Super League
Favres Torhütersuche: Fliegt Yann Sommer bald nach Gladbach?

Der Goalie des FC Basel scheint bereit für einen Wechsel in die Bundesliga. Mönchengladbach muss für nächste Saison einen neuen Schlussmann suchen. Yann Sommer hat ihr Interesse geweckt. Er wäre bereits der dritte Schweizer Goalie in der Bundesliga.

Sebastian Wendel, Marbella
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Zurzeit holt sich Yann Sommer im Trainingslager in Spanien den Schliff für die Rückrunde mit dem FC Basel.

Zurzeit holt sich Yann Sommer im Trainingslager in Spanien den Schliff für die Rückrunde mit dem FC Basel.

Andy Müller/Freshfocus

Hätten Sie es gewusst? Die einzigen zwei Goalieposten in der Bundesliga, die nicht von Deutschen besetzt sind, teilen zwei Schweizer unter sich auf: Diego Benaglio in Wolfsburg, Marwin Hitz in Augsburg. Für die einen Zufall, für die anderen der Beweis für das gesteigerte Ansehen der Schweizer Torhüterschule in jenem Land, das seit je als Goalie-Goldbrunnen gilt.

Im Sommer wird ein Deutscher die Bundesliga verlassen. Marc-André ter Stegen hat jüngst verkündet, seinen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach nicht zu verlängern. Auch wenn die Bestätigung fehlt: Viel deutet darauf hin, dass der 21-Jährige Victor Valdes im Tor von Barcelona beerben wird. Und nun schiessen im Norden die Spekulationen ins Kraut, wer ter Stegen dereinst in Gladbach ablöst. Der Frankfurter Kevin Trapp wird gehandelt, der Freiburger Oliver Baumann, Ron-Robert Zieler aus Hannover. Alles junge und talentierte Goalies, alles Deutsche.

Doch all denen könnte ein Schweizer zuvorkommen. Einer, der auf jeder in den Medien herumgereichten Liste einen der vorderen Plätze einnimmt. Yann Sommer, Schweizer und seit 2011 die Nummer 1 des FC Basel. Er sagt: «Ich habe die Gerüchte gelesen. Es ehrt mich, mit einem Klub wie Gladbach in Verbindung gebracht zu werden. Aber von offizieller Seite habe ich nichts gehört.»

Auch gemäss FCB-Sportdirektor Georg Heitz gibt es noch kein Angebot aus Gladbach. Doch dass die Chancen, ter Stegen zu beerben und der dritte Schweizer Goalie in der Bundesliga zu werden, nicht schlecht stehen, ist keine reine Erfindung der Medien. Dafür spricht zu viel für Yann Sommer.

Vorbilder Shaqiri und Xhaka

Max Eberl, sportlicher Leiter in Gladbach, hält Ausschau nach einem spielstarken Goalie. Keiner, der nur Bälle fängt, sondern bei Ballbesitz quasi als elfter Feldspieler auftritt. So einer ist Sommer. Sein Goalietrainer in Basel, Massimo Colomba, attestiert seinem Schützling, bei einem Mittelfeldklub der Challenge League als Feldspieler mithalten zu können.

Auch dass mit Lucien Favre ein Landsmann Sommers die Borussia trainiert, spricht sicher nicht gegen einen Transfer. Favre hat schon während seiner Zeit in Berlin Schweizer geholt. Im vergangenen Sommer lockte er seinen früheren Liebling aus Zürich, Raffael, nach Gladbach. Und schon ein Jahr länger ist Granit Xhaka dort, Sommers früherer Teamkollege in Basel. So gesehen wäre auch die Verhandlungsbasis zwischen Basler und Gladbacher Verantwortlichen gegeben – man kennt sich.

Mit Sommer hätte Favre einen Goalie, der die Champions League – ein grosses Ziel der Gladbacher – bestens kennt und der dank seiner offenen Art kaum Zeit zur Akklimatisation braucht. Auch die Verständigung mit den Ausländern wäre gewährleistet: Sommer spricht neben Deutsch fliessend Französisch, Englisch, Spanisch und auch passabel Italienisch.

Würde ein Angebot kommen, Sommer würde es ernsthaft prüfen. «Alles andere wäre für einen Schweizer Fussballer unlogisch», sagt er. Ein Wechsel in die Bundesliga sei etwas Aussergewöhnliches, die Chance käme nicht oft. «Das hat man bei Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka gesehen.» Sommer will neben der Schweizer noch eine andere Liga kennen lernen. «Irgendwann will ich den nächsten Schritt machen.» «Irgendwann» könnte, wenn man Sommer so zuhört, auch schon «Jetzt» sein.

Denn bereit fürs Ausland fühlt er sich. Logisch: Mit dem FCB hat er als Stammgoalie alles erreicht: zwei Mal Meister, der dritte Titel winkt. Dazu Cupsieger, Achtelfinal in der Champions League, Halbfinal in der Europa League – mehr geht kaum. Sommer weiss auch: Freie Goaliepositionen bei Topklubs sind rar. «Das ist so. Aber ich muss 100 Prozent davon überzeugt sein», sagt er.

Ob und wohin Yann Sommer wechselt, hängt auch vom Preis ab. Zwar hat Gladbachs Max Eberl gesagt, einen Teil der Ablösesumme für ter Stegen (ca. 13 Millionen Franken) reinvestieren zu wollen. Doch könnte Sommer, dessen Vita Länderspiele, Meistertitel, ein Achtelfinal in der Champions League und ein Halbfinal in der Europa League zieren, zu teuer sein.

Sein Marktwert liegt nicht weit unter dem von ter Stegen. Dafür wäre ein Oliver Baumann vom deutschen Abstiegskandidaten Freiburg für Gladbach wohl billiger zu haben. Ein sehr guter deutscher Goalie günstiger als ein sehr guter Schweizer Goalie – das war auch schon mal anders.

Bürki kam Sommer beinahe zuvor

Noch bis 2015 läuft Sommers Vertrag in Basel. «Kein Kommentar», antwortet Sportdirektor Heitz auf die Frage, wie weit die Gespräche über eine Verlängerung gediehen seien. Nur so viel: «Wir sind immer bestrebt, Leistungsträger zu halten. Leider klappt das nicht in jedem Fall.»

Im letzten Sommer gab es aus Florenz ein offizielles Angebot für Sommer, das der FCB aber ausgeschlagen hat. Weitere dürften folgen, das weiss auch Heitz: «Es wäre nicht normal, stünde er nicht auf dem Zettel grosser europäischer Vereine.» Und sollte Sommer im Sommer tatsächlich wechseln, muss Basel einen Nachfolger verpflichten.

In der Schweiz gibt es hierfür nur einen Namen: Roman Bürki von GC. Der übrigens wäre Sommer kürzlich beinahe zuvorgekommen, der dritte Schweizer Goalie in der Bundesliga zu werden: Doch Mainz entschied sich gegen Bürki.

Wie entscheidet sich Gladbach?