Nachhaltigkeit
Fahrspass und ökologische Vernunft – das will der Nischenfüller aus Langenbruck bieten

Ökozentrum-Projektleiter Mario Vögeli ist sich der Zukunft der Elektromobilität sicher und bringt sein neustes Elektromobil auf die Strasse.

Yannette Meshesha
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Das neue Elektromobil F16, das vom Ökozentrum Langenbruck entwickelt wurde, soll Fahrspass und ökologische Vernunft kombinieren.

Das neue Elektromobil F16, das vom Ökozentrum Langenbruck entwickelt wurde, soll Fahrspass und ökologische Vernunft kombinieren.

Zur Verfügung gestellt

Das Ökozentrum Langenbruck bringt sein neustes Elektromobil auf die Strasse. Nach dem Modell Smile folgt nun der F16, der seinen Vorgänger puncto Leichtbauweise, Leistung und Ressourceneffizienz übertreffen soll.

Gemeinsam mit dem Projektpartner Secma überprüfen die Entwickler zurzeit den Bau einer Kleinserie des F16 und besetzen damit im rasant wachsenden Markt der Elektromobilität eine Nische. Projektleiter Mario Vögeli ordnet die Arbeit des Ökozentrums in die aktuellen Entwicklungen ein.

Herr Vögeli, Elektromobilität ist zurzeit in aller Munde. Ist es da nicht schwierig, sich mit einem neuen Produkt in diesem heiss umkämpften Markt zu etablieren?

Mario Vögeli: Der F16 ist aus einer technischen Sichtweise heraus als internes Projekt entstanden. Wir wollten die Ressourceneffizienz und die Leichtbauweise weiterentwickeln. Die grosse Resonanz auf das entstandene Produkt überraschte uns und deshalb versuchen wir nun herauszufinden, wie gross dieses Interesse auf dem Markt sein könnte.

Wir positionieren uns ganz klar in einer Nische, die eher in Richtung Lifestyle geht. Als kleiner Produzent ist es für uns unmöglich, im aktuellen Preiskampf die grosse Revolution zu schaffen. Wir sind auch erst dabei, das Potenzial unseres Produkts zu erörtern.

«Die emotionalen Ansprüche an ein Auto sind mit unseren ökologischen Kriterien nicht leicht vereinbar.» Mario Vögeli ist diplomierter Maschinenbau-Ingenieur FH und Projektleiter im Bereich Forschung und Entwicklung am Ökozentrum Langenbruck. Dieses forscht und arbeitet im Bereich erneuerbare Energien und Ressourcen.

«Die emotionalen Ansprüche an ein Auto sind mit unseren ökologischen Kriterien nicht leicht vereinbar.» Mario Vögeli ist diplomierter Maschinenbau-Ingenieur FH und Projektleiter im Bereich Forschung und Entwicklung am Ökozentrum Langenbruck. Dieses forscht und arbeitet im Bereich erneuerbare Energien und Ressourcen.

Appenzeller Nils

Glauben Sie, dass der kürzlich aufgedeckte Diesel-Skandal deutscher Autohersteller zur Chance für die Elektromobilität werden kann?

Ich finde es teilweise ironisch, wie das Thema plötzlich zum Politikum wird, mit dem auch Wahlkampf betrieben wird. Gewisse Politiker übertreiben es damit aber auch und polarisieren stark. Ich denke, es wird in der nahen Zukunft ein Miteinander von verschiedenen Autoherstellern und Antriebstechnologien brauchen, bei dem jeder seinen Platz findet.

Dass die Elektromobilität kommt, muss man nicht mehr diskutieren. Das ist unbestritten. Die Gründe dafür sind bekannt. Die Akzeptanz von Politik und Bevölkerung hat in den letzten Jahren stark zugenommen.

Das Ökozentrum arbeitet seit zehn Jahren im Bereich Elektromobilität. Wie setzen Sie Ihre Erfahrungen ein?

Mit unserer Erfahrung bedienen wir vor allem KMU, also kleine und mittelgrosse Player, die von unserem Know-How profitieren können. Besonders im Kommunalbereich und in der Landwirtschaft gibt es viele Geräte und Maschinen, die Lärm und Geruchsbelastung verursachen. Viele Firmen wären interessiert daran, leise, saubere Geräte auf den Markt zu bringen, haben aber zu wenig Erfahrungswerte. Dort setzen wir mit Beratung und Entwicklung an.

Gibt es bereits Bestrebungen zur Zusammenarbeit mit kommunalen oder landwirtschaftlichen Interessenten?

Ja, wir arbeiten zurzeit daran, mit Agrarwirtschaftlern, verschiedenen Firmen und Bundesstellen eine Know-How-Gruppe zu bilden. Es ist ein Hand-Shake zwischen kommerziellen und ökologischen Interessen in Richtung einer grünen Wirtschaft.

Im Ökozentrum arbeiten Physiker und Ingenieure, Biologen und Umweltwissenschaftler. Dieses umfassende Know-How stellt unsere spezielle Stärke dar.

Hoffen Sie auch bei Ihrer Kundschaft auf ökologische Interessen?

Längerfristig vielleicht, aber im Moment sehe ich das noch weniger. Elektromobilität bietet aber einen eindeutigen Mehrwert, für den die Endkunden auch bereit sind, mehr zu bezahlen. Im Kommunalbereich und der Landwirtschaft ist das bereits spürbar.

Die Vorteile der dort eingesetzten Geräte liegen darin, weniger Lärm, Vibration und Lokalemissionen zu verursachen. Die Erwartungen der Kunden geben dem Business einen guten Antrieb. In der Automobilindustrie wird das meiner Ansicht nach aber noch länger dauern, selbst mit erschwinglicheren und konkurrenzfähigen Preisen.

Warum?

Bei Privatautos liegt der Mehrwert von Elektromobilen höchstens im grünen Gewissen. Autos sind Statussymbole, Sportartikel. Da spielen Emotionen eine grosse Rolle. Der F16 ist zwar ein schnittiges Sportmodell, das grossen Fahrspass bietet. Es gibt Kunden, die sich dadurch begeistern lassen, dass man Suffizienz mit sportlichem Fahrspass kombinieren kann.

Aber das ist eine kleine Kundengruppe. Auf Dauer werden wir uns aus der Automobilindustrie eher zurückziehen. Wir wollen Qualität garantieren und die emotionalen Ansprüche an ein Auto sind mit unseren Grundsätzen von Ressourceneffizienz und ökologischen Kriterien nicht leicht vereinbar. Wir konzentrieren uns daher lieber auf die kommenden Landwirtschaftsprojekte.