Arlesheim
Fallpauschalen führen bei der Lukas-Klinik zu massivem Stellenabbau

Was die Ita-Wegman-Klinik geschafft hat, gelingt der kleineren Lukas-Klinik in Arlesheim nicht: Die reibungslose Umstellung auf Fallpauschalen. Bei Der Lukas-Klinik führt das nun zu 27 Kündigungen.

Michael Nittnaus
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Die Lukas-Klinik in Arlesheim: Fallpauschale kostet 27 Stellen.

Die Lukas-Klinik in Arlesheim: Fallpauschale kostet 27 Stellen.

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Beide Häuser haben sich der Anthroposophie verschrieben, sind Nachbarn in Arlesheim. Doch während die Ita-Wegman-Klinik für 2012 mit einem kleinen Betriebsüberschuss rechnet und erst jüngst eine Kooperation mit dem Kantonsspital Baselland einging – ein Ambulatorium für Radiologie wird eingerichtet (die bz berichtete) –, kämpft die Lukas-Klinik am Limit. Das auf anthroposophische Onkologie spezialisierte Haus musste 27 Kündigungen im Umfang von 15,8 Vollstellen aussprechen. Dies berichtete gestern die «Basler Zeitung».

Ursprünglich 42 Kündigungen

Gegenüber der bz bestätigt der kaufmännische Leiter Benjamin Kohlhase das Sparprogramm. Durch die Einführung der Fallkostenpauschalen (DRG) 2012 sei die durchschnittliche Liegezeit der Patienten um 35 Prozent gesunken. Dies habe die Auslastung trotz des Plus von 12,9 Prozent an stationären und 8,4 Prozent an ambulanten Patienten verschlechtert. Kohlhase: «Unser Problem – gerade im Vergleich zur Ita-Wegman-Klinik – ist, dass wir derart spezialisiert sind. Wir sind kein Haus der anthroposophischen Medizin in ihrer Gesamtheit, sondern nur der Onkologie.» So fehle es etwa an Hausarztmedizin oder auch an einer Notaufnahme. Die Lukas-Klinik muss nun Wege finden, neue Patientenströme zu generieren. «Noch gibt es zum Beispiel keine Spezialisten für onkologische Notfälle. Daran arbeiten wir», sagt Kohlhase.

Fast wäre es Ende Februar nicht bei 27 Kündigungen geblieben. Ursprünglich seien deren 42 geplant gewesen – ein ganzes Viertel der 170 Angestellten. Erst nach einem Konsultationsverfahren sei man zur Einsicht gelangt, dass «wir fast kein anthroposophisches Haus mehr sind, wenn wir alle anthroposophischen Anwendungen wegsparen», sagt Kohlhase. Denn diese bedeuteten zwar den grössten Aufwand, seien aber schliesslich auch ein zentraler Teil des Angebotes.

Kampf um mehr Gelder

Die Lukas-Klinik kämpft nun – wie andere Einrichtungen der Schweiz – für eine Anpassung der DRG, dass anthroposophische Medizin nicht nur im ambulanten, sondern auch im stationären Bereich abgegolten wird. Die betroffenen Angestellten sehen sich derweil auf dem offenen Markt mit ganz verschiedenen Perspektiven konfrontiert: Während Pflegende und Physiotherapeuten gesucht sind, sieht Kohlhase für anthroposophische Kunsttherapeuten schwarz: «Für sie gibt es nur ganz wenige Stellen.»