Baselland
Fachkundige Begleitung auf letztem Weg des Lebens

Das Rote Kreuz Baselland bietet Kurse an, in denen Freiwillige lernen können, wie sie schwer kranke und sterbende Personen kompetent begleiten

Julia Gohl
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Im Umgang mit Schwerkranken und Sterbenden die richtigen Worte zu finden, ist schwierig, kann aber geschult werden. Rolf Jenni / MZ-Archiv

Im Umgang mit Schwerkranken und Sterbenden die richtigen Worte zu finden, ist schwierig, kann aber geschult werden. Rolf Jenni / MZ-Archiv

«Nichts in dieser Welt ist sicher ausser dem Tod und den Steuern.» Dieser Satz wird dem amerikanischen Gründervater Benjamin Franklin in den Mund gelegt. Über die Steuern wird auch gerne gesprochen: Wie hoch sie wieder sind, was damit finanziert wird, was man von ihnen abziehen kann. Über den Tod hingegen wird lieber geschwiegen. Obwohl er eines der einzigen zwei Dinge sein soll, die im Leben sicher sind, wird er gerne verdrängt.

Tabubruch beim Roten Kreuz

Das Rote Kreuz bricht nun dieses Tabu um den Tod und bietet Kurse an, in denen man sich zur Begleitung sterbender Menschen ausbilden lassen kann. Seit rund einem Jahr wird dieser auch im Kanton Baselland angeboten. Gaby Glanzmann gehört zu den zahlreichen Absolventinnen dieser Ausbildung. «Als Jugendliche hatte ich einen beinahe tödlichen Unfall, später sind zwei gute Freunde von mir gestorben», erzählt die 41-Jährige. «Da habe ich gemerkt, dass der Tod für mich kein Tabu ist und dass ich gut damit umgehen kann.» So nahm ihr Interesse an der Sterbebegleitung langsam zu.

Heute besucht Gaby Glanzmann alle zehn Tage einen Mann in einem Altersheim. Er war während der Ausbildung beim Roten Kreuz ihr Praktikumspatient und hat seither einen festen Platz in ihrem Alltag eingenommen, wenn auch einen klar definierten. «Abgrenzung ist bei dieser Tätigkeit sehr wichtig, das haben wir auch in der Ausbildung gelernt», erklärt Gaby Glanzmann. Einfach sei das aber nicht immer. «Es ist eine ständige Arbeit, für die man sich auch selbst sehr gut kennen muss», schildert sie.

«Ich könnte das jedem empfehlen»

Tauchen Schwierigkeiten auf, wenn klare Grenzen gesetzt werden müssen, dann ist Gaby Glanzmann nicht auf sich alleine gestellt. Noch immer hält sie Kontakt mit einigen, die die Ausbildung mit ihr absolviert haben. «Mit ihnen können solche Probleme angesprochen werden», sagt sie. «Und auch die Kursleiterin wäre in solchen Fällen immer für einen da.» Von Kurs, Leiterin und Teilnehmern ist Gaby Glanzmann sowieso begeistert. «Ich könnte das jedem empfehlen», betont sie. «Was man dort lernt, kann jeder brauchen. Ich bin überzeugt, dass man alleine dadurch, dass man den Tod nicht verdrängt und tabuisiert, besser lebt.»

Regina Bachmann, die für die Bildungsabteilung des Roten Kreuzes Baselland verantwortlich zeichnet, möchte nicht grundsätzlich jedem nahelegen, diesen Kurs zu besuchen. Sie schränkt das Feld deshalb ein. «Wenn sich jemand selbst gerade in einem Sterbe- oder Trauerprozess befindet, so ist diese Person nicht in der richtigen Verfassung, sich dem Thema neutral zu stellen», ist sie überzeugt.

«Das heisst nicht, dass die Personen, die eine solche Phase bereits einmal durchlebt haben, für diesen Kurs ungeeignet sind. Doch diese Trauerprozesse müssen einfach ganz abgeschlossen sein, bevor man sich dem Lehrgang stellt.» Die Begleitungskurse wurden bisher grösstenteils von Personen besucht, die in Alters- und Pflegeheimen, in Hospizen oder dann bei den Schwerkranken zu Hause Freiwilligenarbeit leisten wollen. «Wir haben aber auch viele Teilnehmer, die in der Pflege tätig sind und gerne mehr Kompetenzen in der Sterbebegleitung hätten», erklärt SRK-Frau Regina Bachmann.

An Kursteilnehmern fehlt es bisher jedenfalls nicht. «In Basel existiert ein solches Angebot schon lange und es war immer sehr gut besucht», erzählt Regina Bachmann. Aus diesem Grund hat dann auch das Rote Kreuz Baselland beschlossen, den schweizweiten Kurs ebenfalls im Baselbiet anzubieten. Scheinbar finden sich also doch Leute, die nicht nur über Steuern, sondern auch über den Tod reden.