Keine Feiern
Es wird ein Silvester zum Vergessen – doch wir dürfen wenigstens raus

Feuerwerk am Rhein, Turmbläser, Silvester-Gottesdienst: alles ist abgesagt für die Neujahrsnacht. Wer nun denkt, das sei bitter: Unsere Nachbarn im Norden trifft es noch härter.

Benjamin Wieland
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«Schutzmassnahmen nicht umsetzbar»: Schon Ende Oktober sagte Basel-Stadt das Silvester-Feuerwerk ab. Privat Raketen steigen lassen bleibt aber in beiden Basel grundsätzlich erlaubt.

«Schutzmassnahmen nicht umsetzbar»: Schon Ende Oktober sagte Basel-Stadt das Silvester-Feuerwerk ab. Privat Raketen steigen lassen bleibt aber in beiden Basel grundsätzlich erlaubt.

Juri Junkov/bz-Archiv

Das gab es wohl noch nie. Basel Tourismus kündigt exakt ein Angebot für Silvester am Dreiländereck an: Ein Package mit Dinner und Übernachtung im Hotel Volkshaus – Hotelrestaurants gehören zu den wenigen Restaurationsbetrieben, die noch Gäste bewirten dürfen.

Die übrigen Einträge auf der Website von Basel Tourismus sind bereits wieder obsolet. Ende Oktober wurde das Silvester-Feuerwerk am Rhein abgesagt. Das Münster-Ständchen der Turmbläser des Stadtposaunenchors und der Silvestergottesdienst im Münster fallen ebenfalls flach. Beide Anlässe hat Basel Tourismus – Stand gestern Dienstag – online noch aufgeführt, auch ein Glühweintrinken wurde beworben: «Verschiedene Stände am Rheinufer schenken zwischen 23 und 1 Uhr kostenlos Glühwein aus – das wärmt Finger und Seele!», schreibt Basel Tourismus, man beziehe sich bei den Anlässen auf Silvester 2021. Man bedanke sich aber für den Hinweis, der Eintrag könne irreführend sein. Das Volkshaus versichert, das Silvester-Dinner fände statt – aber eben: nur für Hotelgäste.

Raketen steigen lassen, ist erlaubt – aber aufgepasst!

Mit Absagen geht es 2021 weiter. Die Neujahrsapéros fallen ins Wasser, zumindest im gewohnten Rahmen – so auch die Aadringgede am Dreizackbrunnen am Münsterberg. Jeweils am 1.Januar um 11 Uhr lässt die Zunft zum Goldenen Stern aus den Brunnenrohren den Gewürzwein Hypokras fliessen. Wie die Zunft mitteilt, gibt es stattdessen ab 11 Uhr auf der Website eine Überraschung (siehe Fussnote).

Was Freunde der Pyrotechnik freut: Die geltenden Coronaverordnungen lassen privates Feuerwerk zu. Wer also im Garten eine Rakete steigen lässt oder auf der Strasse einen Vulkan entzündet, hat keine Busse zu befürchten. Das stimme im Grunde, schreibt Roland Walter, Sprecher der Baselbieter Polizei: «Wichtig ist, dass man sich an die bekannten Massnahmen hält. Keine Menschenansammlungen mit mehr als 15 Personen im öffentlichen Raum, und im privaten Raum nicht mehr als zehn Personen aus maximal zwei Haushaltungen.»

In Basel-Stadt ist das Abbrennen von Feuerwerk eigentlich bewilligungspflichtig

An Silvester jedoch, schreibt Toprak Yerguz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements, würden, wie anlässlich der Bundesfeier, «kleinere private Feuerwerke, die keine Selbst- oder Fremdgefährdung» darstellen, toleriert. Man gehe «nicht jedem einzelnen Böller» nach. Aber: Die Polizei werde «vor allem dort, wo sich Versammlungen abzeichnen – unabhängig ob dies wegen eines Feuerwerks oder aus einem anderen Grund geschieht – Präsenz zeigen und die anwesenden Personen anweisen, die geltenden Massnahmen einzuhalten». Das traditionelle Anstossen zum Jahreswechsel auf dem Münsterplatz sollte man also besser meiden.

Baden-Württemberg und das Elsass sind strenger

Das ist trist – unsere Nachbarn trifft es jedoch ungemein härter. In Deutschland und in Frankreich gelten in der Silvesternacht die üblichen Corona-Ausgangssperren – nur, wer einen triftigen Grund angibt, darf zwischen 20 und 5 Uhr ausser Haus.

Das war an Weihnachten anders: In Frankreich war es an Heiligabend erlaubt, sich im kleinen Rahmen zu besuchen, in Deutschland wurden die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen für Treffen im privaten Rahmen für alle drei Weihnachtsfeiertage gelockert.

Die Kantonspolizei wird nicht jedem einzelnen Böller nachgehen.

(Quelle: Toprak Yerguz, Justiz- und Sicherheits- Departement Basel-Stadt)

Damit ist Schluss. Das Land Baden-Württemberg warnt Partybrüder und -schwestern: Es würden die üblichen Ausgangsbeschränkungen gelten, insbesondere nachts ab 20 Uhr. Maximal fünf Personen ab 15 Jahren aus bis zu zwei Haushalten dürfen sich treffen. Feuerwerk ist verboten, zumindest ausserhalb des eigenen Grundstücks: «Kein Verkauf von Pyrotechnik, keine Ansammlungen und kein Zünden von Pyrotechnik im öffentlichen Raum.»

Im Elsass dürfen sechs Erwachsene zusammen dinieren. Beim Feuerwerk ist man aber noch strikter. Es darf weder verkauft noch eingeführt oder abgebrannt werden. Der Bann hat nicht nur mit den Covid-19-Pandemie zu tun, wie die Zeitung «L’Alsace» schreibt. In vielen Banlieues wurden in den vergangenen Jahren in der Silvesternacht immer wieder Polizisten und Feuerwehrleute mit Raketen und Böllern angegriffen.

www.zunftzumgoldenenstern.ch