Abspaltung
Esther Maag wechselt zu Grünen-Unabhängigen und will in Nationalrat

Die ehemalige Landratspräsidentin Esther Maag verlässt die Baselbieter Grünen und schliesst sich dem Vorstand der Grünen-Unabhängigen an. Zusammen mit Jürg Wiedemann und Saskia Olsson lässt sie sich auch gleich für den Nationalrat aufstellen.

Michael Nittnaus und SDA
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Esther Maag, Saskia Olsson und Jürg Wiedemann (v.l.) vom Vorstand der Grünen-Unabhängigen Baselland.

Esther Maag, Saskia Olsson und Jürg Wiedemann (v.l.) vom Vorstand der Grünen-Unabhängigen Baselland.

Michael Nittnaus

Es kam, wie es die bz vorhersagte: Heute Mittwoch präsentierten sich die Grünen-Unabhängigen Baselland offiziell als Verein und damit als neue Kantonalpartei. Die Medienkonferenz im Regierungsgebäude von Liestal nutzte Geschäftsführerin Saskia Olsson auch dazu, ihre zwei prominentesten Köpfe vorzustellen: Esther Maag und Jürg Wiedemann. Das Trio bildet - ergänzt durch den Allschwiler Seklehrer Michael Pedrazzi - auch den neuen Vorstand. Damit ist auch klar, dass sich die Liestalerin Maag von den Grünen Baselland verabschiedet und ihr neues Glück bei jener Partei sucht, die nach dem Rausschmiss von Wiedemann von unzufriedenen Grünen und Exponenten des Komitees Starke Schule Baselland geschaffen wurde.

Grüne-Unabhängige greifen mit Liste 10 an

Und die neue Partei setzt sich sofort hohe Ziele: Sie möchte im Herbst einen der sieben Baselbieter Nationalratssitze erobern. Auch dafür stellen sich Maag, Wiedemann und Olsson zur Verfügung. Zusammen mit der kantonalen Bieneninspektorin Marie-Louise Rentsch aus Wintersingen und dem Sekundarlehrer Markus Clauwaert aus Birsfelden stehen bereits fünf der sieben Plätze auf der Liste 10 der Grünen-Unabhängigen fest. Die zwei freien Plätze werden zu einem späteren Zeitpunkt besetzt. Dass dieses Unterfangen nicht alleine gelingen kann, ist den Beteiligten bewusst. Sie unterstrichen deshalb den Willen, mit der GLP und der EVP Listenverbindungen einzugehen. Entsprechende Gespräche laufen. Ungeachtet von deren Zustandekommen dürfte die Liste namentlich die Grünen Stimmen kosten, die erneut Maya Graf, 2012/2013 erste grüne Nationalratspräsidentin, nach Bern schicken wollen.

Neue Ortssektionen werden gebildet

Verärgern die Grün-Unabhängigen nun auch die SP?

Für Esther Maag sei eine Ständerats-Kandidatur eine «überlegenswerte Option». So beantwortete die neu Grün-Unabhängige am Donnerstag eine entsprechende Frage von OnlineReports. Damit würde die neue Partei nebst den Grünen auch die SP angreifen, die ihren bisherigen Ständerat Claude Janiak ins Rennen schickt. Ebenfalls zur Wahl stellt sich Christoph Buser (FDP) mit einer Doppelkandidatur. (jan)

Partei will Mitte-Links politisieren

Die Ausrichtung der Partei bezeichnete Olsson als «mitte-links»; in vielen Bereichen werde sich deren Stossrichtung nicht von jener der Grünen unterscheiden. Die grösste Differenz zu den Grünen bestehe aber in der Bildungspolitik, wo die Grünen-Unabhängigen intensiv mit dem Komitee Starke Schule Baselland zusammenarbeiten wollten. Das Komitee wehrt sich gegen den Lehrplan 21 und hat 2014 eine Initiative zum Ausstieg des Kantons Baselland aus der Schulharmonisierung HarmoS eingereicht. Bildungspolitisch Aktive hätten sich bei den Grünen Baselland nicht mehr frei äussern können, Positionspapiere seien unter Verschluss gehalten worden - dies war laut Olsson ausschlaggebend für die Abspaltung der neuen Partei. Maag kritisierte «One-Man-Shows, Ausgrenzungen und Machtspiele».

Dem Ausschluss Wiedemanns bei den Grünen wollte Olsson dagegen nur eine «untergeordnete Rolle» zuweisen. Den Sekundarlehrer aus Birsfelden, seit 2003 im Landrat, hatten die Grünen am 25. und 26. März mit klaren Mehrheiten aus Partei und Landratsfraktion ausgeschlossen; er habe Entscheidsstrukturen umgangen, wurde gerügt. Hintergrund waren seine Unterstützung von FDP-Kampfkandidatin Monica Gschwind bei den Regierungsratswahlen vom Februar und seine damals noch unbestimmte Haltung zu einer ins Gespräch gebrachten grün-unabhängigen Liste bei den Nationalratswahlen vom kommenden Herbst. Diese Liste wird nun Realität.