Solarteure
«Es macht Spass, am Morgen zur Arbeit zu gehen»

Zwei Solarteure aus der Region berichten über neue Berufsfelder im Rahmen der Energiewende. Dabei wird klar: Erneuerbare Energie ist längst keine unsichere Pionierbranche mehr.

Daniel Haller
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Für qualitativ gute Photovoltaik braucht es ausgebildete Fachleute: Anlagen in Frenkendorf. zvg

Für qualitativ gute Photovoltaik braucht es ausgebildete Fachleute: Anlagen in Frenkendorf. zvg

«Öl und Kohle sind zu schade zum Verbrennen», ist Pascal Maillard überzeugt. Der Elektrozeichner aus Liestal, der mit CAD-Programmen Schaltungen zeichnet, wurde mit 49 arbeitslos und packte die Chance, nochmals «richtig etwas in Angriff zu nehmen». Im Internet stiess er auf den Solarteur-Lehrgang in Rheinfelden und meldete sich an. Erneuerbare Energie hatte ihn schon früher interessiert, doch er hatte das Gefühl, dass dies eine noch unsichere Pionierbranche sei. «Das ist vorbei, mittlerweile hat die Branche eine professionelle Stufe erreicht.»

Auch Claudio Nohara (56) aus Oberwil wäre schon lange gern in die neuen erneuerbaren Energien eingestiegen. Schon in der Jugend fuhr er mit dem Töffli an die Demos nach Kaiseraugst. Doch mit einer höheren kaufmännischen Ausbildung musste er feststellen: «Die benötigten Ingenieure, keinen Bürogummi.» 20 Jahre später meldete er sich aber gleich für den ersten Solarteur-Lehrgang in Rheinfelden an. Mit Schreck musste er da während der Montagearbeiten auf dem Dach feststellen, dass er nicht schwindelfrei ist. Trotzdem fand er per Blindbewerbung sofort eine Stelle bei Solvatec in Basel: «Jetzt bin ich wieder im Büro, aber in meiner Wunschbranche.»

Stellensuche kein Problem

Auch Maillard fand rasch eine Stelle: «Sobald ich die Ausbildung absolvierte, wurde mir überall Arbeit angeboten, meistens als Freelancer, wenn sich Kleinbetriebe für ein Projekt jemanden dazuholen.» Er entschied sich für eine feste Stelle bei Holinger Solar in Bubendorf. «Ich bin nun verantwortlich für die Schaltungen im Wechselstrombereich, die der jeweilige Netzbetreiber bewilligen muss.» Daneben sei er auch bei Installationen auf dem Dach dabei oder übernehme Arbeiten im Elektroteil solarthermischer Anlagen. «Im Lehrgang habe ich aber auch viel über Wärmepumpen und Sanitärtechnik gelernt.» Er würde sich zwar mangels Praxis nicht zutrauen, von A bis Z eine solche Anlage zu installieren. «Aber so habe ich einen Überblick über das Ganze.» Neben der Befriedigung über die Verantwortung, die er nun trägt, freut er sich auch über den höheren Verdienst.

Auch Nohara knüpft an seine früheren Qualifikationen an. «Ich suche Partnerfirmen, die Photovoltaik-Anlagen installieren.» Solvatec übernehme in einem ersten Schritt das Engineering, eine gewisse Ausbildung und die Qualitätssicherung, das Partner-KMU die praktische Montage. Mittlerweile arbeite Solvatec mit einem halben Dutzend Betrieben konstant zusammen und stehe mit 15 in Kontakt. Auch wenn Photovoltaik technisch ausgereift sei, bleibe ein Pioniergefühl: «Es geht darum, die ganze Branche voranzubringen und Falschinformationen zu korrigieren.»

Freude am neuen Beruf

Beiden gemeinsam ist die Skepsis gegenüber Atomenergie, vor allem wegen der Abfallproblematik. So unterschiedlich ihre Tätigkeiten nun sind, blicken die beiden Solarteure auf eine anstrengende Ausbildung zurück: «Es ist viel Stoff in kurzer Zeit, relativ happig und komplex», meint Maillard. Mehrfach bezeichnet er seinen neuen Job als «spannend». Auch Nohara hat das Gefühl: «Ich bin nun beruflich angekommen. Es macht Spass, am Morgen zur Arbeit zu gehen.»