Noch mehr Flüge
Euroairport-Direktor: «Fluglärm findet in Frankreich statt»

Die Swiss baut in Basel stark aus. Neu gibt es Flüge nach London, Kopenhagen und Rom. Euroairport-Direktor Jürg Rämi freut sich über den Ausbau.

Andreas Maurer
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Euro-Airport-Direktor Jürg Rämi (vorne) freut sich über den Ausbau von Swiss-CEO Harry Hohmeister (Mitte) und BMI-Chef Jörg Hennemann. Öpf

Euro-Airport-Direktor Jürg Rämi (vorne) freut sich über den Ausbau von Swiss-CEO Harry Hohmeister (Mitte) und BMI-Chef Jörg Hennemann. Öpf

Die Swiss löst ein altes Versprechen ein: Sie baut in Basel stark aus. Sind Sie erleichtert, Herr Rämi?

Jürg Rämi: Das ist eine positive Entwicklung. Ich kann aber nicht von Erleichterung reden. Es ist einfach gut, dass es so läuft.

Was bringt der Ausbau dem Euro-Airport konkret?

Die Swiss spricht von 200000 Passagieren, die das zusätzliche Angebot produzieren soll. Wir erhalten dadurch natürlich entsprechende Passagiergebühren, Parkplatz- und andere Kommerzeinnahmen.

Dafür verlieren Sie die Destination Warschau und den bei Städtetouristen beliebten Flughafen London-City.

Viele Passagiere für London-City werden in Zukunft vermutlich weiterhin ab Basel fliegen: über London-Heathrow oder -Gatwick. Der eine oder andere wird aber vielleicht von einem anderen Flughafen starten. Warschau verlieren wir. Aber das waren nicht so viele Flüge: drei pro Woche.

Das schmerzt Sie nicht?

Mich schmerzt der Verlust der Destination ein wenig. Aber die Anzahl verlorener Passagiere wird durch das Wachstum massiv überkompensiert.

Der Ausbau von Swiss ist ein Angriff auf Ihren wichtigsten Partner: Easyjet. Sehen Sie das auch als Nachteil?

Dass das ein Angriff sein soll, haben Sie gesagt. Ich würde das nicht so formulieren. Aber es ist sowieso nicht die Aufgabe des Flughafens, die Konkurrenzsituation zu organisieren. Die Airlines machen ihre Analysen der Strecken und beschliessen danach, gewisse Strecken mit einer gewissen Frequenz zu bedienen. Konkurrenz ist immer gut fürs Geschäft: Man ist effizienter, wo Konkurrenz herrscht.

Auch wenn Ihre wichtigste Airline als Folge möglicherweise Flüge streichen muss?

Ich glaube nicht, dass das der Fall ist. Es gibt andere Destinationen, die unterschiedliche Airlines schon heute ab Basel in Konkurrenz fliegen, wie Barcelona oder Hamburg. Von den Destinationen, die Swiss nun ausgesucht hat, habe ich das Gefühl, dass es eine Verstärkung vertragen mag.

Was für einen Ausbau wünschen Sie sich in Zukunft? Was wären Ihre neuen Traumdestinationen?

Die Star Alliance der Lufthansa-Gruppe eröffnet neue Perspektiven. Richtung Osten und Südosten sehe ich noch Marktpotenzial. Und wir reden schon lange von einem Langstreckenflug nach Nordamerika. Man wird sehen, was in Zukunft möglich ist.

Sie freuen sich über den Ausbau. Der zusätzliche Lärm wird in der Region Basel aber vielen Leuten Sorgen bereiten.

Durch den Ausbau von Swiss gibt es eine Flugzeugkapazität mehr. Der Airbus A319 ist ein modernes, relativ lärmgünstiges Flugzeug. Das ist sicher eine Verbesserung gegenüber dem Avro, dem Jumbolino, mit dem die Swiss bisher operiert hat. Deshalb ist der Ausbau erträglich.

Aber die Auseinandersetzung zwischen Fluglärm-Gegnern und dem Flughafen wird sich zuspitzen.

Das muss nicht sein. Wichtig ist immer noch zu wissen, dass wir auf Schweizer Boden keine Immissionsgrenzwerte verletzen. Da können wir das Angebot am Euro-Airport noch erheblich steigern. Das hat der Fluglärmkataster gezeigt: Der Fluglärm, der über den Grenzwerten liegt, findet auf französischem Boden statt. Auf Schweizer Boden werden die Immissionsgrenzwerte nicht verletzt.

Sie halten den Protest in der Schweiz also für übertrieben.

Es gibt immer Leute, die sich gestört fühlen. Aber wir bewegen uns in einem Rahmen, den die Schweizer Gesetzgebung als erträglich einstuft.

Sollten die Leute in der Region Basel Ihrer Meinung nach also froh sein, dass es den Flughafen gibt, anstatt zu reklamieren?

Das muss jeder mit sich selber abmachen. Es ist eine Güterabwägung. Es reklamieren ja auch längstens nicht alle. Es gibt immer mehr Betroffene, von denen man auch versteht, dass sie sich gestört fühlen. In den gleichen Wohngegenden gibt es aber auch Leute, die kein Problem haben mit dem Fluglärm. Es ist individuell, ob man sich vom Lärm gestört fühlt.