Fliegeridol
Es war eine nationale Tragödie: Der Tod des Flugpioniers Oskar Bider

Seit seinem fatalen Absturz am 7. Juli 1919 ist dem in Langenbruck geborenen Flieger ein langer Nachruhm vergönnt.

Bojan Stula
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Das Begräbnis am 10. Juli 1919 auf dem Friedhof in Langenbruck: Vor den beiden Särgen von Oskar und Leny Bider hat sich eine illustre Trauergemeinde versammelt. Darunter in der ersten Reihe Korpskommandant L.-H. Bornand (1862–1919), Biders Onkel und ehemaliger Vormund, Rektor Max Albert Glur-Foster (1881–1946) aus Liestal sowie Biders Onkel und Pfarrer Julius Ernst Glur-Rouge (1879–1931) aus Rheinfelden.
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Oskar Bider
Oskar Bider und seine ebenfalls flugbegeisterte Schwester Leny, die sich aus Verzweiflung über den frühen Tod ihres Bruders das Leben nahm.zvg
Von der Bevölkerung verehrt: Oskar Bider als Oberleutnant im April 1919.

Das Begräbnis am 10. Juli 1919 auf dem Friedhof in Langenbruck: Vor den beiden Särgen von Oskar und Leny Bider hat sich eine illustre Trauergemeinde versammelt. Darunter in der ersten Reihe Korpskommandant L.-H. Bornand (1862–1919), Biders Onkel und ehemaliger Vormund, Rektor Max Albert Glur-Foster (1881–1946) aus Liestal sowie Biders Onkel und Pfarrer Julius Ernst Glur-Rouge (1879–1931) aus Rheinfelden.

keystone-sda.ch

Oskar Bider ist nicht totzukriegen. Rund 500 Artikel sind in den vergangenen 20 Jahren in Schweizer Printmedien über ihn erschienen. Sei es aus Anlass von runden Jahrestagen, wie einer am Sonntag ansteht. Sei es aufgrund von Festen und Gedenkveranstaltungen, wie sie in Biders Oberbaselbieter Geburts- und Heimatort Langenbruck regelmässig stattfinden. Oder aber aufgrund literarischer Necuerscheinungen, die Biders filmreifes Leben zum Gegenstand haben.

Seines und dasjenige seiner inzwischen nur unwesentlich weniger bekannten Schwester Leny Bider. Hier haben der Thuner Bider-Experte Johannes Dettwiler und 2011 die Zofinger Roman-Schriftstellerin Margrit Schriber («Das zweitbeste Glück», München; Nagel und Kimche) viel zu Leny Biders Nachruhm beigetragen. 2018 verarbeitete der Grenchner Aviatikexperte Peter Brotschi biografische Elemente und historische Fakten in den Flieger-Roman «Biders Nacht» (Knapp-Verlag).

Biders letzte Nacht

Tatsächlich ist die Versuchung gross, Biders letzte Tage, seine letzte Nacht, zur Quintessenz eines aussergewöhnlichen, viel zu kurzen Lebens zu stilisieren. Noch wenige Tage vor seinem Absturz am 7. Juli 1919 hatte der 28-jährige Oberleutnant eine weitere fliegerische Pioniertat vollbracht: Zusammen mit Theodor Gubler, dem bekannten Redaktor der damaligen «Basler Nachrichten», umflog er in einer Häfeli-DH3-Postkuriermaschine auf einem «1000-Kilometer-Flug» die Schweiz, wobei die erste Etappe von Basel nach Lausanne führte.

Es waren solche und ähnliche Leistungen, für die der gut aussehende Langenbrucker Militärpilot während des Ersten Weltkriegs in den Rang eines «Superstars» und Volkshelden aufstieg – in etwa vergleichbar mit dem berühmten «Roten Baron», Deutschlands Jagdflieger-Ass Manfred von Richthofen. Umso jäher kam für die Schweizer Bevölkerung die Schreckensmeldung seines tödlichen Absturzes.

Nachdem er am 2. Juli seinen beruflichen Abschied von der Fliegertruppe genommen hatte, feierte er diesen fünf Tage später mit einer Gesellschaft im Offizierscasino des Militärflugplatzes Dübendorf. Trotz Warnung seiner Offizierskameraden Friedrich Brunner und Balthasar Zimmermann bestieg Bider nach durchzechter Nacht um 6.15 Uhr seine Nieuport 23 C-1, um mit einem Akrobatikflug die Gesellschaft zu unterhalten. Zehn Minuten lang ging alles gut, dann begann Biders Maschine zu trudeln und schlug auf dem Boden des Dübendorfer Flugplatzes auf. Die sofort herbeieilenden Beobachter Hans Mahler, Hermann Hess und Fritz Gschwind konnten nur noch seinen Tod feststellen. Bei der folgenden militärischen Untersuchung gab einer der Zeugen an, Oskar Bider sei «leicht angeheitert» zu seinem letzten Flug gestartet. Die Suizidthese wurde unter dem Deckel gehalten.

Die Reaktionen auf dieses Unglück sind bekannt: Die Schweiz wurde in kollektive Trauer gestürzt, während sich Biders Schwester Leny noch am gleichen Tag aus Gram erschoss. Das Land verdankte dem Chefpiloten und Cheffluglehrer ab 1914 Entscheidendes zum Aufbau der ersten Schweizer Militär-Fliegerabteilung. Dies, seine Pioniertaten in der Zivilluftfahrt, aber auch sein und Lenys tragisches Ende dürften auf viele weitere Jahrzehnte hinaus unvergessen bleiben.

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