibt kreative Leserbriefe

Unter solchen Umständen deutete alles auf eine stille Wahl hin. Das wäre für Bottmingen nichts Neues, im Gegenteil. In den vergangenen 16 Jahren musste die jetzt abtretende Gemeindepräsidentin Anne Merkofer (ÜWB) nie das Verdikt des Volks abwarten, sie wurde nach jeder Gemeinderatswahl stillschweigend als Präsidentin bestätigt. Das ist dieses Jahr auch im übrigen unteren Baselbiet der Normalfall. In allen grossen Gemeinden finden stille Wahlen statt, nur in Ettingen und Schönenbuch wird am 5. Juni noch gewählt – und in Bottmingen. Denn Krapp hat einen Herausforderer: Ernst Bringold.

Der sitzt seit 2008 als Parteiloser im Gemeinderat und findet: «Es muss einfach eine Wahl geben.» Mit dem ihm eigenen Humor fügt er an: «16 Jahre Matriarchat sind genug.» Ernsthafter soll das Wahlprogramm sein, das er nächste Woche präsentieren will. So viel verrät er schon: Er sieht sich selber als Bürgerlichen. Krapp hingegen repräsentiert für ihn den «Linksfreisinn» Bottmingens, «und der geht leider nicht immer so sorgfältig mit dem Steuergeld um».

Krapp hält entgegen, sie sei lange im Parteirat der Kantonalpartei gesessen. «Der haushälterische Umgang mit Steuergeldern ist der FDP ein zentrales Anliegen.» Sie sei massgeblich mitverantwortlich für die breit abgestützte Bottminger Finanzstrategie 2015–2025. Auf die Frage, was sie von Bringold unterscheide, hebt sie ihre Ausbildung und ihre Fähigkeit zur Teamarbeit hervor, ihr vernetztes Denken und ihren klaren Kommunikationsstil. Sie lege grossen Wert darauf, «die Sichtweise der Bevölkerung abzuholen».

Demgegenüber sagt Bringold: «Ich will nicht nur gewählt werden, weil ich lieb und nett bin.» Er sage eben, was er denke, und stosse damit nicht immer auf Wohlwollen. Tatsächlich schreibt er oft als Privatperson Leserbriefe mit kreativen Ideen. So forderte er zum Beispiel Tempo 30 auf allen Binninger Hauptstrassen.

Seine Originalität kommt an, im Februar wurde er fast so glänzend wie Krapp wiedergewählt. Als Parteiloser ist er sich bewusst, dass er gegen die geballte Politikelite Bottmingens einen schweren Stand hat. Trotzdem hält er seine Wahlchancen für «intakt», denn als «Ur-Bottmiger» würden ihn viele persönlich kennen. Und nochmals lässt er Humor durchblicken, wenn er hinzufügt: «Vielleicht wählen mich einige gerade deswegen nicht.»