Sanierung
«Es ist schon verrückt, was in einem Tunnel alles an Technik steckt»

Am Chienbergtunnel sind seit letzter Woche Unterhaltsarbeiten im Gange. Zwischen acht Uhr abends und fünf Uhr morgens wird geputzt, gesaugt und kontrolliert. Die bz zeigt, was im Tunnel alles passiert, wenn er für den Verkehr gesperrt ist.

Sebastian Schanzer
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Der Chienbergtunnel ohne Verkehr: In regelmässigen Abständen müssen im Tunnel Unterhaltsarbeiten ausgeführt werden ...
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Baselland, Sanierung Chienbergtunnel
... und die Leuchtschilder und Ventilatorensteuerungen werden gereinigt. Die Arbeiten finden jeweils nachts statt.
Vor unseren Augen verborgen: Unter der Fahrbahn befindet sich der Leitungstunnel.
Hier werden die Kräfte des Berges ausgeglichen.
Solcher Unrat sammelt sich im Tunnel an.
Arbeiter machen sich bereit, um die Bergwassersammler zu reinigen.
Die Pumpe für die Entwässerung.
Das hier ist eine Revisionsöffnung für die Abwassersysteme.
Die Fahrbahnmarkierung, die auf Spurwechsel hinweist, wird kontrolliert.

Der Chienbergtunnel ohne Verkehr: In regelmässigen Abständen müssen im Tunnel Unterhaltsarbeiten ausgeführt werden ...

Martin Toengi

Auch ohne Verkehr ist der Chienbergtunnel sicher kein Ort, an dem man gerne die Nacht verbringt. Wo man hinlangt macht man sich schmutzig, und der Luftqualität in einer Autobahnröhre ist ohnehin nicht zu trauen. Eine gewisse Gefahr ist an diesem Ort zu spüren, wo sonst täglich rund 15 000 Autos mit Tempo 80 durchkesseln. «Was für eine Gefahr ?», fragt Thomas Hauenstein vom Tiefbauamt. Im Tunnel sind Lüftungsanlagen und Messgeräte installiert, um die grösstmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

Diese Kontrollgeräte müssen ihrerseits regelmässig kontrolliert und gewartet werden. In den Nächten auf Donnerstag und Freitag ist der Chienbergtunnel, wie bereits letzte Woche, für den Verkehr gesperrt, damit diese notwendigen Unterhaltsarbeiten ungestört durchgeführt werden können.

Wie bei jedem Tunnel

Aufpassen müssen die Arbeiter trotzdem. «Es kam auch schon vor, dass jemand in den Tunnel gefahren ist, obwohl dieser gesperrt war», sagt Daniel Meier, der als Tunnelchef die Unterhaltsarbeiten leitet. Sein Arbeitgeber, die Firma NSNW AG, ist für den Unterhalt des gesamten Autobahnnetzes in der Nordwestschweiz verantwortlich. Deshalb hat Meier bei seinem Nachteinsatz auch ein Funkgerät bei sich. «Wenn beispielsweise ein Einsatzleiter in Basel eine Wischmaschine oder die Hebebühne braucht, können wir das per Funk einfach koordinieren», sagt Meier.

Die Arbeiten, die seit letztem Montag der Reihe nach angegangen werden, haben nichts zu tun mit den Sorgen, die der Chienbergtunnel dem Tiefbauamt mit der Gesteinswölbung in der Hebungszone unter der Fahrbahn bereitet. «Es handelt sich um normale Unterhaltsarbeiten, wie sie bei jedem anderen Tunnel zweimal im Jahr durchgeführt werden», sagt Thomas Hauenstein vom Tiefbauamt. «Es wird vor allem gereinigt und Funktionskontrollen werden durchgeführt.»

Rund zehn Arbeiter sind an fünf Nächten damit beschäftigt. Sie ersetzen Leuchtmittel, putzen die Signale, saugen die Ausstellbuchten und schwemmen Material aus den seitlichen Schlitzrinnen. Zusätzlich werden auch die Notrufsäulen revidiert und man kontrolliert, ob alle Schaltungen funktionieren. Wenn jemand die Fluchtwegtüre öffnet, oder den Feuerlöscher aus der Halterung zieht, blinken beispielsweise verschiedene Lichter im Tunnel und bei der Polizei geht gleichzeitig ein Signal ein. «Es ist schon verrückt, was in einem Tunnel alles an Technik steckt», sagt Hauenstein. «Die meisten Leuten wissen das nicht.»

Etwa zwei Meter unter der Fahrbahn, in der Hebungszone, die teilweise auch als Fluchtweg dient, sind zwei Arbeiter damit beschäftigt, mit einem langen Schlauch Schlamm und Sand nach oben zu pumpen. «Das Material wird vom Bergwasser angespült, das wir sammeln und abführen müssen», erklärt Hauenstein vom Tiefbauamt. Versickert das Wasser stattdessen in den Rissen, könnte im Kontakt mit dem Gipskeuper das quillen des Gesteins noch zunehmen und zu verstärkten Hebungen führen.

Tag oder Nacht?

Die Unterhaltsarbeiten gaben im Vorfeld zu reden, weil sie auf Geheiss der Regierung eigentlich tagsüber ausgeführt werden sollten. Dies war als Sparmassnahme gedacht, um sich die Nachtzulagen für die Arbeiter zu sparen. Nachdem die Massnahme probeweise beim Schönthaltunnel umgesetzt wurde, und daraufhin grosse Kosten durch Stau entstanden, hagelte es Kritik von allen Seiten (die bz berichtete). Die Regierung krebste innert weniger Tage zurück. Seither sucht man beim Tiefbauamt nach anderen Sparmassnahmen. Welche das sein könnten, kann auch Hauenstein nicht sagen. «Wir sparen immer schon da, wo es möglich ist, aber es muss auch Sinn machen», sagt er. Bei den Aufträgen für Unterhaltsarbeiten mache es keinen Sinn, jetzt zu sparen und in zehn Jahren insgesamt doppelt so viel zu zahlen. «Regelmässiger Unterhalt ist unerlässlich und spart auf lange Sicht Kosten», sagt Hauenstein.

Nun arbeitet man also wieder nachts. «Mir macht das nichts aus.», sagt ein Arbeiter, der gerade damit beschäftigt ist, ein Trübsichtgerät zu reinigen. Der rote Kasten an der Decke des Tunnels kontrolliert die Sichttrübung im Fahrraum des Tunnels und schlägt bei zu hohen Werten Alarm. «Bei Nachtschicht treffen wir uns jeweils um 19 Uhr, arbeiten bis etwa elf und machen dann Pause. Um 5 Uhr morgens wird der Tunnel für den Verkehr wieder freigegeben «, erzählt der Tunnelchef Meier. «Zwischen 5 Uhr und 8.30 rollt dann der Morgenverkehr.»

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