Unverschuldet in Not
Von Armut Betroffene: Liestaler Stiftung sucht Abnehmer für ihr Geld

Die Ernst und Klara Saladin-Mohler-Stiftung spricht Geld für unverschuldet in Not geratene Liestalerinnen und Liestaler. Doch nicht alle Einwohnenden wissen von der Stiftung.

Kelly Spielmann
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Einwohnerinnen und Einwohner Liestals, die in Not geraten sind, können bei der Stiftung Hilfe beantragen.

Einwohnerinnen und Einwohner Liestals, die in Not geraten sind, können bei der Stiftung Hilfe beantragen.

Benjamin Wieland

Es ist ein ungewöhnliches Inserat, das kürzlich in mehreren regionalen Medien erschienen ist: Statt etwas verkaufen, haben die Inserenten Geld abzugeben. Genauer gesagt Stiftungsgelder, die an in Not geratene Liestalerinnen und Liestaler ausgeschüttet werden sollen.

Inseriert hat die Ernst und Klara Saladin-Mohler-Stiftung. Zweimal jährlich werden die Zuwendungen gesprochen, einmal im Juni und einmal im Dezember. Für die Dezemberbeträge haben Betroffene noch bis zum 25. November Zeit, ein Gesuch einzureichen. Trotz der Pandemie sind bisher nur wenige Gesuche eingegangen, wie Regula Nebiker, Stadträtin und Präsidentin der Stiftung, erzählt. Übernommen hat sie das Präsidium vom ehemaligen Stadtpräsidenten Jürg Wüthrich, mit ihrem Rücktritt im kommenden Frühjahr wird sie es abgeben.

«Wir haben eigentlich gedacht, wegen Corona würde es mehr Gesuche geben», sagt sie, «das war bisher aber überhaupt nicht der Fall.» Das sei aber auch positiv:

«Es zeigt, dass die unterstützenden Massnahmen geholfen haben.»

Zahnarztrechnungen sind oft ein Problem

Für Menschen, die wegen Corona von einer Notsituation betroffen sind, muss die Stiftung deshalb kaum eingreifen. Sie konzentriert sich auf andere Fälle: Wie auf der Website geschrieben ist, bezweckt die Stiftung «unverschuldet in Not geratene Personen einmalig, unkompliziert und unbürokratisch zu unterstützen». Die Zuwendungen werden mit dem Ertrag des Stiftungsvermögens finanziert. Im Jahr 2020 wurden insgesamt 85'213.55 Franken gesprochen, verteilt auf 23 Gesuchstellende.

Die Empfängerinnen und Empfänger müssen ihren Wohnsitz zum Zeitpunkt der möglichen Auszahlung in Liestal haben und dürfen nur sich nur einmalig um einen Beitrag bewerben. Doch in welcher Situation ist man konkret berechtigt, eine Zuwendung zu erhalten?

«Das können ganz unterschiedliche Situationen sein», sagt Nebiker. Man versuche beispielsweise, dort zu unterstützen, wo die Sozialhilfe dies nicht könne, oder zu vermeiden, dass jemand in die Sozialhilfe abrutschen müsse. Oft seien es auch Familien, die mit so wenig Geld auskommen müssen, dass sie ihren Kindern nur wenig bieten können, wie Nebiker erklärt. «Sei das Musikunterricht oder eine Ausbildung.» Ein Dauerthema seien auch Zahnarztrechnungen – diese zahle die Stiftung dann direkt, wenn ein Gesuch genehmigt wird.

Die Schuldfrage kann kaum geklärt werden

Dafür müssen die Gesuchstellenden unverschuldet in Not geraten sein – so wollte es Ernst Saladin-Mohler. Dank der letztwilligen Verfügung, die der Liestaler 1983 verfasst hat, gibt es die Stiftung. «Das mit der Schuld ist sehr schwierig nachzuweisen», meint Nebiker. «Besonders, weil wir sehr dünn aufgestellt sind. Ein Sekretariat oder Personal für die Verwaltung haben wir nicht.» Wie sehr die Notsituation also selbst verschuldet ist oder nicht, wird bei den Gesuchen nicht genau kontrolliert.

Was dem Stiftungsrat aber wichtig ist:

«Man muss ausweisen, dass wirklich keine Mittel vorhanden sind.»

Sei dies durch einen Steuerauszug, eine Bestätigung der Sozialen Dienste oder auf andere Art.

Dass für die Ausschüttung der vorhandenen Gelder in diesem Halbjahr erst wenige Anfragen eingegangen sind, dürfte unter anderem auch daran liegen, dass die Stiftung nicht allen Einwohnenden der Stadt bekannt ist. «Wir inserieren jedes Mal, bevor die Frist abläuft», sagt Nebiker. Auch hoffe man, dass die neue Website zu mehr Gesuchen führt. Denn:

«Es macht keinen Sinn, dass Geld da ist, es aber nicht abgeholt wird.»

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