Ziegelhof
Erste Wohnungen mit Autoverbot: Liestaler Quartierplan mit pionierhaftem Ansatz

Der überarbeitete Ziegelhof-Quartierplan in Liestal kann mit Pionierhaftem aufwarten. Doch der Werdegang war zäh.

Andreas Hirsbrunner
Drucken
Teilen
Das Ziegelhofareal (unten rechts) bleibt baulich weitgehend erhalten und spielt auch ohne Coop eine wichtige Rolle in der stadträtlichen Strategie.

Das Ziegelhofareal (unten rechts) bleibt baulich weitgehend erhalten und spielt auch ohne Coop eine wichtige Rolle in der stadträtlichen Strategie.

Benjamin Wieland

Pioniere haben es in der Regel nicht einfach. Das gilt auch für die in Ittigen bei Bern beheimatete Pensionskasse Coopera. Diese hat in Liestal vor fünf Jahren das 6200 Quadratmeter grosse Areal der ehemaligen Bierbrauerei Ziegelhof gekauft. Der damals gültige und an der Urne mit grossem Mehr abgesegnete Quartierplan war Makulatur geworden, nachdem Ankermieter Coop, der hier ein grosses Einkaufscenter betreiben wollte, abgesprungen war.

Also erarbeitete Coopera zusammen mit der Basler Firma Denkstatt, die auch für die Zwischennutzung verantwortlich zeichnet, einen neuen Quartierplan mit fürs Baselbiet pionierhaftem Ansatz: Nebst Gewerbe und Kultur soll es hier Platz für autofreies Wohnen haben. Die Parkierfrage habe im Vorprüfungsverfahren zu grösseren Diskussionen geführt und sei der Hauptgrund, dass der Quartierplan erst jetzt zur öffentlichen Mitwirkung aufliege, sagt Jürg Hari, bei Coopera Projektleiter Immobilien. Und er ergänzt: «Autofreies Wohnen ist leider noch nicht überall angekommen. Die Stadt Liestal hätte hier lieber ein grosses Parkhaus gesehen, wie es das Vorgängerprojekt beinhaltete. Wir aber haben im Kanton Bern gute Erfahrungen mit der neuen Wohnform in der Nähe von Bahnhöfen gemacht.»

Geeinigt hat man sich, dass Coopera ein unterirdisches Parkhaus mit 30 Plätzen für das Gewerbe und für Besucher auf dem Areal baut. Die Wohnungsmieter müssen sich hingegen vertraglich verpflichten, auf ein Auto zu verzichten. Das werde grundbuchamtlich auch so festgehalten, sagt Hari.

Powerblock-Strategie bleibt für Liestal massgebend

Auch bezüglich der baulichen Gestaltung des Ziegelhofareals bricht der neue Quartierplan radikal mit dem alten: Statt vier Fünftel der bestehenden Gebäude abzureissen und einen Fünftel zu erhalten, sieht er genau das Umgekehrte vor. Das einzige Gebäude, das abgerissen wird, ist das neue Sudhaus an der Meyer-Wiggli-Strasse; alle andern werden saniert respektive umgebaut. Insgesamt will Coopera dafür etwa 20 Millionen Franken investieren, davon die Hälfte für den Neubau. Derzeit zählt das Areal rund 50 Mieter, die Hälfte sind gewerbliche.

Der Ziegelhof mit dem geplanten Coop-Einkaufcenter war einst in Liestal wichtiger Bestandteil der sogenannten Powerblock-Strategie: Diese sah vor, dass die um die Altstadt gelegenen fünf Kraftblocks Migros, Manor, Ziegelhof und die künftige Lüdin-Überbauung mit ihren Parkhäusern sowie der neue Bahnhof Konsumenten anziehen und sich diese gegenseitig über ein attraktives Fusswegnetz via Stedtli zuspielen, so dass auch die dortigen Läden profitieren. Ist diese Strategie mit dem endgültigen Aus für den alten Ziegelhof-Quartierplan sowie den Rissen, die das Manor-Center mit der ungewissen Zukunft der Food-Abteilung erhalten hat, nun gestorben?

«Nein», sagt der Liestaler Stadtpräsident Daniel Spinnler. «Die Strategie, mit attraktiven Powerblocks gewerblicher oder kultureller Natur und einem durchdachten Wegnetz Leute anzuziehen, hat nach wie vor Gültigkeit.» Deshalb sei zentral, dass das Ziegelhofareal wie im Quartierplan vorgesehen mit einem neuen Lift und Treppe optimal ans Stedtli angebunden werde. Das sei umso wichtiger, weil in unmittelbarer Nähe zum Ziegelhof viele neue Wohnungen entstanden seien. Wenn dazu Verkaufsangebot und Atmosphäre im und ums Stedtli stimmten, gäbe es für die dortigen Bewohner keinen Grund, in ein Einkaufscenter auf der grünen Wiese zu gehen.

Kanton als Ankermieter abgesprungen

Coopera hat auf dem langen Weg hin zu einem neuen Quartierplan fürs Ziegelhofareal einen gewichtigen potenziellen Mieter verloren. Die Abteilung Archäologie und Museum BL der kantonalen Bildungs- und Kulturdirektion, die als Hauptmieterin im geplanten Neubau sowie in einem Teil der Altbauten gehandelt worden ist, hat sich mittlerweile zurückgezogen. Sie wollte ihre in derzeit zwölf über den ganzen Kanton verteilten Depots gelagerten Exponate mit wenigen Ausnahmen hier zentrieren.

«Ich bedaure das sehr, denn der Standort so nahe beim Museum wäre ideal gewesen», sagt Abteilungsleiter und Kantonsarchäologe Reto Marti. Aber die Kosten hätten sich als zu hoch erwiesen, wie Berechnungen der Bau- und Umweltschutzdirektion ergeben hätten. Jetzt will der Kanton einen Neubau auf einem seiner Grundstücke in Liestal erstellen. Im geplanten Verwaltungsneubau hätten die Exponate keinen Platz, sagt Marti. (hi)

Öffentliche Information

Coopera orientiert am 14. Oktober um 19 Uhr auf dem Ziegelhofareal über ihre Pläne.

Aktuelle Nachrichten