Schwere Vorwürfe
Ex-Mitglied wirft Lauwiler Gemeinderat Vetternwirtschaft vor

Sie sei zur Kündigung gedrängt worden, damit die Frau des Gemeindepräsidenten ihre Stelle übernehmen könne: Diesen Vorwurf erhebt die ehemalige Gemeindeschreiberin von Lauwil. Der Gemeinderat sieht sich als Opfer einer Schlammschlacht.

Benjamin Wieland
Merken
Drucken
Teilen
Die Idylle trügt: Lauwil im Baselbieter Jura.

Die Idylle trügt: Lauwil im Baselbieter Jura.

Juri Junkov

Lauwil liegt in einer von Wäldern umrandeten Senke im Baselbieter Jura. Der Jodlerclub lädt einmal im Jahr zum Heimatabend, der Frauenverein organisiert ein Kaffistübli und die Kantonsstrasse endet mitten im Dorf, weshalb die 322 «Loueler», wie sich die Bewohner nennen, vom Durchgangsverkehr verschont bleiben.

Leserbrief von Karin Suter

Liebe Louelerinnen und Loueler, nun sind über vier Monate vergangen seit meinem abrupten Weggang aus Lauwil. Ich brauchte diese Zeit, um mich offiziell von Ihnen verabschieden zu können. Es war alles nicht ganz so, wie es vom Gemeinderat kommuniziert wurde. Ich möchte hier die Wahrheit ans Licht bringen und Ihnen danken für die schöne Zeit, die ich in Lauwil verbringen konnte. Am Montag, 26. November 2012, wurde ich anstelle der geplanten Gemeinderatssitzung ins Sitzungszimmer gebeten. Andy Mohr und Marcial Blasutto haben mir verkündet, dass eine weitere Zusammenarbeit untragbar sei. Bea Mohr sollte wohl, wie von mir vermutet, meinen Platz einnehmen. Ich hätte die Möglichkeit, selber zu kündigen; andernfalls würden sie mich fristlos entlassen. Gründe, welche eine fristlose Kündigung rechtfertigen, würden sie schon finden. Ich war sprachlos, kam mir vor wie ein Schwerverbrecher. Ich musste meinen Arbeitsplatz räumen, die Schlüssel abgeben. Ich war per sofort freigestellt. Ich konnte kaum mehr schlafen, war nervlich am Ende. Gerne hätte ich es drauf ankommen lassen und die Angelegenheit vor das Arbeitsgericht ziehen wollen. Aber ich hatte Angst. Freigestellt hätte ich keine Chance gehabt, mich gegen jegliche Anschuldigungen zu wehren. Zudem musste ich an meine berufliche Zukunft denken und ganz ehrlich, ich hätte zu diesem Zeitpunkt die Kraft für diesen Kampf nicht gehabt. Somit habe ich mich für den feigen, aber einfacheren Weg entschieden und meine Kündigung eingereicht. Sie können mir glauben, es hat mir fast das Herz gebrochen. Ich habe wahnsinnig gerne für Sie gearbeitet! Nun ist es leider so und es bleibt mir nur, Ihnen für Ihr Vertrauen zu danken! Passen Sie gut auf die Gemeinde auf!

Herzlichst: Karin Suter,
ehemalige Gemeindeschreiberin
von Lauwil, Schöftland

Happiger Vorwurf

Die Kündigung verlief laut Suter so: Sie sei am Abend des 26. November von Gemeindepräsident Andy Mohr und Gemeinderat Marcial Blasutto aus heiterem Himmel darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass eine weitere Zusammenarbeit untragbar sei. «Sie sagten mir, ich hätte die Möglichkeit, selber zu kündigen.» Andernfalls würde sie fristlos entlassen. «Gründe, welche eine fristlose Kündigung rechtfertigen, würden sie schon finden», hätten die beiden noch angefügt. Danach musste Suter ihren Arbeitsplatz räumen.

Etwas mehr als zwei Jahre war Suter, die in Schöftland (AG) wohnt, in Lauwil tätig. Sie sei vom Gemeinderat immer wieder für ihre Arbeit gelobt worden. Den Grund, warum sie in Ungnade gefallen ist, macht Suter bei Bea Mohr aus, ihrer früheren Aushilfe: Der Gemeinderat hatte diese im Oktober eingestellt, ohne jedoch Suter vorab darüber in Kenntnis zu setzen. «Bea Mohr wäre nur im Stundenpensum angestellt gewesen, ihr Stellenbeschrieb lautete jedoch genau gleich wie meiner - da habe ich natürlich ein paar unangenehme Fragen gestellt.»

Gemeinderat sieht sich als Opfer

Brisant: Bea Mohr ist die Frau von Gemeindepräsident Andy Mohr. Suter vermutet, dass die Anstellung im Stundenlohn dazu diente, eine öffentliche Ausschreibung der Stelle zu umgehen: «Nach meinem Abgang hätte Bea Mohr meine Stelle erben sollen, durch das Hintertürchen sozusagen», ist Suter überzeugt. Andy Mohr will sich zur Kündigung nicht äussern, da er der Schweigepflicht unterstehe. Den Vorwurf der Vetternwirtschaft bestreitet er jedoch vehement: «Eine Aushilfe gab es schon früher. Und die neue Gemeindeschreiberin heisst Karin Schneider, sie hat ihre Arbeit bereits aufgenommen.»

In der Tat wird Schneider auf der Gemeindewebseite bereits als Gemeindeschreiberin aufgeführt - ebenso Bea Mohr. «Der Gemeinderat wird sich nicht auf diese Schlammschlacht einlassen», sagt Andy Mohr. Er hofft, dass im Dorf endlich wieder Ruhe einkehrt. Dieser Wunsch wird so rasch nicht in Erfüllung gehen: Wie die bz weiss, handelt es sich bei den Verteilern des Flugblatts um Nachbarn des Gemeindepräsidenten.