Monica Gschwind
«Es sollen alle wieder am gleichen Strick ziehen»

Die vierte Kandidatin auf dem bürgerlichen Ticket musste sich in ihrem bisherigen Wahlkampf bereits eine dicke Haut zulegen. Gestoppt hat das die Freisinnige nicht.

Bojan Stula
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«Es können auch Häuser mit aufs Bild»: Monica Gschwind in der Grün 80, ihrem allerersten Ausflugsziel, als sie vor 30 Jahren ins Baselbiet zügelte.

«Es können auch Häuser mit aufs Bild»: Monica Gschwind in der Grün 80, ihrem allerersten Ausflugsziel, als sie vor 30 Jahren ins Baselbiet zügelte.

Roland Schmid

Seit 20 Wochen befindet sich Monica Gschwind im Wahlkampf. Am 26. August 2014 wurde sie am Parteitag der Baselbieter CVP als vierte bürgerliche Regierungskandidatin auf den Schild gehoben. «Hier hat alles begonnen», sagt sie und weist auf das Restaurant Seegarten in der Grün 80. In diesen fünf Monaten hat die 51-jährige Treuhänderin bereits beide Extreme der verstärkten öffentlichen Beobachtung und Begutachtung erfahren. Zuerst der Tiefpunkt in der ersten Novemberwoche: Als Gemeindepräsidentin erteilt sie im Namen ihres Gemeinderats allen Absichten eine frühzeitige Absage, dass Hölstein Standort eines Bundesasylzentrums werden könnte. Umgehend bricht über sie ein regelrechter Sturm der Empörung herein. Beim Finanzausgleich kräftig kassieren wollen, aber alles Belastende an die Zentren abschieben: So lautet der Tenor der Kritik, der auf sie niederprasselt – typisch unsolidarische, kleinkarierte Oberbaselbieter eben.

Immer diese Asylpolitik

Gschwind, seit 14 Jahren im Gemeinderat, seit 2012 als Gemeindepräsidentin, erwidert, sie würde alles nochmals genau gleich machen wie im vergangenen November. Als Präsidentin sei die Kommunikationshoheit bei ihr gelegen. «Ich hätte mich nie dafür hergegeben, mich um diese Verantwortung zu drücken, nur weil ich gerade im Wahlkampf stehe.» Noch immer ist sie davon überzeugt, dass ein grosses Bundeszentrum für 400 bis 500 Asylbewerber ihre Gemeinde aus den Angeln heben würde; darum habe auch die damalige Stellungnahme des Gesamtgemeinderats ihre Gültigkeit behalten. Neue Signale vom Bund oder der Kantonsregierung habe es seither keine gegeben. Was allerdings nicht bedeutet, der Asylstandort Hölstein sei vom Tisch.

Diese Episode hat ihre Wirkung nicht verfehlt: Sie sei jetzt härter im Nehmen als noch im vergangenen August. Die dickere Haut bekomme man automatisch in einem Wahlkampf. Überhaupt, das Asyl- und Sozialwesen: Diesem gibt Gschwind die Schuld, dass sie im Ruf stehe, am rechten Rand des Freisinns zu politisieren. Nur weil sie als Gemeindepräsidentin oft genug erlebe, wie das Gemeinwesen von einzelnen Individuen ausgenützt werde, vertrete sie in diesen Fragen eine harte Linie. Ansonsten politisiere sie aber genau im Sinne der klassischen liberalen Ideale.

Die Diskussion um das Bundesdurchgangszentrum ist inzwischen völlig in den Hintergrund getreten. Und seither kennt Gschwinds Popularität nur eine Richtung: aufwärts. Den grössten Schub im Wahlkampf hat ihr die Unterstützung durch das vom Grünen-Landrat Jürg Wiedemann geführte Komitee der Starken Schule verliehen. Das ist der positive Ausschlag in der bisherigen Kampagne der gebürtigen Luzernerin; ein regelrechter Coup. Dabei stärkt ihr die Anti-Harmos-Front nicht nur durch eigene Wahlplakate den Rücken. Gerade die Starke Schule nimmt Gschwind vor den Vorwürfen in Schutz, dass sie in ihrem auf die Bildungsdirektion ausgerichteten Wahlkampf bloss heisse Luft produziere, wenn es um konkrete Inhalte und Ziele einer künftigen Bildungspolitik gehe.

Am gleichen Strick ziehen

Auf ihrer Homepage hat die Starke Schule Gschwinds komplettes Argumentarium aufgeschaltet, mit dem sie die Bildungsspezialisten an einem Wahlhearing beeindruckte. Gschwind betont auch jetzt noch, dass sie sowohl in der Vergangenheit als auch künftig nicht alle Teile der Komitee-Anliegen unterstützen werde. Doch an ihrer Hauptstossrichtung dürfe es auch weiterhin keine Zweifel geben: Sie will im Falle des Wahlerfolgs die Bildungsdirektion effizienter und kostengünstiger machen, ohne auf dem Buckel des einzelnen Schülers zu sparen. «Mir persönlich ist es ein Anliegen, dass in der künftigen Baselbieter Bildungspolitik wieder alle am gleichen Strick ziehen: Parlament, Bildungskommission, Direktion, Lehrer und Eltern. Jetzt leidet eine ganze Generation an Schülern.» Den Tatbeweis erbringen, dass dieser Spagat tatsächlich zu schaffen sei, kann sie aber erst, wenn sie im Amt ist.

Geschickt in Position gebracht

«Hier hat alles angefangen.» Die Grün 80, in der Monica Gschwind die bz zum Wahlgespräch eingeladen hat, war ihr erstes Ausflugsziel, als sie vor 30 Jahren aus dem Luzernischen ins Baselbiet zügelte. Die Grün 80 soll aber auch dafür stehen, dass «ich nicht nur im Oberbaselbiet sitze». Als sie in den Kanton kam, war Binningen ihr erster Wohnort. Die Anliegen des unteren Kantonsteils kennt sie darum genau. Seither hat sie unzählige Spaziergänge mit ihrer Familie in der Münchensteiner Ebene durchgeführt. Mit der Nominierung am 26. August 2014 im Restaurant Seegarten habe sich nun der Kreis geschlossen.

Gschwind will die Chance unbedingt nutzen, die sich ihr im Rahmen des bürgerlichen Schulterschlusses geboten hat. An einem FDP-Fraktionsausflug vor drei Jahren war es ihre damalige Liestaler Landratskollegin Regina Vogt, die ihr erstmals den Floh einer Regierungskandidatur ins Ohr setzte. «Danach bin ich immer wieder darauf angesprochen worden, auch von Kollegen aus anderen Parteien.» Geschickt hat sie sich in Position gebracht, als es für den bürgerlichen Block aus SVP, FDP und CVP darum ging, jenen zusätzlichen Kandidaten mit den grössten Wahlchancen zu ermitteln, mit dem die 4:1-Vormacht in der Regierung wieder hergestellt werden soll.

Dafür wirft die selbstständige Treuhänderin ihre Exekutiverfahrung in Hölstein, ihre Legislativerfahrung im Landrat sowie der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission, aber auch ihre Lebenserfahrung als zweifache Mutter, als Gründerin des Kulturclubs und als Hobby-Volleyballerin in die Waagschale. Monica Gschwind ist im Wahlendspurt eine überaus ernst zu nehmende Anwärterin auf einen Sitz in der Regierung. Nach 20 Wochen Wahlkampf scheinen ihre Chancen von Tag zu Tag eher zu- als abzunehmen.